Lesende Frauen und die Folgen

Ob sie nur für die Lektüre brennen?

Lesende Frauen und die Folgen

Mit seinem Verkaufsschlager „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ hat Stefan Bollmann 2005 etlichen weiteren Untersuchungen zu diesem Thema den Boden bereitet. Sein jüngstes Werk zu dem Komplex „Frauen und Bücher“ untersucht, so der Untertitel, „Eine Leidenschaft mit Folgen“. Überwiegend angenehmen Folgen übrigens, auch wenn die Mutter von Anna Louisa Karsch, von Gleim einst zur deutschen Sappho verklärt, die Lektüre untersagte, damit die Tochter darüber nicht verrückt werde. Zwischen Magdeburg und Seattle (der Münchner Autor verortet seine Worte), zwischen 1750 und 2012, steckt Bollmann kundig und in elegantem Stil die Geschichte des – weiblichen – Lesens ab. Dass es dann doch nicht ganz ohne Männer geht, versteht sich: „Friedrich Gottlieb Klopstock war mit seinem Nachnamen geschlagen.“ Auf so einen Einstieg muss man erst einmal kommen! „Mitten in einem Ringe von Mädchen“ wird der Dichter des „Messias“ genötigt, aus seinem Opus vorzutragen, und erfindet so die Dichterlesung, die ja „bis heute ein gleichermaßen literarisches und erotisches Ereignis für ein vornehmlich weibliches Publikum“ ist. Einzelne Kapitel gelten etwa Caroline Schlegel-Schelling, die liest, lebt und liebt, dann, via Flaubert, Madame Bovery, James Joyce und der Joyce lesenden Sexbombe Marilyn Monroe, Susan Sontag und, zum Kehraus, den „Shades of Grey“. Lesen ist, nicht nur für Elke Heidenreich, Lebensglück. Mithin: Tolle et lege.

 

Stefan Bollmann, Frauen und Bücher. Eine Leidenschaft mit Folgen. München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2013. 448 Seiten, 22,99 Euro.

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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