Das Blut der Rose

Die Pocket Opera Company Nürnberg

Das Blut der Rose

Mit einer deutschen Erstaufführung kann die im Opernstudio in der Nürnberger Rollnerstraße 110a beheimatete Pocket Opera Company aufwarten. Premiere von „La Púrpura de la Rosa“ (Das Blut der Rose) ist am 2. Oktober, weitere Aufführungen folgen am 4. und am 5. Oktober sowie am 10. und 11. Oktober. „La Púrpura de la Rosa“ ist die erste in der Neuen Welt komponierte Oper überhaupt. Geschrieben hat sie Tomás de Torrejón y Velasco. Dieser wurde 1644 im spanischen Villarobledo geboren und folgte seinem Dienstherren nach Peru nach und wirkte als Kapellmeister und Komponist an der Kathedrale von Lima.

 

Den Auftrag zur Komposition von „La Púrpura de la Rosa“ hatte Torrejón von dem Vizekönig von Peru erhalten, Don Melchor Portocarrero Lasso de la Vega. In dessen Palast fand im Oktober 1701 die Premiere statt. Der Einakter erlebte im 18. Jahrhundert mehrere Aufführungen in Peru und in Mexiko. Die US-amerikanische Erstaufführung sollte erst 1992 in Chicago folgen. Auch in England, in Spanien und in Genf wurde „Das Blut der Rose“ in der Neuzeit immer einmal wieder gemacht. In Deutschland aber blieb das Werk unbekannt.

 

Somit kann die Pocket Opera Company, wenn sie mit „La Púrpura de la Rosa“ die Musik des spanischen Barock wieder aufleben lässt, die Oper als deutsche Erstaufführung auf die Bühne bringen, und zwar in einem ungewöhnlichem Ambiente, wie man es von der Pocket Opera kennt: in einem ehemaligen Busdepot der VAG Nürnberg. Die Inszenierung stammt von dem 1969 in Bambergs Partnerstadt Villach geborenen Tanztheaterspezialisten Guido Markowitz, die Kostüme wurden in Lima von der aufstrebenden peruanischen Modedesignerin Estrella Galo entworfen.

 

Der Name des Komponisten von „La Púrpura de la Rosa“ dürfte nur Spezialisten vertraut, der Autor des Librettos aber hat Weltruhm erlangt: Pedro Calderón de la Barca. Caldéron war der unbestrittene König des spanischen Theaters. Die deutschen Klassiker und dann die Romantiker haben ihn geschätzt. E. T. A. Hoffmann hat während seiner Bamberger Zeit Caldéron ins Deutsch übertragen. Daran erinnern noch heute Sommer für Sommer die Caldéron-Spiele in der Alten Hofhaltung auf dem Domberg.

 

In der „Rose“ greift Caldéron auf Ovids „Metamorphosen“ zurück und erzählt die Geschichte der Liebe zwischen Venus und Adonis, die von dem eifersüchtigen Kriegsgott Mars, der auf Rache sinnt, bedroht wird. An deren tragischen Ende steigen Adonis und Venus in den Himmel auf, er in Gestalt einer Blume, sie als Abendstern.

 

Die Dramaturgie liegt in den Händen von Florian Reichart, am Dirigentenpult steht Franz Killer. Er hat unter anderem bei Helmut Rilling in Stuttgart und bei Günter Wand in Hamburg Studien betrieben und ist seit 2007 der künstlerische Leiter der Pocket Opera Company. Die Partie der Liebesgöttin Venus übernimmt die Sopranistin Gertrud Demmler-Schwab, der Tenor Florian Neubauer die des schönen Jünglings Adonis.

 

Den bösen Kriegsgott Mars gibt der Bariton Manuel Krauß, der seine Sängerlaufbahn im Windsbacher Knabenchor begann und Meisterkurse bei Lioba Braun und Helmut Deutsch besuchte. Ihr solistisches Debut bei der Pocket Opera Company gibt die südkoreanische Sopranistin Heejoo Kwon in der Rolle des Amor. Sie studiert derzeit an der Nürnberger Musikhochschule. Für packende Momente und spannende Überraschungen dürften die fünf Parkour-Künstler von „Crap Movements“ sorgen: Max Heckl, Thomas Kießling, Kilian Langer, Florian Pol, Peter Simacek.

 

Copyright Fotos: © Pocket Opera Company Nürnberg (Kostümskizze), Michael Vogt (Florian Neubauer), Glasgow (Getrude Demmler-Schwab) und privat (Manuel Krauß)

Jürgen Gräßer
29.09.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen