Die Menge macht’s

WildWuchs-Theater hat eine Bühne

Die Menge macht’s

Seit nunmehr fünf Jahren machen sie in Bamberg „richtig Theater“, seither haben sie „so einiges gemacht, drinnen, draußen und im Untergrund“. Gemeint ist das freie Ensemble des WildWuchs-Theaters, eine Gruppe von noch jungen Leuten, die sich mit Haut und Haar der Schauspielkunst verschrieben haben. Auf dem Spielplan standen bislang beispielsweise moderne Klassiker wie Samuel Becketts „Warten auf Godot“, Arthur Schnitzlers „Reigen“, oder „Die Gerechten“ von Albert Camus. In diesem Sommer machte man Stefan Zweigs späte, im brasilianischen Exil entstandene „Schachnovelle“.

 

Gastierte das WildWuchs-Theater bis vor wenigen Wochen im Jazzclub (Stichwort Untergrund), in der Buchhandlung Collibri, im Hain oder auf dem Gelände der Gärtnerei Böhmer, so gibt es nun wahrlich frohe Kunde zu vermelden: Das WildWuchs-Theater hat seit Mai im Palais Schrottenberg (Kasernenstraße 1) eine feste Bleibe, eine eigene Bühne gefunden. Vor dem festen Wechsel in den barocken Prachtbau von 1710 galt es zunächst, für die notwendige technische Ausrüstung zu sorgen. Und da Bühnenelemente, Licht- und Tontechnik nicht gerade umsonst zu haben sind, rief man zu einem sogenannten Crowdfunding.

 

Bei dieser Art von Schwarmfinanzierung ruft man im Internet zur finanziellen Unterstützung eines bestimmten Projektes auf. So kann es gelingen, eine Vielzahl von Geldgebern zu gewinnen, die für ihren Beitrag eine Gegenleistung erhalten, im Falle der WildWuchs-Aktion etwa ein Essen mit dem Ensemble im Hotel Schrottenberg, ein Theaterplakat, oder ein Körper-Sprache-Seminar. Das Ziel wurde erreicht, 1500 Euro sind so zusammengekommen. Und das WildWuchs-Theater ist nun fest verwurzelt. An einem Ort, von dem aus es seine erklärten Ziele besser verwirklichen kann, als dies bislang der Fall war: Theater nach draußen zu tragen, Menschen zu erreichen und in einen Dialog mit dem Publikum zu treten. Unterhaltsam, mutig und Experimenten durchaus zugetan, macht WildWuchs seinem Namen alle Ehre. Theater, das noch etwas sagen will!

 

Siebzig Zuschauer finden in dem Saal Platz, den an den Vormittagen nach wie vor Hotelgäste als Frühstücksraum nutzen können. Jetzt macht das WildWuchs-Theater, das mit der „Schachnovelle“ immer, von einer einzigen Ausnahme abgesehen, für einen vollen Barocksaal gesorgt hatte, erst einmal Sommerpause. Im Oktober geht es dann weiter. 

 

Copyright Fotos: ©Thomas Amm

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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