Giuseppe Verdi bei „Klassik am See“

„Rigoletto“ am Dechsendorfer Weiher

Giuseppe Verdi bei „Klassik am See“

Wie schon im zurückliegenden Jahr ist es auch in diesem Sommer wieder die bulgarischstämmige Italienerin Ljubka Biagioni, die die Oper an den See (vulgo: Dechsendorfer Weiher) bringen wird. Und wie in dessen Jubiläumsjahr 2013 steht, nach „La Traviata“, auch jetzt wieder Giuseppe Verdi auf der musikalischen Speisekarte. Am 30. Juli wird Biagioni – in einer halbszenischen Aufführung – „Rigoletto“ dirigieren.

 

Und quasi synonym einher mit Biagioni gehen die von ihr gegründeten „Sofia Symphonics“. Nach intensiver Orchesterarbeit über viele Jahre hinweg, unter anderem mit Klangkörpern in Dänemark, Griechenland, Italien, mit den Hofer Sinfonikern und mit dem renommierten Wiener Kammerorchester, wuchs in der Gattin Enoch zu Guttenbergs (selbst ein Dirigent von Rang) der Wunsch, ein eigenes Ensemble zu leiten. Mit Musikern aus den großen bulgarischen Orchestern hat Biagioni sich diesen Traum erfüllt.

 

Biagioni ist es ein besonderes Anliegen, den Kern einjeder Oper herauszuarbeiten und dabei deren Aussage über den Effekt zu stellen. Durch die intensive Zusammenarbeit mit ihren Orchestermitgliedern ist mit den Jahren ein tiefes, gegenseitiges Verständnis hierfür entstanden, das in einem singulären Klang resultiert und dem Publikum ein frisches Erleben der derart erarbeiteten Oper gewährt. Biagioni lehnt sich an die barocke Spielpraxis an, bleibt mithin in der Gestaltung von musikalischen Phrasen nah am Text, was wiederum eine transparente Einheit von Musik und Text zur Folge hat. Kurz: Die „Sofia Symphonics“ werden quasi zu einem weiteren, sprechenden und ansprechenden Solisten.

 

Die Titelrolle wird Anton Kerimitchiev gestalten. Nach Studien in Sofia und in Rom war der Bariton festes Mitglied am Staatstheater Darmstadt, gastierte an der Deutschen Oper Berlin, an den Häusern in Leipzig, Frankfurt und Mannheim. Der gefragte Heldenbariton hat unter anderem mit Kirill Petrenko, dem neuen Chefdirigenten der Bayerischen Staatsoper, mit Adam Fischer und Jac van Stehen zusammengearbeitet, was für seine Güte spricht. In Dechsendorf darf Kerimitchiev als Rigoletto den Hofnarren des Herzogs von Mantua geben. Den Herzog singt Michail Michailov. Nach einem anfänglichen Violinstudium besann sich der Bulgare doch seines Gesangstalentes und ließ seine Tenorstimme in der Landeshauptstadt ausbilden. Zu seinem Repertoire zählen die Solopartien in Beethovens Neunter und im Verdi-Requiem. Auch Donizetti, Puccinis „La Bohème“ und Rossinis „Barbier von Sevilla“ hat Michailov bereits gemacht.

 

In der Rolle der Gilda, Rigolettos Tochter, wird Marta Torbidoni zu erleben sein. Die Sopranistin schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Meisterklassen führten sie zu der von Karajan protegierten Mirella Freni (häufige Partnerin von Luciano Pavarotti und zeitweilig, an der Seite von Nicolai Gedda, mit diesem zusammen als Traumpaar der Oper gefeiert) nach Modena und zu Thierry Pillon nach Rom. Ihr Debut feierte Torbidoni in der Rolle der Anna in „Nabucco“, gab die Donna Elvira und, unter Biagionis Dirigat, die Violetta. Neben den Solisten und den „Sofia Symphonics“ wird ein (Männer-)Chor zu hören sein, der sich aus Mitgliedern der Philharmonischen Chöre in Herzogenaurach und Nürnberg zusammensetzt. Eine löbliche Verbeugung vor der Region.

 

Verdis „Rigoletto“ nach Victor Hugo gilt als dessen erstes Meisterwerk. Mit der Uraufführung im März 1851 im Teatro La Fenice in Venedig begann Verdis Weltruhm, obgleich die melodramatische Oper der Zäsur zum Opfer fiel. Nun ja, vielleicht gerade deshalb. „Rigoletto“ ist, ganz wie im richtigen Leben, reich an zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Konflikten und keinesfalls arm an Intrigen und amourösen Eskapaden. Beispielsweise umgarnt der Herzog die Schwester von Sparafucile, Maddalena. Musikalische Frucht dieses Werbens ist der Ohrwurm „La donna è mobile“ (also „Die Frau ist launisch“ oder, in anderen Worten, „O wie so trügerisch sind Weiberherzen“). Den Herzog aber liebt noch immer (die als Mann verkleidete) Gilda und beschließt, für ihn in den Tod zu gehen und sich im Tumult von Sparafucile erdolchen zu lassen. Böse Welt, aber schöne Musik!

 

Sollte es, wie von Verdi im finalen Akt ja tatsächlich vorgesehen und verlangt, am 30. Juli über dem Dechsendorfer Weiher zu einem Gewitter kommen (der Veranstalter spricht von „vorhersehbarem Unwetter oder Sturm“), so wird die Aufführung möglicherweise auf den Folgetag verlegt. Ob die Oper unwetterbedingt abgesagt werden muss, entscheidet sich allerdings grundsätzlich erst am Abend. Bei unsicherer Wetterlage kann man sich von 13 Uhr an auf der Internetseite von „Klassik am See“ (http://www.klassik-am-see.com/) und über die Klassik-Wetter-Leitung unter 01805 / 32 64 28 über den Stand der Dinge in Kenntnis setzen.

 

Copyright Fotos: © Thomas Langer und Ljubka Biagioni zu Guttenberg

Jürgen Gräßer
23.06.2014

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