Leise schwebt das Glück vorüber

Emmerich Kálmán bei der Coburger Sommeroperette

Leise schwebt das Glück vorüber

Operette und Coburg, wie geht das zusammen? Nun, sehr gut. Denn bekanntlich war der Walzer- und Operettenkönig Johann Strauß, Sohn (1825 bis 1899) auch zeitweiliger Bewohner der Stadt mit dem Mohren auf dem Wappen. In Wien, dem er so wunderbare Konzertwalzer auf den Leib geschrieben hat wie „Wiener Blut“, wie „Geschichten aus dem Wienerwald“ und „An der schönen blauen Donau“, war Strauß zuhause, aber eben auch – die finalen dreizehn Jahre – in Coburg.

 

Und das kam so: Schon wenige Wochen nachdem die erste Ehefrau von Strauß, die Sängerin Jetty Treffz gestorben war, heiratete der Komponist 1878 die Schauspielerin Angelika Dittrich. Doch dieser Bund fürs Leben hielt nicht allzu lange. Nach vier Jahren kam es zur offiziellen „Trennung von Tisch und Bett“. Das konservativ-katholische Eherecht ließ eine förmliche Scheidung nicht zu. Um erneut heiraten zu können, gab Strauß seine Staatsbürgerschaft auf und wurde 1886 Bürger des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha. Das ermöglichte ihm, nach der von Herzog Ernst II. vollzogenen Scheidung von Dittrich, die Eheschließung mit Adele, geborene Deutsch, verwitwete, nicht mit dem Walzerkönig verwandte Strauß, die er im August 1887 in der Hofkapelle der Ehrenburg ehelichte.

 

Im Coburger Rosengarten erinnert seit 1987 eine Gedenktafel an den berühmten Mitbürger, seit 1991 ist die Deutsche Johann-Strauß-Gesellschaft in der Vestestadt beheimatet. Und im April 1994 gründete sich die Coburger Sommeroperette, die mithin heuer ihren Zwanzigsten feiert. Der Verein, der sich der Förderung junger Talente aus den eigenen Reihen verschrieben hat, führt alljährlich im Hochsommer auf der Waldbühne Heldritt Operetten und Musicals auf, mit Künstlern von einigem Renommee, mit eigenem Chor und eigenem Orchester. Auch die Altstadt-Serenade in Bad Rodach wird von der Coburger Sommeroperette gestaltet.

 

Im Jubiläumsjahr kommt Emmerich Kálmáns dreiaktige Operette „Die Zirkusprinzessin“ zur Aufführung. Sie wurde im März 1926 im Theater an der Wien uraufgeführt. Die ersten beiden Akte dieses um einen mysteriösen „Mister X“ kreisenden Werkes spielen in St. Peterburg, der amüsante letzte Akt in einem Hotel im Wien des Jahres 1912. Mister X, dessen wahre Identität die eines enterbten Fürstenneffen ist, ist als maskierter Reiter die Sensation im Zirkus Stanislawski. Er liebte – wenn auch heimlich – die Witwe des Fürsten, die so schöne wie reiche Fedora Palinska. Als sie sich dann kennen- und tatsächlich lieben lernen, sieht sie in ihm den Prinzen Korosoff. Es kommt zur baldigen Heirat. Allerdings erweist sich die Sache als ein von einem Intriganten eingefädelter Spuk, die Liebenden trennen sich, kommen aber in Wien wieder zusammen.

 

Die Musik von Kálmáns Welterfolg schlägt einen weiten Bogen vom Schlager über Zirkusmelodien und den Csárdás aus des Komponisten ungarischer Heimat bis hin zu einem flotten amerikanischen Foxtrott und, naturgemäß, dem Wiener Walzer. „Mädel, gib acht! Schließ dein Fenster heute Nacht!“, „Wenn du mich sitzen lässt, fahr‘ ich sofort nach Budapest!“, „Leise schwebt das Glück vorüber“ und „Mein Darling muss so sein wie du“ heißen einige der Ohrwürmer aus der „Zirkusprinzessin“. Premiere auf der Waldbühne Heldritt ist am 13. August um 19.30 Uhr. Es folgen weitere Vorstellungen bis zum Sonntag, 24. August.

 

Zu ihrem traditionsreichen Operettenfrühschoppen bittet die Coburger Sommeroperette am 17. August. Prominenter Gast der Matinée, die unter dem Motto „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ steht, wird Hans Stolz sein, Melodien aus der Feder von dessen Onkel Robert Stolz sollen erklingen. Der Neffe wird aus der Familiengeschichte plaudern. Ihm zur Seite steht der Bayreuther Tenor, Chansonier, Dramaturg und Operetten- und Musicaldarsteller Claus J. Frankl. Zu Gehör kommen werden etliche Evergreens von Stolz, etwa „Die ganze Welt ist himmelblau“ und „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein!“ aus „Im weißen Rößl“ von 1930. Zu dem Singspiel von Ralph Benatzky hatte Stolz einige musikalische Einlagen beigesteuert. Und die Chancen stehen gut, dass auch Ohrwürmer wie „Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“, „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“, „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ und „“Hallo, du süße Klingelfee“ erklingen werden.

 

Am 19. August wird von 20.30 Uhr an im romantischen Ambiente vor dem Jagdschloss in der Altstadt von Bad Rodach das neu formierte „Royal-Salon Ensemble“ der Coburger Sommeroperette unter der Leitung des Geigers und Conférenciers Gyula Mezei das Publikum auf eine musikalische Reise um die Welt mitnehmen. In der Jubiläumsspielzeit kann die Sommeroperette also mit einigen wirklichen Schmankerln aufwarten.

 

Copyright Fotos: Coburger Sommeroper, Foto © Ulrich Göpfert

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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