Meditation mit Elina Garanca

Gefeierte Mezzosopranisitin in der Meistersingerhalle

Meditation mit Elina Garanca

In Zeiten der immerwährenden Erreichbarkeit, der permanenten Beschleunigung und der Terminhetze tut es wahrlich gut, sich eine Ruheinsel zu schaffen. Das kann zum Beispiel ein Konzertbesuch (Mobiltelefone sind auszuschalten, bitte) sein. Und wenn an diesem Abend dann noch die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca singt, die seit gut einem Jahrzehnt zu den umjubelten Stars der Opernbühne gehört, darf man sich auf Gesangskunst allererster Güte freuen.

 

Garanca wird am 29. Oktober in der Nürnberger Meistersingerhalle zu Gast sein, gemeinsam mit ihrem Gatten, dem britischen Dirigenten Karel Mark Chichon, am Pult des Philharmonischen Orchesters Brünn. „Meditation“ ist das Programm überschrieben. Es verspricht Zeit zur Besinnung und lässt mit Sinnlichkeit gewordener Musik, die von der Barockzeit bis in die Romantik hineinreicht, Ruhe einkehren. Bachs berühmte Air aus der Orchestersuite in D-Dur, die, in einer Bearbeitung von Chichon, den Auftakt machen wird, ist hierfür ein gutes Exempel.

 

Auch die Ouvertüre zu Verdis „La forza del destino“, das berühmte Intermezzo aus Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und die Tondichtung „Finnlandia“ von Jean Sibelius werden zu hören sein. Außerdem, selbstverständlich, der Star des Abends. Garanca singt neben Arien aus Opern von Gaitano Donizetti, von Verdi und Mascagni auch geistliche Musik, beispielsweise „Repentir“ von Charles Gounod oder das „Ave Maria“. Nein, nicht jenes von Gounod nach Bach bearbeitete, auch nicht das von Franz Schubert, sondern die fälschlicherweise Giulio Caccini zugeschriebene Komposition. Tatsächlich stammt dieser Ohrwurm aus der Feder des russischen Gitarristen Vladimir Vavilov.

 

Elina Garanca, Jahrgang 1976, entstammt einer Musikerfamilie aus Riga. Zunächst studierte sie an der Lettischen Musik-Akademie Gesang bei ihrer Mutter. Es folgten weitere Studien in den Vereinigten Staaten, in Amsterdam und in Wien. Erste Engagements führten die Mezzosopranistin nach Bukarest und Athen. Weitere frühe Stationen waren die Opernhäuser in Meiningen und in Frankfurt, ehe sie an der Wiener Staatsoper in Mascagnis „Cavalleria rusticana“ ihr Debut feierte.

 

In Mozarts „La clemenza di Tito” unter Nikolaus Harnoncourt schaffte sie bei den Salzburger Festspielen 2003 den internationalen Durchbruch. Auch als Liedsängerin (Robert Schumann, Schubert, Johannes Brahms, Alban Berg, Strauss) ist Elina Garanca gefragt. Seit dem vergangenen Jahr darf sie sich Österreichische Kammersängerin nennen. „Wirklich wichtig sind die Schuhe“ lautet der augenzwinkernde Titel ihrer 2013 herausgekommenen Autobiografie.

 

Wer es am 29. Oktober nicht zu dem Konzert in der Meistersingerhalle schaffen sollte, der kann sich mit Garancas soeben bei der Deutschen Grammophon erschienenen CD „Meditation“ trösten. Am Pult steht auch hier Karel Mark Chichon, allerdings dirigiert er nicht das Philharmonische Orchester Brünn, sondern die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, deren Chefdirigent Chichon seit Herbst 2011 ist. Egal. So oder so ein Genuss, denn es singt ja die immer stupende Elina Garanca.

 

Copyright Fotos: © Paul Schirnhofer (Elina Garanca 2013) und Karina Schwarz (Elina Garanca 2012)

Jürgen Gräßer
30.09.2014

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