Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Kunstverleih in der Nürnberger ARTOTHEK

Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Eigentlich verwunderlich, dass diese Idee nicht bekannter ist, wurde sie doch schon vor ca. 200 Jahren in Deutschland erstmals einem Praxistest unterzogen. Anfänglich allerdings mit eher bescheidenem Erfolg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Kunst- und Buchhandel in der Regel noch zusammen betrieben wurden, hatte, neben dem Buchhandel, auch der Verleih von Bildern als Geschäftssparte seine Existenzberechtigung. Doch dann bereits der erste Rückschlag. Nachdem sich Buch- und Kunsthandel jeweils eigenständig weiterentwickelten, war es mit der gemeinsamen Nutzung eines Vertriebsweges auch schon wieder vorbei. Während der gewerbliche Buchverleih florierte, endete zunächst einmal der diesem Geschäftszweig angegliederte Verleih von Bildern.

 

Erst vor ca. 100 Jahren begann man wieder damit, zunächst in Frankfurt am Main, Berlin und Ulm, Bilder zu verleihen. Triebfeder war der Wunsch, einen weiteren Absatzweg für bildende Kunst zu etablieren. Nach einer durch die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges unterbrochenen Phase, wurde Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts dieser Grundgedanke wieder aufgenommen und entwickelte sich, in den 60er Jahren stark durch das Ausland beeinflusst (dort wurden Bilder längst wie Bücher verliehen und die Artotheken waren in der Regel öffentlichen Bibliotheken angegliedert), von da an so gut, dass es mittlerweile mehr als 130 Artotheken in ganz Deutschland gibt, allein neun davon in Bayern.

 

Eine davon ist die Artothek in Nürnberg. Getragen von dem Artothek Nürnberg e.V. konnte 1991 erstmals mit dem Verleih gestartet werden. Damals hatten Kunden die Auswahl aus 160 Werken, die in der Leihgalerie im sogenannten Pilatushaus am Nürnberger Tiergärtnertorplatz angeboten wurden. Nach diversen Umzügen fand man schließlich 2002 ein neues Domizil in den Räumen des im gleichen Jahr der Öffentlichkeit übergebenen Kopfbaus des Künstlerhauses/K4 (ehem. Komm.) an der Königstraße, wo sich die Artothek auch heute noch befindet.

 

Inzwischen bietet die ARTOTHEK mehr als 800 Original-Kunstwerke zeitgenössicher regionaler und internationaler Künstler zum Verleih an, der auch rege genutzt wird. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen und vieles mehr, von Christine Ackermann bis zu Gerd Zwing. Über 1.000 Mal pro Jahr werden Objekte ausgeliehen und beim Verleih bleibt es, entsprechend der ursprünglichen Intention des weiteren Vertriebsweges, oftmals auch nicht. Verlieben sich Ausleiher in das Objekt ihrer Begierde und werden sie sich mit dem Künstler handelseinig (gerne auch via Vermittlung der Artothek), dann findet das geliebte Bild eine neue, dauerhafte Heimat.

 

Übrigens… kompliziert oder auch teuer ist das Leihen von Kunst in der Artothek Nürnberg keineswegs. Das Leihen selbst ist so einfach wie in einer Bibliothek, Artothek-Leih-ausweis genügt. Den kann man anfordern, wenn man älter als 16 Jahre ist und aus der Metropolregion Nürnberg stammt. Schließlich geht es hier auch um die Identifikation mit Kunst, die aus der Region stammt. Geschenkt bekommt man das „Leihen“ natürlich auch in der Artothek Nürnberg nicht, aber fast. Die Grundleihdauer von 3 Monaten kostet pro Bild gerade mal 9,00 € (4,50 € erm.), Firmen und Institutionen zahlen 18,00 €. Möchte man das Bild noch ein wenig länger genießen, dann kostet jeder weitere Monat 4,00 €. Und tolle Geschenkabos kann man in der Artothek auch erwerben. Wenn das mal nicht eine gute Idee für die nächste Geburtstagsüberraschung ist.

 

Copyright Bilder: © Peter Angermann, Hildegard Schuhmann und Meng Yang

Ludwig Märthesheimer
24.06.2014

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