En Bref: Schauerlicher Tag.

Der Diarien von FJR zweiter Teil

En Bref: Schauerlicher Tag.

Schauerliche Tage und bisweilen auch Abende oder, von Schmerzen geplagt, Nächte gar, hat es in den Diarien von Fritz Joachim Raddatz, für gemeinhin auf Fritz J. Raddatz verkürzt, oder gleich auf die Initialen FJR hinuntergeschnitten, einige. Bei Raddatz, seit gewiss bald vier Dekaden, also seit seiner ZEIT-Zeit 1976ff., einer der großen Feuilletonisten und Biographen hierzulande, heißt das, einen frühen November auf den Punkt bringend, so: „En bref: schauerlicher Tag.“ Dabei, sollte man meinen, hat dieser Raddatz, der im Winter in Nizza weilt oder auf Teneriffa, im Sommer auf Sylt, und alle vier Jahreszeiten über immer wieder in hochklassigen Hotels nächtigt, keinen Grund zur Klage. Aber Raddatz ist oft böse, er schimpft und wettert, sagt über den Roman eines befreundeten Kollegen, das sei „nicht Prosa, sondern Gelabere“. Bei so viel Wut im eigenen Bauch wundert es nicht, wenn ihm selbst seine abendliche „Davidoff nach dem Bordeaux“ nicht schmecken mag. Aber genug damit. FJR kennt, oder kannte, alle und jeden im deutschsprachigen Literaturbetrieb, das lässt sich mittels Stichproben im hilfreichen Register, das von Adorno über Andersch bis zu Wolf Wondratschek und Stefan Zweig reicht, schnell überprüfen. Wir aber raten zum Genuss, zur langsamen Lektüre, denn Raddatz ist ein großartiger Stilist. Und zu sagen hat er auch etwas.

 

Fritz J. Raddatz, Tagebücher 2002 – 2012. Reinbek: Rowohlt, 2014. 720 Seiten, 24,95 Euro.

Jürgen Gräßer
01.10.2014

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