Nicht nur ganz in Schwarz-Weiß

Polaroids von Derleth und Dorow bei Bühlers

Nicht nur ganz in Schwarz-Weiß

 Von anno 1894 – da hat der gebürtige Fürther Jakob Wassermann gerade seine Heimatstadt verlassen, um in München Ernst von Wolzogens Sekretär zu werden, der wiederum Wassermanns literarische Begabung fördert und ihn mit dem Verleger Albert Langen zusammenbringt, wo zwei Jahre später Wassermanns Debüt erscheinen sollte („Melusine. Ein Liebesroman“) – von 1894 also stammt die eindrückliche, im Stil der Neorenaissance gehaltene Villa in der Königswarterstraße 22, in welcher das Bühlers seit zwei Jahren sein Domizil gefunden hat. Bei der Kunst aber, die Hausherrin Sabine Pillenstein in dem prächtigen Bau ausstellt, handelt es sich um dezidiert zeitgenössische. Und das heißt, seit vergangenem Donnerstag und noch bis in die erste Novemberwoche hinein, Photographien von Günter Derleth und Harald Dorow, die unter dem Ausstellungstitel [SOFORT : BILD] subsumiert werden.

 

Derleth, den munteren Mittsiebziger, muss man nicht groß vorstellen. 1941 in Nürnberg geboren, betrieb er über drei Dekaden hinweg sein eigenes Studio für Werbephotographie, bis er sich von 2002 an der künstlerisch-kreativen Arbeit mit Camera obscura und Lochkamera, also frühen Formen der Kamera, verschrieb. Derleth hat mit Aktionen wie „Loch statt Linse“ auf sich und seine Kunst aufmerksam gemacht, von der er sagt, die entschleunigte Arbeit mit der Camera obscura zwinge zum kontemplativen Innehalten – auch mit sich selbst. Er hat Venedig ebenso in den Lochkamerablick genommen wie die spanische Silberstraße, die Ruta de la Plata, oder heimische Türme in Fürth und Nürnberg.

 

Harald Dorow, gebürtiger Oberpfälzer des Jahrgangs 1953 und seit den frühen Siebzigern in Nürnberg zuhause, seit 2006 – der ländlichen Ruhe wegen – in Pottenstein, hat seinen Broterwerb im Kulissenbau gefunden und in der Herstellung von Hohlkehlen, die in Photostudios verwendet werden. Die Affinität zur Photographie war also gegeben, wie die zu (Werbe-)Photographen. Beispielsweise zu Derleth, der Dorow nun eingeladen hat, mit ihm zusammen die Werkschau [SOFORT : BILD] im Bühlers zu gestalten: Dorows spätes, aber durchaus bemerkenswertes Debüt. Man nimmt es dem Pottensteiner gern ab, wenn er von der Polaroidphotographie als seiner Leidenschaft, nicht Hobby, spricht. Denn Hobby sei ein Unwort.

 

Zu Derleth sei noch gesagt, dass die vier in der Halle hängenden Polaroids in Übergröße zurückgehen auf eine Ausstellung in der Königswarterstraßenvilla, bei welcher Werke der vor einem halben Jahrhundert in Nürnberg geborenen, 2008 mit dem Otto-Grau-Kulturpreis bedachten Inge Gutbrod („jelängerjelieber“, 2012/2013) gezeigt wurden und die Günter Derleth mit einer großen Lochkamera festhielt.

 

Und zur Vernissage, dass zu den zahlreichen Gästen Hans-Peter Miksch zählte, der seit über einer Dekade die kunst galerie fürth leitet, sowie Kathrin Hausel, von deren Arbeiten Miksch begeistert ist. Hausel hat ihr Atelier im Kulturort Badstraße 8. Ein Portrait dieser kreativen Idylle wird in der Oktober/November-Ausgabe von ART.5/III folgen.

 

Die Ausstellung [SOFORT : BILD] läuft noch bis zum 8. November. Geöffnet hat das Bühlers mittwochs bis freitags von 11 Uhr bis 15 Uhr, außerdem auf Anfrage. Hier die Kontaktdaten:

 

BÜHLERS

Sabine Pillenstein

Königswarterstraße 22

90762 Fürth

 

info@buehlers-fuerth.de

T +49 911 9327 6160

F +49 911 9327 6155

 

Fotos Copyright: © Katrin Dittmann

Jürgen Gräßer
10.09.2014

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