Kulturdenkmäler bekennen Farbe

Offener Denkmaltag in (Ober-)Franken

Kulturdenkmäler bekennen Farbe

Farbe bekennen werden zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 14. September zahlreiche Kulturdenkmäler, deren Spannbreite von der Scheune über den Bauernhof, das Bürgerhaus, den Pavillon und Kirchenbauten hin zu Museen unterschiedlichster Couleur reicht. Für 2014 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Thema „Farbe“ ausgerufen. Am zweiten Septembersonntag haben auch viele der Öffentlichkeit sonst nicht zugängliche Bauwerke und archäologische Stätten geöffnet, und das bei freiem Eintritt!

 

Die farbliche Gestaltung von Bau-, Kunst- und Bodendenkmalen und auch von Gärten und Parks war immer schon ein entscheidender Aspekt für deren Erbauer gewesen. Das gilt noch heute für Denkmalpfleger, Restauratoren, Archäologen, Handwerker und natürlich vor allem für interessierte Betrachter im Hier und Jetzt. Farbe spricht uns unmittelbar über die Sinne an. So verwundert es nicht, dass die farbliche Gestaltung unserer Umgebung schon seit Urzeiten eine zentrale Ausdrucksform ist. Farben spielen zum Beispiel in Kirche, Religion und Ritus eine tragende Rolle, werden zu sozialer Abgrenzung und zur Kennzeichnung in Hierarchien genutzt.

 

Die Wirkung von (frischer) Farbe lässt sich am Beispiel des Aufseßhöfleins, in der Flur zwischen Bamberg und Hallstadt gelegen, studieren. Vermutlich war es Johann Dientzenhofer, der das kleine Barockschloss 1724 erbaut hat. Es zählt zu den Förderprojekten der Denkmalschutzstiftung und wird gerade renoviert. Das Bamberger Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße datiert von 1767. Im Erdgeschoss können Schablonenmalereien aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert bestaunt werden, deren Technik Museumsleiter Hubertus Habel erläutern wird. In der ums Eck gelegenen Letzengasse 5 führt Reiner Bauernschmitt durch den Himmelfahrtspavillon von 1750. Ein Augenschmaus ist die reich gegliederte Barockfassade des Bürgerhauses in der Nürnberger Straße 2. Im sonst nicht zugänglichen Innenhof informieren Schautafeln über den Mansarden-Walmdachbau.

 

Im Landkreis Bamberg präsentiert der Bauernhof in der Rothensander Hauptstraße 6 in Hirschaid Vorführungen und Beispiele zum Thema Farbherstellung und historische Wandfassungen. Auf Kinder wartet eine historische Spielstraße. Das Museum der Geschichte Ebrachs im ehemaligen Zisterzienserkloster widmet dem Thema Farbe eine Ausstellung. Zudem werden Führungen durch Kirche, Museum, Treppenhaus und Kaisersaal angeboten. Jakos Turbans Stuckarbeiten und Fresken aus den Jahren 1764 bis 1766 können am ehemaligen fürstbischöflichen Amtshaus am Hallstadter Marktplatz bewundert werden. Im romantischen Innenhof entsteht eine Krapfenbackschule, Hutkrapfen und Getränke sind im Angebot.

 

Wie prächtig Farbe in Szene gesetzt werden kann, lässt sich natürlich auch außerhalb des Landkreises Bamberg studieren. Eine Attraktion in Hollfeld ist der frühere Turm der Brauerei Weiße Taube, den der Eckersdorfer Künstler Thomas Brix 2006 in diversen Blautönen, in Gold und Silber gestaltet hat. Stadtheimatpfleger Günther Hofmann bittet zu einem Rundgang durch Hollfeld, bei welchem Farbe im Fokus steht. Bunt zugehen wird es wohl zudem bei der Kirchweih am Marienplatz. Spannend dürfte auch die Ausstellung zum Thema Wand und Farbe in der Alten Schäferei des Gerätemuseums in Ahorn bei Coburg sein. Zwischen 10 Uhr und 14 Uhr können die Schäferstuben mit ihrem Schablonendekor besichtigt werden. Anschließend darf man sich im historischen Arbeiten mit Schablonen- und Rollentechnik üben. Zum Einsatz kommen dabei Pigmentfarben auf Kasein- und Leimfarbenbasis.

 

Nicht nur die Farbe Purpur ist in der Liturgie von Bedeutung. Die evangelisch-lutherische Gemeinde in Bad Rodach hat es sich zur schönen Aufgabe gemacht, die liturgischen Farben des Kirchenjahrs in der Kirche St. Johannis vorzustellen. Deren Turm, Chorraum und Sakristei wurden 1471 erbaut. Die 1908 von Max Roesler, dem Gründer der Feinsteingutfabrik, gestifteten Glasfenster stellen Szenen aus dem Leben Jesu dar, beispielsweise die Segnung der Kinder aus dem Markusevangelium.

 

Der Tag des offenen Denkmals findet bundesweit seit 1993 immer am zweiten Septembersonntag statt. Inzwischen zieht er Jahr um Jahr über vier Millionen Besucher an. Damit verbunden ist auch „Fokus Denkmal“.

 

Die Teilnehmer (Höchstalter zwanzig Jahre) an diesem Kinder- und Jugendfotowettbewerb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erkunden mit der Kamera Denkmale in ihrer Umgebung und gehen deren Geschichte auf die Spur. In diesem Jahr steht „Fokus Denkmal“ wie der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Farbe“ und lädt junge Foto- und Denkmalbegeisterte dazu ein, mit der Kamera zum Farbforscher zu werden. Wie wirkt die Farbe eines Denkmals auf den Betrachter? Wie wird diese Wirkung durch die Lichtverhältnisse und das Wetter beeinflusst? Wo lassen sich Spuren vergangener Farbigkeit entdecken? Einsendeschluss – pro Teilnehmer sind maximal drei Fotos erlaubt – ist der 25. September. Weitere Informationen zum Denkmaltag und zum Wettbewerb sind im Netz zu finden unter http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/.

 

Copyright Fotos:

Blauer Turm - Ideenhaus Hollfeld, Foto © Thomas Brix

Tage des offenen Ateliers, Foto © Walli Bauer

„Bulldog“ von Adelbert Heil, Foto © Adelbert Heil

Jürgen Gräßer
04.08.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen