16. Internationaler Comic-Salon Erlangen

Das wichtigste Festival für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum

16. Internationaler Comic-Salon Erlangen

Das Referat für Kultur, Jugend und Freizeit der Stadt Erlangen veranstaltet auch dieses Jahr vom 19. bis 22. Juni 2014 vier Tage lang den 16. Internationalen Comic-Salon, der hauptsächlich im Kongresszentrum Heinrich-Lades-Halle und im Rathaus stattfindet.

 

1984 gegründet, wächst der Internationale Comic-Salon in den letzten drei Jahrzehnten zum größten und wichtigsten Festival für grafische Literatur und Comic-Kunst im deutschsprachigen Raum heran und feiert somit 2014 stattliche 30 Jahre des Bestehens.

 

Mittelpunkt des Internationalen Comic-Salons ist die Comic-Messe. Das Besondere daran sind zum einen die rund 150 Aussteller, also Verlage, Agenturen, Comic-Handel und Comic-Klassen der Hochschulen aus dem In- und Ausland, die ihr Programm und ihre Neuerscheinungen präsentieren. Zum anderen reisen über 300 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt nach Erlangen, um dort unter anderem ihre Bücher zu signieren.

 

Neben diesen bestechend hohen Zahlen, die augenscheinlich Grund allein sein könnten, mehrere schöne Tage im Kongresszentrum von Erlangen zu verbringen, trumpft der Comic-Salon außerdem mit zahlreichen hochkarätigen Ausstellungen inklusive Originalzeichnungen auf. Das Referat für Kultur, Jugend und Freizeit schreibt von einem „einzigartigen Comic-Museum auf Zeit“, in das sich die Stadt Erlangen in diesen vier Tagen zu verwandeln scheint.

 

Copyright Bilder: © Kauka Studi, Fix und Foxi, Busch, Max und Moritz, Zwergbären Prinzlein, Kleist, Paul Sprung

 

Es werden Einzelschauen internationaler Comic-Stars und Themenausstellungen zur Geschichte des Comics zu sehen sein. Außerdem werden Einblicke in die deutschsprachige Szene gewährt, zum Comic-Nachwuchs etwa, zu Comic und Neue Medien, zu Computer-Animation und Film.

 

Comic, Comic, Comic – alles rund um die aneinandergereihten viereckigen Kästchen, die mit Leben und Storys gefüllt werden, gibt es auf dem 16. Internationalen Comic-Salon Erlangen zu entdecken. Auf circa 15.000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche werden wieder über 25.000 Besucherinnen und Besucher erwartet, die sich für ein breites Programm aus Kunst und Kommerz, Mainstream und Avantgarde, für die Vielfalt des Genres, für Trends und Tendenzen, kurz: für die Comic-Branche interessieren.

 

Mit dieser zu allgemeinen Beschreibung des Ausstellungsprogramms ist vielen Menschen mit unter nicht geholfen. Licht ins Dunkel bringen daher Ausstellungsschwerpunkte des 16. Internationalen Comic-Salons, wie zum Beispiel Jacques Tardi, 150 Jahre Max und Moritz oder der Wettbewerb für den besten Fußball-Comic des Jahres.

 

Eine Ausstellung rund um den französischen Künstler Jacques Tardi zeigt bezüglich des 100. Jahrestags des Ersten Weltkriegs dessen Werke, wie zum Beispiel „Grabenkrieg“ und „Elender Krieg“, sowie Illustrationen und freie Arbeiten. Begleitet wird die Ausstellung durch die Präsentation zeitgenössischer Zeichner, wie Gus Bofa.

