Keine Kunst für die Ewigkeit

„reverse graffiti“ von Klaus Dauven lässt Untere Brücke in Bamberg ab Mai in neuem Glanz erstrahlen

Keine Kunst für die Ewigkeit

 Seit über zwei Jahren werkeln die aus allen Kultursparten kommenden Köpfe des im Herbst 2016 gegründeten Franz KAfkA-Vereins in ihrer Basis, dem Coworking-Space in der Bamberger Jäckstraße, nun schon fleißig herum und haben hier offenbar einen Ort gefunden, an dem endlich alle Projekte gebündelt, koordiniert und vorangetrieben werden können. An Ideen und Kreativität mangelt es in diesem Umfeld nicht, so hat man den Eindruck.

Wie zum Beweis ist für den 11. Mai und in Assoziation des diesjährigen Welterbe-Jubiläums ein besonderes Ausstellungprojekt geplant. Wer an diesem Tag durch die Bamberger Innenstadt schlendert, wird nicht schlecht staunen, wenn er sieht, was der nordrhein-westfälische Künstler Klaus Dauven mit der Unteren Brücke vorhat. Dauven, der für seine großformatigen „reverse graffitis“ an Talsperren, Mauern und Silos unter anderem in Deutschland und Japan bekannt ist, will der eher nüchternen mausgrauen Betonkonstruktion ein neues Antlitz verpassen. Auch in Bamberg kommt das „reverse“-Verfahren zum Tragen. Auf den Außenflächen der Brüstung trägt er über die gesamte Brückenlänge mittels Hochdruckreiniger und Schablonen die noch freiliegenden verwitterten Flächen rund herum ab, wodurch das Mausgrau ganz ohne den Einsatz von Farben an Dynamik gewinnt. Tatkräftige Unterstützung bekommt der Künstler dabei, wie bei all seinen „reverse graffitis“ von der Firma Kärcher. Schaut man sich seine bisherigen Werke an, ist man guter Dinge, dass auch das Bamberger Negativ zum Publikumsmagneten avancieren könnte.

Felix Forsbach vom Franz-KAfkA-Verein ist da recht zuversichtlich. Ihm imponierte Dauvens Technik sofort. Nicht nur, weil das Schablonenverfahren in seiner Schlichtheit und die bisherigen Ergebnisse in ihrer Monumentalität überzeugen. Vor allem ist er von der Idee angetan, lediglich „minimalinvasiv“ in das Stadtbild einzugreifen, also ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zu präsentieren, dass zeitlich begrenzt und nicht auf immer und ewig unverrückbar im Stadtbild verankert ist. Je länger ein Kunstwerk an Ort und Stelle stehe, umso schwieriger werde es, dieses in seiner Daseinsberechtigung zu hinterfragen, erklärt Forsbach. Streit sei da vorprogrammiert. Dass das „reverse graffiti“ ein Verfallsdatum haben wird, ist hingegen verbindlich, weil die gereinigten Flächen auch weiterhin der Witterung ausgesetzt sind und im Laufe der Zeit erneut eine Patina ansetzen werden. Das jedoch sei ausdrücklich erwünscht, denn eine der Vereinsmaxime ist der Gedanke, dass zeitgenössische Kunst einer prozessualen Veränderung unterliegt. Was man nicht will, ist Stillstand.

Auch deshalb ist „Patina“ gewissermaßen der passende Titel der für den Juni angesetzten begleitenden Ausstellung zu Klaus Dauvens Kunst im Bamberger Kesselhaus. Die von Felix Forsbach kuratierte Werkschau gewährt vom 2.-10.6. Einblicke in das vielschichtige Œuvre des Künstlers und Kunstpädagogen, der an der Kunstakademie Düsseldorf und Münster sowie der École des Beaux-Arts, Aix-en-Provence studierte und Meisterschüler von Ingrid Roscheck und Gunther Keusen war. Nicht nur Fotos der bisherigen Großprojekte wird man dann bestaunen können, ab und zu darf es auch etwas kleiner sein. So versteht es Dauven, auch einfache Lappen in wahre Kunstwerke zu verwandeln.

Vielleicht hält Dauvens Graffiti auch Einzug in die Neuauflage der culture map, die pünktlich zum Welterbefest (2.-3.6.) – voraussichtlich bereits Mitte Mai – erscheinen soll. Die Erstauf-lage, die der Verein im vergangenen Jahr vorstellte und in Umlauf brachte, sei auf gute Resonanz gestoßen, resümiert Felix Forsbach. Die Zweitauflage steht ganz im Sinne der Idee von Kunst im Wandel. Auch eine culture map unterliegt Veränderungen. Darauf enthalten sind kulturelle Anlaufpunkte, Orte zum Verweilen und Kleinode in Bamberg, die neben den großen touristischen Attraktionen häufig übersehen werden. Auch zeigt die Karte, wie gut die freie Kulturszene inzwischen vernetzt ist. Dabei stehe sie jedoch nicht in Konkurrenz zu anderen in Bamberg erhältlichen Stadtführern, sondern stelle eine gleichwertige, nichtkommerzielle Ergänzung dar. Im Gegensatz zur ersten culture map sollen einige Punkte in der überarbeiteten Version nun gebündelt erscheinen. So wird die Karte, die auch online einsehbar ist (www.culturemap.franzkafkaverein.de), zum Beispiel nicht mehr nur auf das Café Zuckerl verweisen, sondern grundsätzlich einen Abstecher auf die ERBA-Insel im Westen der Stadt empfehlen. Auch die Autobahnabfahrt mit dem Hinweis, das Auto lieber im Park&Ride stehen zu lassen, weil man in der Innenstadt entweder gar nicht oder nur falsch parken kann, spart man sich in der Neuauflage ein – für den Luxus, zweimal weniger falten zu müssen. Auf den ein oder anderen Witz wird, neben vielen „Insider-Tipps“, aber auch diesmal nicht verzichtet. Da auch der neue Faltplan kostenlos sein wird, freut sich der Verein über weitere Sponsoren, die das Projekt unterstützen möchten. Wie – das steht jedem frei.

 

Information: 

Der Verein „Künstlerischer Arbeitskreis für kulturellen Antrieb“ (kurz: Franz KAfkA e.V.) ist ein Zusammenschluss aus acht Freischaffenden, darunter Künstler, Schauspieler, Musiker, Fotografen und Grafiker, und wurde 2016 gegründet. Die Mitglieder engagieren sich in zahlreichen eigenen Projekten wie „SOG – Innovative Musik“, „Ernst von Leben“, „Kunstprojekt INGE“, „das responsorium“ u.v.m. Darüber hinaus ist der Verein Anlaufpunkt für Kulturschaffende aus anderen Orten und Städten, organisiert Kulturveranstaltungen und begreift sich als Vernetzer verschiedener kultureller Sparten.

 

Fotocredits:

„reverse graffiti“ von Klaus Dauven, Foto © davidfranck.de
 

Franziska Krause-Gurk
04.04.2018

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