Ältestes weltliches Gemälde in einem deutschen Museum

Romanisches Wandgemälde für Deutsches Burgenmuseum restauriert

Ältestes weltliches Gemälde in einem deutschen Museum

 Eine Ritterschlacht im Deutschen Burgenmuseum – und doch eine völlig unerwartete Sensation! Das Deutsche Burgenmuseum präsentiert abdem 27. April das älteste Gemälde, das sich in einem deutschen Museum befindet. Es ist mehr als 20 Quadratmeter groß und zeigt eine blutige Ritterschlacht. Gemalt wurde es vor rund 800 Jahren.

Der Gründer des Deutschen Burgenmuseums und Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums, Prof. Ulrich Großmann freut sich über die Wiederentdeckung und die erfolgreiche Restaurierung des Gemäldes. Das Burgenmuseum hat das bedeutende Werk aus den Beständen der Bundesrepublik Deutschland als unbefristete Leihgabe erhalten und mit Mitteln des Ernst-von-Siemens Kunstfonds, des Freistaats Thüringen und der Bundesrepublik Deutschland umfassend restaurieren lassen.

Das Gemälde zeigt einen Reiterkampf. Mehrere mit Kettenhemden, Helmen und Schilden gerüstete Krieger zu Pferde bekämpfen sich mit Lanzen und Schwertern. Die Ritter reiten auf hellen oder braunen Pferden, die Rüstungen heben sich in blaugrauer Farbe deutlich ab und in den Händen halten sie dreiecksförmige Schilde mit Fantasiedarstellungen, so dass die Szene vermutlich keinem konkreten
Ereignis zuzuordnen ist.

Eine Entstehung des Gemäldes in den Jahrzehnten um 1200 ergibt sich sowohl aus der Form der Rüstung und der Waffen als auch aus der Darstellung der Pferde und der Kämpfer. Für ein profanes Wandgemälde ist eine solche Entstehungszeit von außerordentlicher Bedeutung, die einzigen älteren Malereizyklen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die gegenwärtig in Mitteleuropa bekannt sind, befinden sich in Rodenegg bei Brixen (Südtirol; Iwein-Sage) sowie als Wandgemälde (Secco) in Schmalkalden (Thüringen; ebenfalls Iwein-Zyklus).

Längere Zeit lag das abgenommene Wandgemälde im Depot der Kunstsammlungen der Veste Coburg, in deren Ausstellungskonzept sich das Werk jedoch nicht einbinden ließ. Daher schlug der Direktor der Kunstsammlungen, Dr. Klaus Weschenfelder, die Übergabe an das Deutsche Burgenmuseum im nahegelegenen Heldburg vor. Für die Restaurierung konnte die Fachhochschule Erfurt gewonnen werden. Sie fand unter Leitung von Prof. Christoph Merzenich 2016-17 statt.

Parallel zur Restaurierung wurde nach der Herkunft der Wandmalerei geforscht. Eine Karteikarte belegt für 1945 die Einlieferung in den Collecting Point in München. Dort verwechselte man das Bild anfänglich mit Wandgemälden, die lange vor 1933 in den Pyrenäen abgenommen und an diverse Museen, unter anderem nach Berlin, verkauft worden waren. Bei der Restaurierung fanden sich einzelne Papierschnipsel mit französischen Buchstaben und Wortfetzen, was für eine Herkunft in Frankreich, ggf. in Savoyen, sprechen könnte – oder für einen Restaurator, der von dort kommt und die Abnahme des Bildes vorgenommen hat. Eine genauere Lokalisierung ist bis heute jedoch nicht möglich, da das Bild offenbar vor seiner Abnahme und dem Verkauf im frühen 20. Jahrhundert nicht dokumentiert wurde.

Das Gemälde hat damit für eine Ausstellung im Deutschen Burgenmuseum außerordentliche Bedeutung, selbst wenn sein ursprünglicher Nutzungsort unbekannt bleiben sollte. Im Jahr des Europäischen Kulturerbes dürfte es eine der bedeutendsten Entdeckungen überhaupt sein, denn bislang waren Größe, Alter, Darstellung und Bedeutung des Gemäldes völlig unbekannt. Als profane Wandmalerei in dieser Größe kann es nur aus einem weltlichen Gebäude stammen und es liegt nahe, dass es sich dabei um den Saal einer Burg handelt. In einem Symposion vom 14.-16. Juni 2018 wird sich das Burgenmuseum mit der
Geschichte des Wandgemäldes weiter auseinandersetzen.


Fotocredits:

Mitarbeiter der FH Erfurt im Studiengang Konservierung/Restaurierung bei Restaurierungsarbeiten vor Ort, Foto © DBM, Elbers

Panorama des Wandgemäldes, Foto © DBM, Großmann

Ausschnitt: Kampfszene, Foto © DBM, Großmann

Veste Heldburg, Ansicht von Süden, links Kommandantenbau, rechts Französischer Bau, Foto © Nürnberger Versicherung (Förderer des Deutschen Burgenmuseums)

 

pm/red
27.04.2018

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