Michael Wollny Trio

Weltentraum (ACT)

Michael Wollny Trio

Dass er der Welt abhanden gekommen sei, hat Gustav Mahler einmal gesagt und in seinen Lieder nach Friedrich Rückert 1901 vertont. Von diesem Trauma, der Welt abhanden gekommen zu sein, handelt auch seine Musik, eine Musik, die andere Komponisten wie etwa Luciano Berio und auch Jazzmusiker (Uri Cane zum Beispiel) zur kreativen Auseinandersetzung mit ihr herausgefordert hat. So auch den gebürtigen Schweinfurter Michael Wollny. „Weltentraum“ heißt seine jüngste CD, die der Pianist und Komponist mit seinem Trio (Tim Lefebfre, Bass, der Eva Kruse ersetzt, die eine Babypause macht, und Eric Schaefer, Schlagzeug) beim herausragenden Münchner Label Act vorgelegt hat. Die darauf versammelten vierzehn Kompositionen und (Eigen-)Arrangements sind in ihrer Stimmung ruhig gehalten und schwelgen mehr in der Melodie als im Rhythmus. Wollny greift fleißig in die Schatzkiste der Musikgeschichte, bedient sich bei Guillaume de Machaut, bei Friedrich Nietzsche (der eben auch komponiert hat), bei Alban Berg, bei dem amerikanischen Enfant terrible Edgar Varèse, bei dem Hanauer Paul Hindemith, bei dem Zeitgenossen Wolfgang Rihm und naturgemäß auch bei Mahler („Nun will die Sonn’s o hell aufgeh’n“ zitiert der Pianist in seinem„Engel“), aber auch Einflüsse der Filmmusik (David Lynch) sind hörbar. Diese CD des als „Jahrhundertpianisten“ gefeierten Franken wartet mit einer Fülle an Entdeckungen auf. Mehr davon!

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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