 

Im Stadtmuseum Erlangen wird in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Comic-Salon 2014 die außergewöhnliche Ausstellung „Streich auf Streich – 150 Jahre Max und Moritz – Deutschsprachige Comics von Wilhelm Busch bis heute“ gezeigt. 1864, vor 150 Jahren, vollendete Wilhelm Busch seine berühmte Bildergeschichte „Max und Moritz“. Das Wilhelm-Busch-Museum Hannover nutzte diesen Anlass, um eine umfassende Gesamtschau der deutschsprachigen Comic-Geschichte zusammenzustellen, die in 15 Abteilungen mit zeitlichen und thematischen Schwerpunkten aufgegliedert ist. Die Ausstellung findet vom 1. Juni bis zum 31. August 2014 statt und verdeutlicht, wie sich der Comic in unterschiedlichen Staatsformen, etwa im Kaiserreich, in der NS-Diktatur oder der DDR behaupten musste. Gezeigt werden Hefte wie „Sigurd“ und „Fix und Foxi“, Bücher von Walter Moers und Ralf König, Zeitungen und Zeitschriften wie „Vater und Sohn“ oder „Mecki“, und schließlich werden auch die neuen Blog-Comics berücksichtigt.

 

Comics verbucht man schnell einmal als ein Hobby des männlichen Geschlechts. Dass diese Branche keinesfalls eine reine Männerdomäne ist, beleuchtet eine Ausstellung, die die weibliche Seite des Comics berücksichtigt: Das Magazin „SPRING“ existiert seit 2004 und ist ein Projekt ausschließlich von Frauen. Das Magazin dreht sich um Themen des Lebens wie „Wandlung“, „Verbrechen“ oder „Happy Endings“ und zeigt neben klassischen Comics auch Illustrationen und freie experimentelle Kunst. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Magazin zu einem wichtigen Netzwerk für Zeichnerinnen entwickelt. Zu den „SPRING“ - Frauen gehören unter anderen Claudia Ahlering, Larissa Bertonasco, Natalie Huth, Claire Lenkova, Ulli Lust, Stephanie Wunderlich und Barbara Yelin.

 

Um eine Frau dreht es sich auch in der Einzelausstellung, die sich mit Anke Feuchtenberger beschäftigt, die wichtigste Protagonistin der deutschen Comic-Avantgarde. Als Plakatkünstlerin und Zeichnerin des Comics „Die Hure H“ ist sie für ihre unverwechselbare Grafik mindestens ebenso bekannt wie für ihre erzählerische Vielfalt. Seit 1997 prägt sie als Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg junge Zeichnerinnen und Zeichner.

 

Wieder zurück zu den Zeichnern, präsentiert der 16. Internationale Comic-Salon Erlangen eine Ausstellung zu Georg Barbar alias ATAK, dessen Werke in einer Retrospektive gezeigt werden. 1989 gründete er das Comic-Magazin „Renate“. Das Magazin scharte eine illustre Runde von autodidaktisch ausgebildeten und experimentierfreudigen Künstlern um sich, die aufwendig gestaltete Heftchen und Minialben herausgaben. Georg Barbar unterrichtet an der Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein und beschäftigt sich mit der Gestaltung von Kinderbüchern.

 

Émile Bravo ist einer der wichtigsten französischen Comic-Zeichner. Seine Arbeiten werden in einer Einzelausstellung zu sehen sein. Berühmt wurde er durch Bücher wie „Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen“ und „Das tapfere Prinzlein und die sieben Zwergbären“, für die er beide ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus engagiert er sich für die Weiterentwicklung des Comics und dessen Verschmelzung mit der Gattung des Bilderbuchs. Besondere Bekanntheit erlangte Émile Bravo als Zeichner und Autor des Spirou & Fantasio-Spezialbands „Porträt eines Helden als junger Tor“.

 

Auch Comic-Fans, die sich gleichzeitig für Fußball interessieren, kommen auf ihre Kosten. Die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur mit Sitz in Nürnberg schrieb im Zusammenhang mit dem Internationalen Comic-Salon einen bundesweiten Wettbewerb für den besten Fußball-Comic des Jahres aus. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wird es eine Ausstellung geben, die die besten Einreichungen des Wettbewerbs präsentiert.

