Sommerpausenzeichen

Pausen sind wichtig

Sommerpausenzeichen

Von Ärzten hört man ja immer wieder, bisweilen auch von der Freundin (von Kollegen sowieso), man möge doch einmal Pause machen. Pausen sind wichtig, Pausen sind richtig. In der Musik, auch der Richard Wagners, übrigens nur dann, wenn sie so auch in der Partitur stehen. Wer Pause macht, schöpft Kraft, beispielsweise schöpferische, für Neues. Kinder, schafft Neues, hatte der Bayreuther Gesamtkunstwerkler ja ausgerufen, und mit seiner Idee vom die Künste einenden Gesamtkunstwerk genau das getan: Neues geschaffen.

 

In Bayreuth sind die Pausen lange gehalten, sie dauern eine Stunde. Damit man speisen kann, beispielsweise Wachtelbrust, damit man aber auch, und dies vor allem, das zuvor Gehörte reflektieren und sich darüber austauschen kann. Für den „Tannhäuser“ waren, wie üblich, zwei Pausen angesetzt. Bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele am letzten Julifreitag hat man den Ruf des bekanntlich beim Karneval in Venedig 1883 verstorbenen Hausherren und Meisters, man möge doch endlich Neues schaffen, beim Wort genommen und für ein veritables Novum gesorgt. Die romantische Oper um den Sängerkrieg auf der Wartburg ging erstmals in der Geschichte des Grünen Hügels mit drei Pausen über die Bühne

 

Denn es krachte. Nach palindromischen 22 Minuten hatte die Bühnentechnik wohl genug von der weder beliebten noch ausverkauften (auch das mag ein so überraschendes wie skandalöses Novum im Festspielhaus gewesen sein) Inszenierung des Herrn Baumgarten. Aus die Maus. Einem Käfig (voller Narren?) brachen, müde vom Vorrübergehen, wie es in Rilkes „Panther“ heißt, Stäbe. Der Vorhang fiel, „und hinter tausend Stäben keine Welt“ mehr. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte führte das Publikum hinaus, ins Offene, vors Festspielhaus, da die Vorstellung aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden musste. Die angekündigten“ zwanzig Minuten“ genügten keinesfalls, den Schaden zu beheben.

 

Wir folgen jetzt dem Rat der Kollegen, dem Hinweis der Freundin, wir hören auf den Arzt und machen mal Pause. Nicht ohne zuvor allen Leserinnen, allen Lesern, einen feinen Urlaub gewünscht zu haben. Also auf bald, spätestens bis Oktober. Nun lesen Sie wohl! 

 

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Jürgen Gräßer
04.08.2014

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