Das Festival Güldener Herbst in Thüringen

Ausgrabungen und Wiederentdeckungen Alter Musik

Das Festival Güldener Herbst in Thüringen

Es sind „Norddeutsche Impulse“, die vom 26. September an bis zum 12. Oktober beim Güldenen Herbst im Mittelpunkt stehen. Einen Namen gemacht hat sich das seit 1999 veranstaltete Festival für Alte Musik von Anbeginn an vor allem mit Wiederentdeckungen und Ausgrabungen, auf die Musikwissenschaftler in thüringischen Archiven gestoßen sind. Diese Preziosen – darunter beispielsweise Opern aus Meiningens Anton-Urich-Notensammlung und Kirchenkantaten von Philip Heinrich Erlebach sowie Georg Gebel dem Jüngeren, die beide in Rudolstadt verstorben sind, Erlebach 1714, Gebel, von dem auch ein Weihnachtsoratorium existiert, 1753, also drei Jahre nach Bach. Zeitlich reichen die beim Güldenen Herbst gebotenen Aufführungen von der Renaissance über das Barock bis hinein in die Klassik.

 

Die Interpreten der historischen Aufführungspraxis verfügen über internationales Renommee. Da ist heuer etwa das Ensemble Weser-Renaissance aus Bremen. Unter der Leitung von Manfred Cordes gestaltet es mit hanseatischer Musik um 1670 das Eröffnungskonzert in der Jakobskirche Weimar. Anderntags wird das Konzert um 19.30 Uhr in der Michaeliskirche zu Erfurt wiederholt. Der Sonntag, 28. September, beginnt um 10 Uhr in der Stadtkirche Rudolstadt mit einem musikalischen Festgottesdienst. Zu hören sind unter der Leitung von Katja Bettenhausen der Oratorienchor Rudolstadt und das Kammerorchester am Saalebogen. An der Orgel wird Frank Bettenhausen sitzen, Gisbert Stecher die Festpredigt halten. Neben Händel und Mozart werden auch Werke von Philip Heinrich Erlebach erklingen und Carl Piuttis, der von 1880 an Organist an der Leipziger Thomaskirche war und etliche Choralvorspiele, Präludien und Phantasien hinterlassen hat.

 

Ebenfalls am Sonntag, den 28. September, wird von 16 Uhr an in der St. Petri-Kirche zu Wandersleben die Hamburger Ratsmusik mit Kompositionen von Carl Philipp Emanuel Bach und von Georg Philipp Telemann zu Gast sein. Am Freitag, den 3. Oktober, lädt man im Blauen Saal des Schlosses in Sondershausen zu einem Familienkonzert. Das Ensemble Les haulz et les bas wird „Die Bremer Stadtmusikanten“ geben und dabei Blasinstrumente von der Schalmei über den Dudelsack bis hin zu Zugtrompete, Renaissanceposaune und Pommer vorführen. Seit 1993 hat sich das Ensemble Les haulz et les bas auf die Interpretation historischer Bläsermusik spezialisiert. Es versucht, die Musik der Stadtpfeifer und mittelalterlischen Hofmusiker zu rekonstruieren und wieder lebendig werden zu lassen.

 

Am 4. Oktober steht im Schloss von Eisfeld „Die Hanse im Barock“ im Blickpunkt. Das lettische Kesselberg Ensemble, dessen Mitglieder an der angesehenen Schola Cantorum Basiliensis studierten, wird unter anderem Werke des Rigaer Komponisten und Cembalisten Johann Gottfried Müthel (1728 bis 1788) interpretieren. Dieser Konzertabend wird als Matinee anderntags von 11 Uhr an im Alten Schloss zu Dornburg wiederholt werden. Im Bad Liebensteiner Kurtheater wird am 10. Oktober Telemanns musikalisches Lustspiel „Pimpinone oder Die ungleiche Heirat“ zur Aufführung kommen. Musizieren wird das Telemannische Collegium Michaelstein.

 

Aus Anlass des dreihundertsten Todestages des thüringischen Hofkapellmeisters Philipp Heinrich Erlebach lädt die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar zu einem international besetzten Symposium am 10. Oktober. Es wird tags drauf auf der Heidecksburg in Rudolstadt seine Fortsetzung finden. Im Festsaal der Burg geben Les Amis de Philippe unter der Leitung von Ludger Rémy an diesem Samstagabend ein Konzert zum Andenken von Erlebach. Das für seine Intensität des Ausdrucks, für sein lebendiges und nuanciertes Spiel im Sinne der historischen Aufführungspraxis geschätzte Ensemble Bell‘ arte Salzburg wird in der Maloca zu Auerstedt am 12. Oktober von 17 Uhr an das Abschlusskonzert des diesjährigen Güldenen Herbstes gestalten. Bei der Maloca handelt es sich um einen Treffpunkt nach exotischem Vorbild – der Architektur der Indianer im brasilianischen Regenwald – das als Weltdorfgemeinschaftshaus für ein so einladendes wie ungewöhnliches Ambiente steht, ob nun für Diskussionsrunden, Workshops, Ausstellungen oder eben Konzerte.

 

Copyright Fotos:

Telemannisches Collegium Michaelstein (Kostüm)

Kesselberg Ensemble, Foto © Ikeda Azzilini

Hamburger Ratsmusik, Foto © Helge Krueckeberg

Weser-Renaissance, Foto © Pia Malmus

Ludger Remy, Dirigent

Julia Kirchner

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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