Das Nürnberger Kindertheater Mummpitz

Grenzgänge und Schneekönigin

Das Nürnberger Kindertheater Mummpitz

 Bereits seit über drei Jahrzehnten existiert das Theater Mummpitz in der Nürnberger Michael-Ende-Straße und zählt damit zu den dienstältesten freien Kindertheatern in Deutschland. 1980 hatten sich, damals noch im Kulturladen an der Rothenburger Straße, Studentinnen und Schüler zusammengefunden, um gemeinsam Theater zu spielen. Dass Mummpitz noch immer munter ist und nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat, beweisen neben dem enormen Publikumszuspruch auch Einladungen zu internationalen Festivals und zahlreiche Auszeichnungen.

Vom 1. Juni bis zum 6. Juni heißt es bei den 8. Kulturtagen der Nürnberger Grund-, Förder- und Mittelschulen wieder „Bühne frei“ für den Nachwuchs. Es kommen Stücke wie „Till Eulenspiegel und die Bäckermeisterin“ (Grundschule Thoner Espan) und „Die Schneekönigin“ (Bismarckschule) zur Aufführung, aber auch die Sparte Tanz wird gewürdigt. So macht sich die Grundschule Insel Schütt unter dem Motto „Parlez-vous français?“ zu deutsch-französischen Grenzgängen auf.

Um allen Kindern kulturelle Bildung zu ermöglichen, hat das Theater Mummpitz vor fünf Jahren den Nürnberger KulturRucksack ins Leben gerufen. Er ist mit unterschiedlichen Angeboten vom Konzert bis zur Theatervorstellung bepackt. Dieses Jahr konnten Drittklässler in der Tafelhalle das Tanztheaterstück „Höhenflug oder warum weinen“ (Choreografie und Regie: Beate Höhn) besuchen, das sich mit dem Thema Begabung auseinandersetzt. Wie beim KulturRucksack üblich, wurde wieder ein begleitender Workshop angeboten. Die Kinder konnten ausprobieren, wie es ist, wenn man improvisiert, eine Choreografie einübt und Geschichten mittels Bewegung darstellt. Am KulturRucksack, der von verschiedenen Sponsoren, private Spenden und die Übernahme von Schul- oder Klassenpatenschaften finanziert wird, nehmen inzwischen siebzehn Grundschulen mit etwa 1300 Drittklässlern teil. Ein sehr lobenswertes Kinder-Kultur-Abo!

Zu den speziellen Angeboten des Theaters Mummpitz zählt zudem das Projekt „Starke Stimmen“. In Zusammenarbeit mit dem Montessori-Zentrum Nürnberg wird jedes Jahr im Frühjahr eine Aufführung einstudiert, in deren Zentrum nicht die klassische Wiedergabe von Liedern steht, sondern der spielerische Umgang mit ihnen in der Theaterarbeit.

Musik für und mit Kindern kommt außerdem beim „Musikuss“ zu tragen. Diese Musikreihe im Kachelbau setzt an der Schnittstelle von Musik und Theater an und möchte ganz besondere Erlebnisse für Auge und Ohr möglich machen. Über den spielerischen Zugang wird den Kindern eine Musikkultur nahegebracht, welche ein differenziertes Zuhören einfordert. Das Verstehen von Musik wird gefördert, Lust auf eigenständiges Musizieren gemacht.

Das Theater Mummpitz spielt nicht nur im heimischen Nürnberg. Mit der „Daniel Schneider Show“ (Regie: Alex Byrne) war man Ende Mai bei den 32. Bayerischen Theatertagen in Erlangen zu Gast. Mit dieser Ensembleproduktion geht es am 27. Juni zum Festival Spurensuche nach Hamburg. Das arg unterhaltsame Stück dreht sich dem Untertitel zufolge um „Hormone, Fußball und ein bisschen Krieg in Afghanistan“. Der zwölfjährige Titelheld, dessen Bruder sich freiwillig bei der Bundeswehr meldete und beim Einsatz in Afghanistan einer Bombe zum Opfer fiel, entwickelt seinen ganz eigenen Protest gegen die Eltern, gegen die Schule, gegen den Krieg. Daniel erzählt von Trauer und Verlust, von Toten und Untoten, von einem Sleep-In mit den Friedensikonen Yoko Ono und John Lennon und, Stichwort Fußball, auch von einem Traumtor.

Hingewiesen sei noch auf das originelle Angebot „Theater auf Rezept“. Bei dem Projekt, das unter der Schirmherrschaft von Peter Maffay steht, erhalten Kinder und Jugendliche, wenn sie die für die gesunde Entwicklung wichtigen Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J1 wahrnehmen, von vielen Ärzten in Nürnberg, Fürth und Umgebung Gutscheine für einen (selbstverständlich kostenfreien) Besuch einer Vorstellung im Mummpitz. Es entstehen keine Risiken, noch Nebenwirkungen. Eine feine Sache, fürwahr!

 

Copyright Fotos: © Rudi Ott / Niklas Kammermeister / Thomas Riese

Jürgen Gräßer
24.06.2014

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