Das Runde muss ins Eckige

Vom organisierten Kultur-Fussball

Das Runde muss ins Eckige

Das Runde muss ins Eckige, das gilt beim Fußball sowieso, manchmal aber auch in der Kultur. Glückliche Umstände führten im Oktober 2004 zu einer kleinen Liaison von beidem. Die Deutsche Akademie für Fußballkultur wurde gegründet. Getragen von der Stadt Nürnberg, mit easyCredit/TeamBank und dem kicker-Sportmagazin als Partner und einem Beirat, der namhafte Vertreter vereint (Freistaat Bayern, Bayerischer Rundfunk, Goethe-Institut, Deutscher Volkshochschul-Verband, Fraunhofer Gesellschaft, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Kulturpolitische Gesellschaft usw.) und immerhin partiell und mit fester Adresse auf das Thema Fußball-Kultur einschwört.

 

Eine clevere, nachhaltige, vielleicht sogar weltmeisterliche Idee, die sich im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 durchsetzen ließ und das vielfältige Zusammenspiel zwischen Fußball und Kultur befördert und dem Phänomen Fußball seitdem weit mehr abtrotzt, als das ein oder andere Mal pro Woche großformatige Massenunterhaltung in architektonisch mehr oder weniger glanzvoller Umgebung zu sein. Einmal mehr wird das Amt für Kultur und Freizeit in Nürnberg, das operativ verantwortlich zeichnet, seinem außergewöhnlichen Ruf gerecht, wenn es Sportteil und Feuilleton immer wieder in ausgewählten Aktivitäten zueinander führt. Diese tragen Namen wie „Fans, Fairplay und Fußballwerte“, „Fußball und Nation“ oder „Die Welt zu Gast im Stadion“. Sie gründen die Nationalmannschaft der Schriftsteller („Kick it like Beckett!) oder organisieren EM- sowie WM-begleitend den jeweiligen Fangarten mit kulturellen Einlagen. Die ausgereifte Public Viewing-Kultur wird dabei kurzerhand um sorgfältig aufgestellte Veranstaltungsformate ergänzt und damit Raum geschaffen für das Spiel vor und nach dem Spiel. Mit den „Nürnberger Gesprächen zur Fußballkultur“ wurden Impulse und Zeichen gesetzt. In der Reihe „Weißt du noch, damals...!?“ wird regelmäßig die Fußballgeschichte der Traditionsvereine 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuter Fürth gepflegt.

 

Das Spektrum der Aktivitäten ist facettenreich und breit aufgestellt. Darüber hinaus versteht sich die Akademie als Anlauf- und Informationsstelle für Akteure aus Fußball und Kultur und koordiniert verschiedenste Kooperationen zwischen unterschiedlichen Institutionen. Und in der Tat ist das Herzstück des Informationsflusses, die Webseite http://www.fussball-kultur.org, eine wahre Fundgrube zu Themen an der Schnittstelle Fußball und Kultur. Ob Geburtstagsgrüße für Günter Netzer, die Kritik von Entwicklungsminister Gerd Müller an den Produktionsbedingungen von Trikots von adidas, die neuesten Informationen zur Obdachlosen-Weltmeisterschaft in Chile, die Ausschreibung des DFB-Integrationspreises oder Hinweise auf aktuelle Buchveröffentlichungen, Podiumsdiskussionen und Lesungen, die themenrelevant sind. Es mangelt nicht an Überschriften, Themen und Veranstaltungsterminen. Und auch die Linksammlung ist eine ergiebige Quelle, aus der geschöpft werden kann.

 

Wer sich für Fußball kulturell interessiert, ist hier bestens aufgehoben. Nicht umsonst liest sich auch die Liste der Einzelmitglieder wie das Who Is Who der bayerischen und deutschen Polit-, Kultur-, Medien- und Sportprominenz (Dr. Günter Beckstein, Django Asül, Prof. Dr. Hermann Glaser, Dr. Edmund Stoiber, Prof. Dr. Guido Knopp, Renate Künast, Albert Ostermaier, Achim Bogdahn, Urban Priol, Otto Schily, Claudia Roth u.a.). Chapeau, meine Damen und Herren, eine gelungene Verbindung ist hier gelungen, eine Symbiose von Fußball und Kultur, eine systematisierte Wechselwirkung von Kultur und Fußball, die ihresgleichen sucht. Die Verleihung des Fußball-Kulturpreises war da nur ein konsequenter Schritt, der das Aufgabenspektrum der Akademie komplettiert und sie regelmäßig in den nationalen und internationalen Fokus rückt.

Oliver Will
30.09.2014

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