ARD-Wettbewerb mit Rekordbeteiligung

Bläserquintett und Schlagzeug, Cello und Klavier

ARD-Wettbewerb mit Rekordbeteiligung

 Bereits ehe überhaupt der erste Ton beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD erklingt, bei dessen 63. Ausgabe heuer die Kategorien Klavier, Violoncello, Schlagzeug und Bläserquintett ausgeschrieben sind, kommt aus der bayerischen Kapitale Kunde von einer ersten Bestleistung: Nie noch zuvor hatten sich derart viele Musikerinnen und Musiker sowie Ensembles zu der arg renommierten Konkurrenz angemeldet. Aus den 519 Bewerbungen (insgesamt, bedingt durch das Fach Bläserquintett, stolze 675 Personen aus einem halben Hundert Ländern und fünf Kontinenten) ließ eine Vorjury 312 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten zu, die nach München zur Teilnahme eingeladen sind.

 

Den Auftakt machen am heutigen Montag, den 1. September, in der Münchner Musikhochschule die Schlagzeuger, für die der ARD-Musikwettbewerb der weltweit wichtigste ist. Vor sieben Jahren hatte der aus Leonberg gebürtige Johannes Fischer, Jahrgang 1981, sich als überragender Instrumentalist in diesem Fach erwiesen und gewann neben dem ersten Preis und dem Publikumspreis drei weitere Auszeichnungen. Für den 63. ARD-Wettbewerb hat Fischer nun die Auftragskomposition geschrieben, die im Semifinale auf dem Programm stehen wird. Sechsundneunzig Schlagzeuger hatten sich beworben, die in der Vorauswahlrunde einen langsamen sowie einen schnellen Satz aus einer Suite für Violoncello von Johann Sebastian Bach (für Mallet-Instrumente bearbeitet, also für Instrumente, die mit einem Schlägel zu spielen sind, wie etwa Marimbaphon, Glockenspiel und Vibraphon) vorzutragen hatten sowie ein Werk freier Wahl, allerdings, versteht sich, nicht für Mallets. Nicht ganz die Hälfte von ihnen wurde zur ersten Runde nach München gebeten, in welcher ein Stück aus den „Eight pieces for four timpani“ von Elliot Carter (1908 bis 2012) und ein weiteres für Kleine Trommel solo zu interpretieren ist. Den Vorsitz über die Jury hat Peter Sadlo, der selbst 1985 in München mit dem ersten Preis bedacht wurde. Sadlo, geboren in Nürnberg und in Zirndorf aufgewachsen, ist seit sieben Jahren künstlerischer Berater der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau im oberfränkischen Lichtenberg.

 

Siebzig Cellisten starten am 2. September in den Wettbewerb. Sie konzertieren im

im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks. Neben Robert Schumanns Fantasiestücken op. 73 haben sie im ersten Durchgang zwei Sätze aus einer Bach-Suite zu bewältigen. In der Finalrunde mit dem BR-Symphonieorchester am 12. September steht dann im Herkulessaal der Residenz eines der drei großen Konzerte von Antonín Dvorák, Edward Elgar oder Dmitrij Schostakowitsch auf dem Programm. Vorsitzender der Jury ist im Übrigen Wolfgang Boettcher, der 1958 beim ARD-Wettbewerb den zweiten Preis gewonnen hatte.

 

Das an Teilnehmern stärkste Fach ist erwartungsgemäß das Klavier. Zweiundsiebzig Pianisten starten am 4. September im Carl-Orff-Saal des Gasteig in die Konkurrenz. Juryvorsitzender ist hier Gerhard Oppitz, der immer wieder einmal auch in Bamberg mit den Symphonikern zu erleben war und ist. Ebenfalls am Donnerstag beginnt der Wettbewerb für die Bläserquintette, von denen fünfundzwanzig gemeldet sind. Der siebenköpfigen Jury gehört auch Szabolcs Zempléni an, der ehemalige Solohornist der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie.

 

 

 

 

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Internationale Musikwettbewerb der ARD – Premiere feierte er 1952 – mit seinem jährlich wechselnden Angebot für Musiker zu einer international singulären Einrichtung. Nicht nur für Sänger und Pianisten, auch allen übrigen Instrumentalisten bietet der Wettbewerb ein Podium der internationalen Konkurrenz. Für sein Renommee spricht auch der hohe Anteil an ausländischen Teilnehmern, satte 88 Prozent. Von Jessye Norman über Maurice André, Heinz Holliger und Mitsuko Uchida bis hin zu der Klarinettistin Sharon Kam reicht die Palette der Preisträger, die den ARD-Wettbewerb als Sprungbrett für ihre großen Karrieren nutzen konnten.

 

Alle Wertungsspiele und Konzerte sind öffentlich. Die ersten beiden Durchgänge sind bei freiem Eintritt zu erleben, für die Semifinal- und Finalrunden sowie die drei Preisträgerkonzerte werden Karten benötigt. Wer in München nicht vor Ort sein kann, hat die Gelegenheit, im Bayerischen Rundfunk den Wettbewerb zu verfolgen. Alle drei Abschlusskonzerte werden direkt im Hörfunk auf BR-KLASSIK übertragen und können zudem als Video-Livestream verfolgt werden. Am 17. September steht um 20 Uhr im Prinzregententheater das Kammerkonzert mit Preisträgern an, tags drauf ebendort das Konzert mit dem Münchner Kammerorchester, schließlich am 19. September im Herkulessaal das finale Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

 

Foto Copyright: © Dorothee Falke

Jürgen Gräßer
01.09.2014

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