Von Lavendel, Olivenöl und Cézannes Mont Ventoux

Eine Lesereise durch die Provence

Von Lavendel, Olivenöl und Cézannes Mont Ventoux

 Man sollte meinen, an Reiseführern durch die Provence, sogar an guten, mangele es nicht. Um es gleich zu sagen: Michael Bengels „Lesereise“ in und durch die Lavendellandschaft ist eine Bereicherung des bereits bestehenden Kanons. Wie der Titel schon verkündet, ist der schmale, in der feinen Picus-Reihe aus Wien herausgekommene Band vor allem zur Lektüre gedacht, und die darf auch gern im heimischen Sessel stattfinden. Ganz ohne Fotos auskommend, entstehen doch vor dem (inneren) Auge des Lesers eindringliche Bilder, die man so schnell nicht vergessen wird. Durch flirrende Olivenhaine und vorbei an Mühlen aus Granit geht es nach Mouriès, wo das „allerbeste Öl“ gewonnen wird, und dass sich hinter viel Olivenöl und einem Rest an „Wasser, Handwerk, Salz und Schweigen“ das Geheimnis der Seifensiederei verbirgt, ist im Kapitel über die Manufakturen in Salon zu erfahren. Auch geht es nach Aix auf „Spurensuche um Cézanne“ und, mit den Kriminalromanen von Jean-Claude Izzo im Gepäck, durch die Viertel von Marseille. Der Kölner Michael Bengel ist in der Provence, die er über Dekaden hinweg auch zu Fuß immer wieder bereist hat, zuhause. Und der glückliche Leser mit ihm.

Michael Bengel, Lesereise Provence. Farbenspiel im Schatten des Mistral. Wien: Picus, 2014. 132 Seiten, 14,90 Euro.

Fotomontage: © 2mcon märthesheimer consulting

Jürgen Gräßer
23.06.2014

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