Die Kulturtafel Bamberg

Breites Angebot für Bedürftige

Die Kulturtafel Bamberg

 Wer kennt das nicht? Da hat man eines der arg begehrten Abonnements beispielsweise für die Sonntagskonzertreihe der Bamberger Symphoniker ergattert, oder gar deren zwei (denn auch kultureller Genuss macht ja à deux besonders viel Freude), und dann ist man verhindert, kann nicht ins Konzert, weil man krank ist oder sich mit der Liebsten zerstritten hat. Statt nun auf den Karten sitzen zu bleiben, statt sie verfallen zu lassen, besteht in Bamberg die Möglichkeit, die Karten weiterzureichen und anderen eine Freude zu machen.

Ein Anruf bei der KulturTafel Bamberg unter 0951 8680 175 ( Montag bis Sonntag von 10 Uhr bis 19 Uhr) oder eine E-Mail (info@kulturtafel-bamberg.de) genügt, um die Dauerkarte an einen Gast der Tafel abzugeben und diesem Bedürftigen den Besuch der Veranstaltung zu ermöglichen. Genannt werden müssen die Nummer des Abonnements sowie Tag und Titel der Veranstaltung. Die KulturTafel teilt dann dem Veranstalter mit, dass ein Gast der KulturTafel den Platz übernimmt. Der Gast braucht dann nur noch an der Kasse das Zauberwort „KulturTafel“ auszusprechen und erhält eine Ersatzkarte.

Nina Kusnezow hat vor zwei Jahren die KulturTafel, die unter der Ägide der Diakonie Bamberg-Forchheim steht, ins Leben gerufen. Schirmherren sind Oberbürgermeister Andreas Starke und Landrat Johann Kalb. Kusnezows Einsatz, und dem von fünfzehn hochmotivierten ehrenamtlichen Helfern, die sich an jedem ersten Dienstag im Monat treffen, aber darüber hinaus auch fast jedes Wochenende opfern, ist es zu verdanken, dass inzwischen über tausend Gäste an rund 5500 Eintrittskarten gekommen sind. Kultur ist für unsere gesellschaftliche Entwicklung von enormer Bedeutung, das steht außer Frage. Dass sie Geld kostet, dass Opernhäuser, Theater und Orchester mit hohen Summen subventioniert werden, ist kein Geheimnis. Dennoch sind Eintrittskarten zumeist recht kostspielig. Bedürftige jedenfalls können sich dergleichen kaum oder gar nicht leisten.

Hier springt die KulturTafel ein. Gast kann grundsätzlich jeder werden, der über ein geringes Einkommen verfügt, etwa ein HartzIV-Empfänger. Bei der Beurteilung richtet man sich nach den aktuellen Pfändungsfreigrenzen. Die Leute, die bedürftig sind, müssen dies allerdings auch belegen. Das kann zum Problem werden, denn nicht jeder möchte seine relative Armut preisgeben und scheut sich womöglich, entsprechende Ausweise von der Agentur für Arbeit vorzuzeigen. Vielleicht sollte man da doch mit der Vergabe von Karten etwas großzügiger umgehen. Ohnehin muss die KulturTafel ja nur deshalb einspringen, weil der Staat versagt. Sie darf nicht zur Armentafel werden. Es geht nicht um die Speisung der Armen mit Kultur. Die Teilnahme am kulturellen Leben ist ein Bürgerrecht für alle.

Die KulturTafel hat sich zum Ziel gesetzt, unbürokratisch und über die Konfessionen hinweg zu handeln. Sie will die Solidarität innerhalb Bambergs stärken und möchte die Situation bedürftiger Menschen erlebbar und ganz konkret verbessern. Potentielle Gäste müssen einen Anmeldebogen ausfüllen, auf welchem sie die Kontaktdaten anführen und Auskunft geben über die jeweiligen kulturellen Interessen. Die können von der volkstümlichen Musik über den Jazz bis hin zur Klassik reichen, vom Theater bis – auch das – zum Sport. Karten der Brose Baskets oder für den Besuch im Fußballstadion sind sehr begehrt. Besonders gefragt sind im Übrigen auch Veranstaltungs-tickets für Kinder.

