Kinosaal mutiert zum Opernhaus

Die Metropolitan Opera im Cinestar Bamberg

Kinosaal mutiert zum Opernhaus

„On Stage“ nennt sich, in vorbildlichem Deutsch, die Reihe von Opernaufführungen, welche im Cinestar Bamberg zu erleben ist. Übertragen wird direkt aus der Metropolitan Opera in New York, zweifelsfrei einem der großen Opernhäuser dieser Welt. Ein Besuch des im Atrium an der Ludwigstraße gelegenen Kinos erspart dem Musikfreund mithin den Flug nach New York oder die Fahrt nach München, nach Frankfurt, die Reise nach Stuttgart oder Wien, auf deren Bühnen gleichfalls Musikdramen auf staunenswertem Niveau geboten werden. Und auch das nach der Bayerischen Staatsoper größte Haus dieser Art im Freistaat, das Staatstheater in Nürnberg mit seiner Philharmonie, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

 

Für etwas weniger als drei Zehner kommt man am 11. Oktober in den Genuss, entspannt im weichen Plüschsessel sitzend, vielleicht bei Popcorn und Cola, Giuseppe Verdis „Macbeth“ (1847) in einer Direktübertragung aus der Met hören und sehen zu können. In der Rolle der Lady Macbeth dürfte die Sopranistin Anna Netrebko für Furore und Beifallsstürme sorgen, die Rolle des Titelhelden verkörpert der Bariton Željko Lucic (der häufig auch an der Bayerischen Staatsoper zu Gast ist). Den schottischen Adeligen Macduff singt und spielt der auf Malta geborene Joseph Calleja, der, nebenbei, in der bayerischen Landeshauptstadt im November in Verdis „Rigoletto“, im Februar in Puccinis „Madame Butterfly“ zu erleben sein wird. Die Partie des Generals Banquo übernimmt der Dresdner Bass René Pape.

 

Am Pult steht Fabio Luisi, seit vier Jahren Erster Gastdirigent an der Met. Luisi wirkte zuvor an der Semperoper und zählt Joseph Keilberth zu seinen Vorbildern. Die Inszenierung stammt von Adrian Noble, der als langjähriger Leiter der Royal Shakespeare Company mit „Macbeth“ vertraut ist. Alles spricht also für einen großen Opern- und Kinoabend. Wie es sich gehört, wird Italienisch gesungen, doch werden deutsche Untertitel eingeblendet. Das Spektakel soll knapp über drei Stunden dauern, eine Pause mitgerechnet, während der man sich erfrischen oder aber im Kinosaal verbleiben kann, denn es werden interessante Einblicke hinter die Bühne gewährt, einschließlich Interviews mit Darstellern und weiteren Mitwirkenden.

 

„On Stage“ wird schon eine Woche später fortgesetzt. Am 18. Oktober steht „Le Nozze di Figaro“ auf dem Spielplan des New Yorker Hauses. Der wieder genesene James Levine dirigiert eine Neuproduktion der Mozartoper aus dem Jahre 1786, die der Regisseur Richard Eyre in ein Herrenhaus der Goldenen Zwanziger verlegt. Der Bassbariton Ildar Abdrazakov in der Titelrolle führt das Solistenensemble an. Die Produktion zeichnet sich durch den Einsatz einer Drehbühne aus, die der Oper zu noch mehr Dynamik und einer breiteren Wandlungsmöglichkeit verhilft.

 

Eyre, der aus dem südenglischen Barnstaple stammende Regisseur, verantwortet auch die Produktion von Bizets „Carmen“. Die Direktübertragung in französischer Sprache mit deutscher Untertitelung wird rund dreieinhalb Stunden dauern. Die georgische Mezzo-Sopranistin Anita Rachvelishvili übernimmt die Titelrolle, das Dirigat der aus Granada gebürtige Pablo-Heras Casado. Das sollte passen, denn von dort nach Sevilla, wo „Carmen“ spielt, ist es nicht weit. „Die Meistersinger von Nürnberg“ werden am 13. Dezember übertragen. Am Pult steht James Levine, die Partie der Eva singt die ziemlich phänomenale Berliner Sopranistin Annette Dasch.

 

Ins neue Jahr geht es am 17. Januar mit Franz Lehárs Operette „Die Lustige Witwe“, allerdings in englischer Sprache. Deutsche Untertitel werden, wie üblich, mitgeliefert. Die Sopranistin Renée Fleming gibt die Partie der reichen Witwe Hanna Glawari, Sir Andrew Davis steht am Pult, die Broadway-erfahrene Susan Stroman inszeniert. Man darf sich auf viel Tanz und munteren Gesang in einer Art-Nouveau-Kulisse freuen. Der große Bariton Thomas Hampson wirkt bei „Hoffmanns Erzählungen“ mit (31. Januar), in Rossinis Meisterwerk des Belcanto, „La Donna del Lago“, stehen Joyce DiDonato und Juan Diego Flórez auf der Bühne. Besser kann es kaum kommen.

 

Insgesamt werden in dieser Saison zehn Produktionen aus der Met im CineStar Bamberg übertragen. Zum Vorteilspreis von 249 Euro kann man ein Abonnement für alle Veranstaltungen erwerben. Auch wer sich für ein Fünfer-Abo entscheidet (130 Euro), spart. Zu beachten ist allerdings, dass dieses Abo für fünf aufeinanderfolgende Direktübertragungen gilt und erhältlich ist entweder für den Zeitraum vom 11. Oktober bis zum 13. Dezember oder aber für die Zeit vom 17. Januar bis zum 25. April. Abo-Karten können ausschließlich an der Kinokasse erstanden werden, keinesfalls über das Netz.

 

Die Konzerte der Berliner Philharmoniker werden, anders als noch vor ein paar Jahren, im CineStar nicht mehr gezeigt. Wer den Berlinern lauschen möchte, kann dies im Cinecitta‘ Multiplexkino Nürnberg tun. Im März macht Bernhard Haitink die „Pastorale“. Vor der Pause ist Isabelle Faust Solistin in Beethovens Violinkonzert. Auch Aufführungen der Royal Opera London, der Opéra National de Paris sowie eine Ballett-Reihe aus dem Bolschoi-Theater stehen in Nürnberg auf dem Programm.

 

Copyright Fotos: Ken Howard, Metropolitan Opera (Zeljko Lucic in Macbeth), Marty Sohl, Metropolitan Opera (Les Contes d´ Hoffmann) und Ken Howard, Santa Fe Opera (La Donna del Lago)

Jürgen Gräßer
29.09.2014

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