Le roi est mort, vive le roi?

OMG! Der Morph Club ist dicht!

Le roi est mort, vive le roi?

Heute war es mal wieder soweit. Schrecksekunde wäre wahrlich untertrieben. Schicksalsschlag trifft es da schon eher. Und zwar die kollektive Art davon. Die Hiobsbotschaft: Der Morph Club ist dicht! Da schaut und hört man schon noch mal genauer hin, wenn einen so eine Nachricht gänzlich unvorbereitet erreicht. Die Kritik an der Neuregelung der Sperrzeit war zwar viele Monate lang laut und deutlich vom Club artikuliert worden. Dennoch überrascht das schreckliche Ende. Das Sterben einer solchen Institution ist überhaupt unvorstellbar. So etwas will man einfach nicht wahr haben. Und doch sind die Neuigkeiten weit entfernt von leichtsinnigem Witz und grobem Unfug. Es ist der bittere Ernst, der die Bamberger Kultur- und Clubszene heute traf wie ein Blitz. Und der Donner kommt unvermeidbar hinterher. Nun dürfte die Raumnot für den sortierten Kultur- und Freizeitvertreib wirklich akut werden, da die Bamberger Szene seinen kulturaffinsten, privatwirtschaftlich geführten Laden verliert und keinerlei öffentlich getragene Struktur zum Auffangen existiert. Poetry Slam, Theateraufführungen, Comedy, eine viel gerühmte Live-Bühne, der Garant für abwechslungsreiches Programm der Sub- und Popkultur ist am Ende und all diese Formate verlieren urplötzlich ihre lieb gewonnene Heimat! Ein wahrlich schwarzer Tag für Bamberg und ein deutliches Signal, dass rein kommerziell querfinanzierte Kultur nur schwerlich mit entsprechendem Anspruch und entsprechender Fürsorge zu haben ist. Wo der Markt versagt, ist der Staat gefragt. So in der Art lehren uns die Wirtschaftswissenschaften. So in der Art fordert das unsere gesellschaftliche Verantwortung. Doch dieser Fall ist etwas komplexer, die Zusammenhänge zwischen Markt, Politik und Kultur sind stark und aber ebenso schwierig fassbar. Der Spagat zwischen kommerzieller Wirtschaft und privat ambitionierter Erfüllung des staatlichen Kulturauftrags ist in diesem Fall, nach vielen positiven Fallbeispielen, letztlich doch gescheitert. Und die Ursachenforschung kaum zu bewältigen. Veränderungen von Sperrzeitregelungen auf der einen Seite, Veränderungen der individuellen Gestaltung des Nachtlebens auf der anderen. Die starke Ausbreitung von "Geiz ist geil"-Mentalität und Kostenlos-Kultur bei schwindendem Verständnis für kulturellen Anspruch. Weder gut sortierte Kultur noch Kommerz retten die Besucherzahlen, wenn zahlreiche andere Komponenten dagegen spielen. Und letztlich bleibt die Frage - wo waren all diejenigen, die sich über das Ende wundern? Wie ist es um das Interesse wertvoller Clubkultur bestellt? Von wem und wie lässt sich die Lücke füllen, die dieser Kratereinschlag in die Bamberger Szene unbestritten auftut? Hierzu dürfte das letzte Wort noch lange nicht gesprochen sein!


07.08.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen