Weit mehr als (Winds-)Bach in Ansbach

Theater-Konzertreihe mit dem Quatuor Ébène

Weit mehr als (Winds-)Bach in Ansbach

Man glaubt es kaum, wie vielfältig, wie großartig das Angebot des Theaters Ansbach ist, zumal in Sachen Musik. Innerhalb der Konzertreihe im Onoldiasaal gastiert am 12. Dezember das Quatuor Ébène. Die vier Franzosen haben sich längst in die absolute Weltspitze gespielt und fallen durch ungewöhnliche Encores (gern Jazz) und Zusammenarbeiten (etwa mit der fabelhaften Stacey Kent) auf. In die mittelfränkische Bach-Stadt kommen sie mit Mozarts chromatisch ungemein kühn eröffnenden Es-Dur-Streichquartett KV 428, dem zweiten der beiden Quartette op. 51 von Brahms, welches „sehr viel schönes in knapper Form“ enthält, wie der Wiener Chirurg und Widmungsträger Theodor Billroth bemerkte, und technisch arg anspruchsvoll ist. Im Zentrum steht Ravels singuläres Streichquartett F-Dur op. 35, mit dem der Baske zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu seinem charakteristischen, von Rhythmus und oszillierender Harmonik geprägten Stil fand. Der Ausschluss des Werks vom Prix de Rome war ehedem ein Skandalon sondergleichen.

 

Freunde von Streicherkammermusik dürfen sich auch auf den 16. Januar freuen. Maximilian Hornung, gebürtiger Augsburger, von Anne-Sophie Mutter gefördert und ehemals Solo-Cellist des BR, spielt Beethoven, Strawinsky und Bohuslav Martinu. Am Flügel begleitet ihn Paul Rivinius (dessen Bruder Gustav, ganz wie Hornung, bei David Geringas studierte, und 1990 den Tschaikowsky-Wettbewerb gewann). Ein Heimspiel hat am letzten Januarabend das Kammerorchester Ansbach, das unter anderem das Klarinettenkonzert Nr. 4 von Louis Spohr (Solist: Nikolaus Friedrich, Nationaltheater Mannheim) und die Siebte von Martinus Landsmann Antonin Dvorák geben wird.

 

In seinem musikalischem Wohnzimmer, der St. Gumbertuskirche, wird der Windsbacher Knabenchor unter Martin Lehmann am 20. und am 21. Dezember die ersten drei Teile von Bachs Weihnachtsoratorium singen. Ihm zur Seite steht die in der historischen Aufführungspraxis wegweisende Akademie für Alte Musik Berlin. Neben den vom Thomaskantor beschworenen himmlischen Heerscharen dürften da auch die fränkischen Musikfreunde jauchzen und frohlocken. Zu einem Konzert für die Allerkleinsten laden am Tag nach Nikolaus Solisten des Kammerorchesters Ansbach ins Theaterfoyer. Statt stillem Sitzen und andächtigem Zuhörern ist dann munteres Brabbeln und Krabbeln, Tanzen und Springen (frei nach dem Nürnberger Hans Leo Haßler), Staunen und Bestaunen angesagt. „Schnullerkonzert“ nennt sich diese längst beliebte Matinee: ungezwungene musikalische Früherziehung par excellence!

 

Copyright Foto Großer Saal, Theater Ansbach © Theater Ansbach

 

Jürgen Gräßer
26.11.2014

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