Till Brönner, Nils Landgren & Co.

Jazz am Dechsendorfer Weiher

Till Brönner, Nils Landgren & Co.

 Gleich bei seiner Erstauflage kann „Jazz am See“ mit führenden Musikern der europäischen Jazzszene auftrumpfen. Am letzten Julisonntag werden Torsten Goods (Gitarre, Gesang), der Trompeter und Flügelhornist (und Sänger) Till Brönner sowie der schwedische Mann mit der roten Posaune, Nils Landgren (auch er vermag, im Übrigen ganz wunderbar, zu singen, beispielsweise à deux mit Viktoria Tolstoy) am Dechsendorfer Weiher zu erleben sein. Das neue Format eines internationalen Jazz-Openair-Festivals für die Metropolregion Nürnberg ist das Pendant zur länger schon etablierten, vom gleichen Veranstalter verantworteten „Klassik am See“ mit alljährlich um die 4000 Zuhörern und Zuschauern, die seit 2003 durchgeführt wird.

Jan Dinger, der geschäftsführende Vorstand des Vereins „Klassikkultur“, freut sich insbesondere darüber, dass man mit dem aus Düsseldorf gebürtigen Torsten Goods eine in der Region verwurzelte, junge Koryphäe des Jazz als künstlerischen Berater hat gewinnen können, denn der Sohn einer irischen Mutter und eines deutschen Vaters ist in Erlangen groß geworden. „Mit Goods an der Seite gehen wir diesen weiteren großen Schritt und entwickeln ein neues Openair-Format für einen zweiten Konzertabend am See“, so Dinger.

Der gemeinnützige Verein „Klassikkultur“ hat es sich auf seine Fahnen geschrieben, Kunst und Kultur in und um Erlangen herum voranzubringen. „Jazz am See“ soll von 2014 an Jahr um Jahr auf der Bühne am Ostufer des Dechsendorfer Weihers stattfinden. Da bereits die Premiere zu einem Publikumsmagneten zu werden verspricht, stehen die Chancen nicht schlecht, auch diese die „Klassik“ ergänzende Reihe als solche auf feste Beine zu stellen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass Goods, Landgren und Brönner einen gemeinsamen Abend gestalten und neben solistischen Einlagen auch im Trio musizieren werden.

Nils Landgren, Mitte Februar 1956 im schwedischen Värmland geboren, trägt aufgrund seiner knallroten Posaune den Spitznamen Mr. Red Horn. Nach dem Studium der klassischen Posaune hat er sich dann doch dem Jazz verschrieben (und die Klassik um die Konzerte von Leopold Mozart, von Ferdinand David und Nino Rota seinem zwei Jahre jüngeren Landsmann Christian Lindberg überlassen, der ebenfalls an einem 15. Februar zur Welt kam). Landgren arbeitete mit Thad Jones zusammen, mit Herbie Hancock und, man ist geneigt zu sagen: naturgemäß, mit ABBA.

Mit seiner 1992 ins Leben gerufenen Funk Unit ist es Landgren gelungen, breite Publikumsschichten für den Jazz einzunehmen. Als Dozent für Jazzposaune kümmert er sich an der Musikhochschule Hamburg um den musikalischen Nachwuchs. Zudem hat das Arbeitstier seit 2012 die künstlerische Leitung der JazzBaltica inne. Landgrens jüngstes, beim Münchner Label ACT erschienene Album gilt der „Eternal Beauty“. Darauf ist er unter anderem mit dem Schweinfurter Pianisten Michael Wollny zu hören.

Till Brönner, Jahrgang 1971, hat an der renommierten Jazzabteilung der Kölner Musikhochschule studiert und viel von Malte Burba, mit dem gemeinsam er inzwischen an der Dresdner Musikhochschule lehrt, und Bobby Shew gelernt. Er hat Produktionen mit so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie den No Angels und dem Bariton Thomas Quasthoff gemacht, für Hildegard Knef komponiert und in der RIAS Big Band gespielt. Brönner ist mehrfach mit dem Echo-Preis ausgezeichnet worden, Vater eines Sohnes und in Berlin-Charlottenburg zuhause.

Torsten Goods, 1980 in Düsseldorf als Torsten Gutknecht geboren und in Erlangen aufgewachsen, entdeckte über die Plattensammlung seiner irischen Mutter (Duke Ellington, Oscar Peterson) seine Liebe zum Jazz. Er besuchte Workshops bei John Scofield, nahm bei Bireli Lagrene in Strasbourg Unterricht und ließ sich von George Benson zum Singen bringen. Seine jüngste CD vom Juni letzten Jahres – „Love Comes to Town“ – ist ebenfalls bei ACT in München herausgekommen. Produziert hat sie Nils Landgren. Auf ihr finden sich prominente Gäste wie Till Brönner, der schwedische Saxophonist, Klarinettist und Flötist Magnus Lindgren und der Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Letzterer ist übrigens, vor bald einem halben Jahrhundert, in Wunsiedel geboren. Wollny, Haffner, Goods: Da sage mal einer, die Franken hätten keine großen Jazzmusiker hervorgebracht.

 

Copyright Fotos: © Sebastian Schmidt / Till Broenner / Andreas Bitesnich

Jürgen Gräßer
24.06.2014

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