 

Begleitet wird die Ausstellung von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm, das Vorträge, Gespräche, Diskussionen mit Zeichnern, Autoren, Verlegern, Journalisten, Lesungen, Konzerte, Workshops, Partys und derlei beinhaltet. So sind auch die Erlangener Kinos, die neben neuen Comic-Verfilmungen auch alle Formen des Animationsfilms (von Animes bis Avantgarde) zeigen, im Rahmen des Comic Film-Fests in das Programm mit einbezogen.

 

Wie jedes Jahr wird auch zum 16. Internationalen Comic-Salon Erlangen der Max und Moritz-Preis verliehen. Dabei handelt es sich um die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur und Comic-Kunst im deutschsprachigen Raum. 25 Titel wurden für den Max und Moritz-Preis 2014 nominiert. 22 Nominierungen werden dabei von einer unabhängigen Fachjury aufgestellt. Drei weitere Titel werden vom Publikum mittels Internet-Umfragen bestimmt. Das Hauptaugenmerk richtet sich daher am Freitag, den 20. Juni 2014 um 21 Uhr auf das Markgrafentheater in Erlangen, in dem die Max und Moritz-Gala stattfindet. Bei der Gala werden die Preise in den Kategorien „Bester deutschsprachiger Comic“, „Bester internationaler Comic“, „Bester deutschsprachiger Comic-Strip“ und „Bester Comic für Kinder“ verliehen.

 

Drei weitere Kategorien werden mit Preisen ausgezeichnet: „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“, „Beste studentische Comic-Publikation“ und der „Spezialpreis der Jury“. Die erste Kategorie wird mit 5.000 Euro, die zweite mit 1.000 Euro belohnt. Diese drei Titel werden jedoch nicht vorab nominiert, sondern von der Jury im Rahmen der Max und Moritz-Gala bekanntgegeben.

 

Die Jury ist eine von der Stadt Erlangen berufene unabhängige Fachjury, die seit 30 Jahren wesentlich an der künstlerischen und gesellschaftlichen Anerkennung des Comics beteiligt ist. Der Sinn des Max und Moritz-Preises steckt darin, die Arbeit herausragender Künstlerinnen und Künstler zu würdigen, verdienstvolle Verlagsarbeit zu stärken, auf Nachwuchstalente aufmerksam zu machen und die qualitative Auseinandersetzung über grafische Literatur zu fördern. Unter der Jury befinden sich Journalisten, Publizisten, ein Autor und Dozent, eine Comic-Zeichnerin sowie ein Beauftragter des Internationalen Comic-Salons Erlangen.

 

Die Preisverleihung, die als Höhepunkt des Comic-Salons gilt, wird von Hella von Sinnen und Christian Gasser moderiert. Besonders freuen darf sich Ralf König, der für sein herausragendes Lebenswerk ausgezeichnet wird. Damit wird er als erfolgreichster und international populärster deutscher Comic-Künstler geehrt.

 

Berühmt für seine Figuren Konrad und Paul, für Comic-Romane wie „Der bewegte Mann“ oder „Dschinn Dschinn“ sowie „Super Paradise“ und vieles mehr ist Ralf König heute mit mehr als sechs Millionen verkauften Büchern in zwölf Sprachen der erfolgreichste und international populärste deutsche Comic-Künstler.

 

Der Künstler beschäftigt sich in seinen Comics unter anderem mit den Themen Homosexualität, Aids und Religion. Für seine Arbeit wurde Ralf König bereits 2005 in der Kategorie „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“ beim 5. Internationalen Comic-Salon Erlangen mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet. Neben weiteren internationalen Preisen wurde er 2006 beim 12. Internationalen Comic-Salon Erlangen für sein mutiges Eintreten für künstlerische Freiheit mit dem Spezialpreis der Max und Moritz-Jury geehrt.

 

Ralf König öffnete die letzten drei Jahrzehnte nicht nur die grafische Literatur für breite Leserschichten, sondern trug auch zu einer gesellschaftlichen Liberalisierung bei. 2014 erhält er dafür als erster deutschsprachiger und bislang jüngster Künstler den Max und Moritz-Preis für sein herausragendes Lebenswerk.

 

Es lohnt sich vorbeizuschauen!

Kerstin Böhm
24.06.2014

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