Fürth – Eine Musikkomödie

Unser Operntipp

Fürth – Eine Musikkomödie

 Eine Musikkomödie mit radikal neuen Tönen, geht das? Ja, unbedingt, und wer den Beweis dafür suchte, hätte sich in der vergangenen Woche auf den Weg nach Fürth machen müssen, wo das Stadttheater zusammen mit der Nürnberger Hochschule für Musik Detlev Glanerts Komische Oper „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ nach dem gleichnamigen, fast 200 Jahre alten Lustspiel Christian Dietrich Grabbes mit viel Verve auf die Bühne brachte. Darin verirrt sich der Teufel auf die Erde und stiftet sogleich Verwirrung unter der verkommenen Gesellschaft, die er dort antrifft. Alle werden durch den Kakao gezogen: Adel, Klerus, Akademiker und ganz besonders die schreibende Zunft, denn mit der hatte Grabbe seinerzeit einige Rechnungen offen.

Der Triumph wird dem Gottseibeiuns freilich nicht gegönnt. Ausgerechnet ein Satansbraten namens Gottliebchen lockt ihn in die Falle, und der Teufel mutiert zum wimmernden Bittsteller. Am Ende wird die kakophonische Musik für kurze Momente ganz tonal, denn Glanert zitiert Wagners Götterdämmerung. Das passt, denn Weltuntergang ist angesagt, Gottliebchen wird zum Terminator, und die Moral von der Geschicht lautet: die Gesellschaft braucht gar keinen Teufel, um sich zu ruinieren, denn der Mensch ist noch schlechter als das Böse. Eine diabolisch-anarchistische Komödie!

 

Fotocredits:

Stadtthetaer Fürth, Foto © Stadtthetaer Fürth

Martin Köhl
20.04.2018

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