Bildhauerinnen

Von Kollwitz bis Genzken

Bildhauerinnen

 Die Ausstellung „Bildhauerinnen. Von Kollwitz bis Genzken“ im Museum der Stadt Heilbronn - Kunsthalle Vogelmann zeigt erstmals überhaupt einen Überblick über die Entwicklung der Bildhauerei von Frauen in Deutschland. Es basiert auf den anhaltenden wissenschaftlichen Ergebnissen und schreibt die Entwicklungsgeschichte der Bildhauerei teilweise weiter und teilweise komplett neu.

Die Ausstellung rückt eine Gattung in den Fokus, die aufgrund ihrer körperlichen und technischen Herausforderung lange Zeit als die vermeintlich „unweiblichste aller Künste“ galt. Das Projekt, seit 2015 von drei Museen gemeinsam erarbeitet, führt solche Vorurteile ad absurdum. Professionelle Pionierinnen wie Käthe Kollwitz (1867-1945) oder Clara Rilke-Westhoff (1878-1954) ebneten den Weg der in Paris, Berlin und München ausgebildeten nachfolgenden Bildhauerinnengeneration. ­Renée Sintenis (1888-1965), Marg Moll (1884-1977), Emy Roeder (1890-1971) oder Milly Steger (1891-1948) setzten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts über vorherrschende Zwänge und geschlechtsideologische Tabus hinweg, und erfuhren bei Kunstkritik und Publikum große Wertschätzung. Das Projekt dokumentiert aber auch weithin in Vergessenheit geratene Künstlerinnen und damit die beeindruckende Breite der Bildhauerinnen-Bewegung jener Zeit. Die unterbrochenen Traditionslinien erschweren den Neubeginn nach 1945. Priska von Martin (1912-1982), Gerlinde Beck (1930-2006), Brigitte Matschinsky-Dennighoff (1923-2011) oder Ursula Sax (* 1935) knüpfen nach dem Krieg sukzessive an dieses Erbe an. Künstlerinnen wie etwa Rebecca Horn (*1940) oder Isa Genzken (*1948) stehen in der Folge exemplarisch für den fundamentalen Wandel der dreidimensionalen Form Ende der 1960er Jahre und prägen seitdem den künstlerischen Diskurs. Annähernd 100 Werke von etwa 50 bekannten und häufig aber auch verkannten Bildhauerinnen, geben spannende Einblicke in ein noch weitgehend unbeachtetes Kapitel der Kunst- und Kulturgeschichte. Das beste Beispiel dafür ist das Plakatmotiv Bambi, eine Majolika-Arbeit der Künstlerin Else Bach. Die zarte Figur, die seit 1948 als Auszeichnung für den Medien- und Fernsehpreis verliehen wird, zeigt den direkten Kontrast zwischen einem popkulturell bekannten Motiv und seiner weitgehend unbekannten Schöpferin. Es bedient das typische Klischee in der Darstellung weiblicher Kunst mit einem süßlich-niedlichen Charakter, hohem Wiedererkennungswert aber nur zweitrangiger Beachtung für die Urheberin. Die Ausstellung wartet nicht nur mit einer Fülle kaum bekannter Werke und wiederzuentdeckender Namen auf, zugleich hinterfragt sie die bisherige Rezeptionsgeschichte und liefert sinnstiftende neue Ansätze.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand-Verlag mit Beiträgen von u.a. Anja Cherdron-Modig, Marc Gundel, Arie Hartog, Yvette Deseyve und Rita E. Täuber. Erhältlich ab Januar 2019 an der Museumskasse., ca. 39 Euro.

 

Infos & Termine:

11.11.2018 – 07.04.2019
Fr - Mi & feiertags von 11.00 bis 17.00 Uhr Do von 11.00 bis 19.00 Uhr

Museen der Stadt Heilbronn –
Kunsthalle Vogelmann

Allee 28
74072 Heilbronn

Tel. (07131) 56 4420
www.museen-heilbronn.de

 

Fotocredits:

Else Bach, Bambi, um 1936, Foto © ONUK Fotografie, Bernhard Schmitt

Elisabeth Ney, Büste Otto von Bismarck, 1867, Foto © Andres Kilger, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie


06.12.2018

Eure Meinung? Leserbrief verfassen