Von Äpfeln, Birnen und Pflaumen

Drei Theater starten in die neue Spielzeit

Von Äpfeln, Birnen und Pflaumen

Vergleiche von Theatern hinken zwangsläufig. Aber sie sind ebenso ergiebig. So unterschiedlich die Theaterhäuser in Bamberg, Coburg und Erlangen ausgestattet sind, so verschiedenartig aber auch unspektakulär liest sich deren Programm.

 

Den Auftakt geben die drei Häuser in sehr ähnlicher Manier. Bamberger und Coburger Allerlei aus dem Programm der anstehenden Saison bieten die Appetithappen aus den einzelnen Produktionen zur Eröffnungsparty. Dabei holen die Coburger ihr Publikum auch hinter die Kulissen. Bamberg dagegen startet gleich frontal. Erlangen tut gleich. Zu Beginn gibt es von allem ein wenig und ein wenig mehr als bloße Schauspiel-Collage. Und, das klingt bisweilen pfiffig und charmant: ein Tauschregal in Anlehnung an das antikapitalistische Lebenskonzept Gospodins. Ein Spass-Parkour für die Jüngsten. Der Froschkönig-Wettlauf verrät den Titel des Weihnachtsstücks. Eine Theaterführung und die beliebte Licht- und Technikshow der Theatertechnik sind Bestandteil.  Schließlich dürfen die Ensemblemitglieder singen und locken damit all diejenigen in eine 20er Jahre Cocktailbar, die zum Einstieg die leichte Muße bevorzugen.

 

Der Auftakt spiegelt so das Programm der Saison und liefert allen neugierigen und wählerischen Besuchern erste Ergebnisse. Für Kinder allerdings wird nicht viel geboten. Wer wählen will, muss über den Tellerrand der eigenen Stadt hinaus blicken oder sich nach Alternativen in der Heimat umsehen. Lediglich eine Produktion steht bei allen Theatern auf dem Programm. Die Titel klingen vertraut: Der Froschkönig, Schneeweißchen und Rosenrot, Die unendliche Geschichte.

 

Dazu gibt es zwar verschiedene theaterpädagogische Angebote. Ob das jedoch genügt, um das Theaterpublikum für morgen zu „entwickeln“, bleibt fraglich. Dabei wäre schon eine kleine Verjüngung des Durchschnittsalters der Besucher ein großer Erfolg mit Blick auf die Zukunft unserer Stadttheater, die in den letzten Jahren mit Recht mehr und mehr auf den Prüfstand gestellt wurden.

 

Inhaltlich auffällig ist nicht viel. Große Klassiker sind obligatorisch. Überhaupt sind populäre Titel sehr stark vertreten: Der Mann von La Mancha, King Kong, Schwanensee und Loriot werden in Bamberg auf die Bühne gebracht. Mit Tartuffe, Der Kaufmann von Venedig, Der Große Gatsby und Genannt Gospodin stellt sich Erlangen prominent auf. Und auch das Landestheater lockt mit poulären Titeln und Klassikern: Blues Brothers, Don Giovanni, Der Kontrabass, Der Nussknacker, Madame Butterfly, Woyzeck oder Nathan der Weise laden zum Absolvieren der Pflichtliteratur von Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Oper. 

 

Wer Innovation, Experiment oder auch einfach nur Abwechslung sucht, muss schon genau hinsehen, bevor er fündig wird. In Bamberg gibt es immerhin Besonderheiten mit lokalem Bezug. Namenspatron E.T.A. Hoffmann kommt wahrlich nicht zu kurz in 2012/13 und Karl May wird groß zum Thema der Calderón-Spiele 2013 gemacht. Coburg ist, das liegt nahe, stark von Musical und Musiktheater geprägt. Clever ausgewählter Schöngeist hat da seine Grenzen.

 

Erlangen schließlich wirkt unter den Dreien trotz oder vielleicht gerade aufgrund des kleinsten Ensembles am kreativsten und ist in der Theaterpädagogik am pfiffigsten aufgestellt. Und auch die Begrenzung auf Schauspiel ist nur konsequent. Wer Musical, Konzerte und Oper erleben will, findet unweit der eigenen Stadt ausreichend Möglichkeiten. Das gilt ebenso für seichte Unterhaltung in eilig aufbereiteten Revuen oder Collagen, die in Bamberg bereits zur Tagesordnung gehören und einem gesunden Verständnis von  „Stadttheater“ nicht gerecht werden.


26.09.2012

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