Wenn der KulturTafel Karten zur Verfügung gestellt werden, vermittelt sie diese gezielt in einem persönlichen Telefonat. Die Karten sind ausschließlich für die Gäste und den von ihnen (aus dem Kreis der Ehrenamtlichen) eingeladenen Begleiter bestimmt. Das Angebot der Tafel findet große Resonanz. Die Bedürftigen, die durch Nina Kusnezows Projekt in den Genuss eines Veranstaltungsbesuchs kommen, sind sehr dankbar. Davon zeugen die Stimmen der Gäste. B. B. beispielsweise (die Kürzel sind der Wahrung der Anonymität geschuldet) kam an zwei Premierenkarten, die der Bürgermeister der KulturTafel überlassen hatte. Sie spricht von einem „Riesen-Ereignis“ und führt aus: „Zu meiner Freude durfte ich sogar neben dem Erzbischof sitzen. Es war einfach toll. Ich fühlte mich sehr geehrt. Es ist einfach wunderbar, was die KulturTafel für Angebote hat. Ich bin sehr glücklich darüber, denn sonst könnte ich nie an kulturellen Veranstaltungen teilhaben.“

Ähnlich äußert sich U. G., die ein „ganz tolles Turnevent“ und ein „sehr schönes Adventskonzert in der Erlöserkirche“ besuchen konnte. „Es war immer ein Erlebnis, das ich mir sonst nicht hätte leisten können. So konnte man dem tristen Alltag entfliehen und bekam wieder mehr Kraft.“ Und F. N. dankt für „hochkarätige Konzerte“ der Bamberger Symphoniker in der „wunderbaren Akustik der Konzerthalle“. „Balsam und Inspiration für die Seele“ sei das gewesen.

Das Engagement der KulturTafel ist inzwischen durch die Vergabe von drei Preisen gewürdigt worden. Im vergangenen Jahr wurde ihr der Bürgerpreis der Sparkasse zuerkannt, außerdem erhielt sie den Managementpreis auf der Consozial, der größten Sozialmesse hierzulande, sowie den Ehrenamtspreis der Evangelischen Landeskirche in Bayern. Finanziell unterstützt wird die Tafel von der Oberfrankenstiftung, von der Aktion 1 plus 1, die Arbeitslosen eine Chance gibt, und vom Diakonischen Werk Bayern.

Da sind aber auch und vor allem private Spender, da sind zahlreiche Förderer, Institutionen und Vereine, die als Veranstalter Restkarten oder auch Freikarten der KulturTafel überlassen. Hierzu zählen etwa das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia, das Jugendblasorchester Pödeldorf, das Architekturbüro Dietz, die Städtische Musikschule Bamberg, das Odeon Kino, der Nordbayerische Musikbund, Mäc Härder, das Bamberger Streichquartett und der Kreisjugendring Bamberg-Land. Auch vom Bürgerverein Bamberg Mitte hat die KulturTafel Unterstützung erfahren. Dessen 2. Vorsitzender, Reiner Dietz, zeigte sich von den „Erfolgen und der guten Wirkung des Projektes“ sehr angetan und überreichte eine Spende in Höhe von 1000 Euro.

Engagement ist bei der KulturTafel immer willkommen. Nina Kusnezow freut sich über weitere ehrenamtliche Helfer, an Arbeit mangelt es nicht. Es gilt, die Gästedatei zu pflegen, die Internetseite immer mal wieder zu aktualisieren und mit Kulturschaffenden Kontakt aufzunehmen. Die Ehrenamtlichen können sich von Zeit zu Zeit in zertifizierten Fortbildungen für ihre Aufgaben fit machen lassen. Im April 2013 wurden sie im Einsatz neuer Software geschult, damit sie auch von zu Hause aus ihrem Engagement nachkommen können. Die KulturTafel Bamberg als ein Projekt von und für Menschen kann erst durch das Engagement Vieler lebendig werden und bleiben. Ihre Arbeit bringt Angehörige unterschiedlicher Generationen, Nationen und Herkunftsfamilien miteinander in Kontakt. In der Folge wächst der soziale Zusammenhalt, die Lebensqualität der Menschen steigt.

Etliche Bamberger wissen gar nicht, dass es die KulturTafel gibt. Diese Tatsache nahmen Oberstufenschüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums zum Anlass, im Foyer des E.T.A.-Hoffmann-Theaters und an der Konzerthalle an zwei Abenden auf die Einrichtung aufmerksam zu machen. Sie sprachen Besucher an und erklärten das Anliegen der Tafel. Die Reaktionen auf das Werben um Solidarität mit Bedürftigen waren unterschiedlich. Die Gymnasiasten trafen bei manchen Abonnenten auf strikte Ablehnung, andere hingegen konnten sie davon überzeugen, künftig im Falle des Verhindert-Seins an die KulturTafel zu denken und dieser womöglich Karten zu überlassen. Alle an diesem Schulprojekt Beteiligten waren sich darin einig, dass die KulturTafel notwendig sei und einen großen gesellschaftlichen Beitrag leiste. Und nebenbei lernten die Schüler, dass Ehrenamt anstrengend und zeitintensiv ist. Gerade deshalb wird man die KulturTafel und jene, die sich in ihrer freien Zeit für sie engagieren, kaum genug loben können.

 

 Copyright Fotos: © Kulturtafel Bamberg

Jürgen Gräßer
24.06.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen