RathausART in Nürnberg

Kunst in der exklusiven Stube

RathausART in Nürnberg

Knapp ein halbes Hundert Künstler, über ein Dutzend Galerien, zehn Vorführungen und Künstlergespräche, fünf Führungen, vier Vorträge, zwei Kreativwerkstätten, ein Raum der Zeichnung und eine ART-Bar – so viel zu bieten hat in ihrer inzwischen dritten Auflage die RathausART. An den etlichen neuen Namen lässt sich ablesen, dass Nürnbergs Kunst- und Galerieszene enorm im Wachsen begriffen ist. Einst hatte Albrecht Dürer seine Werke im Rathaus zum Verkauf offeriert, nun bietet sich den Besuchern in der exklusiven Stube des Historischen Rathaussaals die Gelegenheit, zeitgenössische Kunst in Augenschein und – sofern man sie kauft, mit nach Hause – zu nehmen.

 

Da die Künstler und Galeristen auch vor Ort sind, hat man zudem die Chance, mit diesen ins Gespräch zu kommen. Zur Eröffnung am Freitag, 8. August, werden Oberbürgermeister Ulrich Maly und Kulturreferentin Julia Lehner anwesend sein. Neben einem Begrüßungsdrink an der ART-Bar darf man sich um 20 Uhr auf eine RathausART-Führung freuen, bei freiem Eintritt. Auch am Samstag (11.30 Uhr und 16.30 Uhr) und Sonntag (12.30 Uhr und 16.30 Uhr) werfen die Führungen einen erhellenden Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebes und erläutern beispielsweise, wie ein Preis für ein Kunstwerk zustande kommt.

 

Die Rolle Dürers als Anreger für die heutige Kunst und außerdem noch seine bedeutenden Vorläufer wie etwa Martin Schongauer beleuchten vier Vorträge am Samstag von 13 Uhr an im Schönen Saal (Rathaus, 2. Stock). So hat sich Thomas Schauerle von den Museen der Stadt Nürnberg auf den Weg „Zu einem unentdeckten Frühwerk Albrecht Dürers“ gemacht, während Karoline Feulner vom Landesmuseum Mainz der Rezeption Dürers von Joseph Beuys bis Sigmar Polke nachspürt. Die Chance, einmal selbst künstlerisch tätig zu werden, bietet sich im KinderKunstRaum (den aber auch große Gäste besuchen dürfen), wo aus Zeitungen und Illustrierten fantasiereiche Rollbilder und Kunstkarten hergestellt werden können. Und in der Kreativwerkstatt zur RathausART der unlängst eröffneten Kunstvilla kann man den Rahmen für sein Lieblingsbild aus der Sammlung gestalten, beispielsweise mit Acryl, Glitzerstaub oder plastischen Elementen.

 

Das Spektrum der ausstellenden Galerien reicht alphabetisch von der Bode Galerie, die eine Soloschau mit Exponaten von Harry Meyer aus dem aktuellen Zyklus „Stilles Leben“ präsentiert, bis zu Laurentiu Fellers Raum für zeitgenössische Kunst, der sich jung gibt, vital, urban und weltoffen. Künstler wie Evi Kupfer und Marius Vatamanu widmen sich bei ihm dem Portrait und der Figuration. Die Oechsner Galerie zeigt Markus Putzes Installationen, die sich aus Literatur und (Pop-)Musik speisen, aus Film und Fotografie, aus Grafikdesign und Internet. Der gebürtige Kulmbacher war 2008/2009 Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia. Er spürt in seinen Arbeiten dem Wesen der Dinge nach, die vielleicht doch nicht das sind, was sie zu sein vorgeben.

 

Die Galerie VON & VON konzentriert sich auf Kunst, die Gesellschaft und Politik zum Thema hat, dabei gleichwohl die Ästhetik nicht über Bord wirft. Im Begleitprogramm am Samstag, 9. August, 14 Uhr, kann man im Innenhof Zeuge werden, wie Leszek Skursi Kulturreferentin Julia Lehner porträtiert. Außerdem werden Skulpturen von Josef Hirthammer ausgestellt. Abstrakte Arbeiten aus dem aktuellen Programm präsentiert die Galerie Voigt. Längst arrivierten Künstlern wie Per Kirkeby und Günther Uecker stehen jüngere wie etwa Bruno Kurz zur Seite, dessen Zyklus „La Mer“ von 2014 Charles Trenet und, sagen wir, Francoise Hardy und Benny Goodman ebenso viel zu verdanken haben dürfte wie Claude Debussy.

 

Als „Galerie der großen Namen“ stellt sich selbstbewusst die Galerie Hafenrichter dar. Nun, mit einigem Recht, soviel ist gewiss: Der großartige Tom Wesselmann, vor bald einer Dekade in New York verstorben, ist vertreten, da sind aber auch die Granden Mel Ramos, Andy Warhol, Keith Haring und Gerhard Richter. Am Eröffnungstag wird Ariane Kipp am Stand der Galerie um 19.30 Uhr ein Objekt zerstückeln und die einzelnen Teile hernach wieder zu neuen ästhetischen Welten zusammenfügen. „Shampoo Works“ nennt Kipp die daraus resultierenden Arbeiten, die so filigran wie zerbrechlich anmuten. Und ein wenig Dada spielt auch mit. Schließlich war der Mensch ja immer schon ein (Wort-)Spieler. Oder nicht?

 

Copyright Fotos:

Manfred Hürlimann, Desiderea (Allegorie der Sehnsucht), 2013, 190x 130cm, Fotograf: Knut Pflaumer, Nürnberg

Jochen Pankrath, Übereinander, 2013, Aquarell auf Leinwand, 23 x 18 cm; Fotonachweis liegt bei der Galerie Sturm

Edgar Diehl, MSE XVII, 2013, Acryl auf Leinwand, 96 x 37 x 7 cm; Fotonachweis liegt bei der Bunsen Goetz Galerie

Young-Hun Lee, 02:58:41, 2014, Schaumstoff/Harz/Stahl, 60x71x45 cm, Fotocredit/Fotograf: Myoung-Sop Hwang

Markus Putze - Wandmalerei, Foto: Ioni Laibarös

Ludwig Märthesheimer
04.08.2014

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