Porzellan für die Welt

Ausstellungseröffnung in Selb und Hohenberg

Porzellan für die Welt

Das war mal wieder ein Termin genau nach unserem Geschmack. Und damit ist nicht die leckere Verpflegung gemeint, die anläßlich des Pressetermins zur Ausstellungseröffnung  "200 Jahre Porzellan der bayerischen Fabriken" gereicht wurde. Vielmehr konnte man als Journalist einen der durchaus nicht allzu häufigen Momente erleben, in denen sich ein museales Kleinod vor einem auftut. Das Porzellanikon mit seinen beiden Standorten in Selb und Hohenberg, nicht gerade im Herzen touritischer Naherholungsgebiete gelegen, feierte mit einer festlichen Eröffnung am 17. Juli, im Beisein von Regierungspräsident Wenning und Landrat Döhler, den Start zur Ausstellung "Porzellan für die Welt". Vorab konnten sich Journalisten bei einem eigens hierfür arrangierten Pressetermin an beiden Standorten einen exklusiven Überblick verschaffen.

 

Während in Selb durch Inszenierungen und Videoinstallationen die Geschichte des Porzellans nach dem Mauerfall 1989 gezeigt wird, unternimmt man als Besucher am Standort Hohenberg eine Zeitreise von der Gründung der Porzellanmalerei durch Carolus Magnus Hutschenreuther bis zum Jahr des Mauerfalls 1989. Und da Porzellan als solches vielleicht nicht gerade in dem Ruf steht besonders "hip" oder modern zu sein, mussten sich das Team um Direktor Siemen, zu dem neben der Hohenberger Kuratorin Petra Werner und viele helfende Hände auch das Münchener Architekturbüro "Die Werft" gehörte, etwas ganz besonderes einfallen lassen, um das Thema Porzellangeschichte zeitgemäß und innovativ zu präsentieren. Und die Mühe hat sich gelohnt.

 

Denn das Ausstellungskonzept geht weit über eine reine Präsentation hinaus. Vielmehr wird das "weiße Gold" im immer noch jungen "Staatsmuseum" inszeniert. Man kann als Besucher quasi in die Welt des gezeigten Gegenstandes eintreten und damit Teil dieser Installation werden. So werden die verschiedenen Stilrichtungen nicht einfach nur thematisch und chronologisch geordnet, sondern vielmehr in ihrer "natürlichen Umgebung" dargestellt. Während der in den 1980er Jahren von Villeroy & Boch ins Leben gerufene Landhausstil, der die Sehnsucht nach heiler Welt und dem Leben auf dem Lande nachempfinden soll, in rustikal/wohliger Umgebung mit Laura Ashley Gardinen am Fenster präsentiert wird, finden sich die Schätze des Retro Looks bzw. Purismus in einem Ambiente wieder, welches genau diesem Zeitgeist entsprach. War es gerade noch warm und "holzig", so herrschen nun klare Formen und Funktionalität vor. Man könnte den Eindruck gewinnen, Walter Gropius oder Mies van der Rohe hätten persönlich an diesem Ausstellungsteil mitgearbeitet. Beeindruckende Beispiele fühlbar gewordener Geschichte.

 

Schon nach kürzester Zeit wird dem Besucher in der Ausstellung klar, dass Porzellan ein elementarer Bestandteil unseres Lebens war und auch heute noch ist. Der Kampf gegen die Generation Tupperware ist offensichtlich weder aufgegeben noch verloren.

 

Wir finden es gut, dass sowohl das Thema Porzellan als solches aber auch die Region um Selb, durch die Ernennung des Porzellanikon zum Landesmuseum an Profil und damit auch touristischem Wert deutlich gewonnen hat. Denn das wird sicherlich eine der besonderen Herausforderungen für Wilhelm Siemen und sein Marketingteam um Sabine Reichel-Fröhlich werden. Die touristischen Besucherströme, die im Regelfall nicht den Weg in diese Grenzregion finden, nach Selb und Hohenberg zu leiten. Die Ausstellung selbst hat ihren Beitrag schon einmal geleistet und dies in sehr eindrucksvoller Manier. Weitere Informationen findet man unter www.porzellanikon.org.

 

Copyright Fotos: © 2mcon Bamberg (Ludwig Märthesheimer)

Ludwig Märthesheimer
18.07.2014

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