Wie Dauerndes schaffen?

Gedichte – und Kommentare – fürs Jahr

Wie Dauerndes schaffen?

 

Wie nur, fragt Jürgen Theobaldy, der lange schon bei Bern lebende, aus Straßburg gebürtige, in Mannheim aufgewachsene Lyriker, „Dauerndes schaffen?“ Und fügt – in „Dem Meister im Verschwinden“ – fragend an: „Durch Ausdauer?“ Michael Brauns Schaffen – das Engagement des Pfälzers für Lyrik von hier und heute, etwa, seit zwei Dekaden, als Berater und Moderator des Erlanger Poetenfestes – ist von Dauer. So wie es die in den von ihm edierten Lyrik-Taschenkalender aufgenommenen Gedichte auch sind. Siebzehn Lyrikerinnen und Dichter deutscher Zunge durften je zwei der ihnen liebsten Gedichte auswählen und konzis kommentieren. Die Autoren und Kommentatoren ihrerseits werden von Braun und Henning Ziebritzki, dem Essayisten und Lyriker, mit einer beispielhaften Kostprobe ihres Œuvre vorgestellt. Herausgekommen ist so ein dichter lyrischer Begleiter fürs Jahr, mit Versen von Trakl beispielsweise, von Goethe, George, Anastasius Grün und der Concordia-Stipendiaten Göritz, Poschmann, Herta Müller. Das Kalendarium zur Rechten lässt Platz für eigene Haiku, zumindest aber für Termine wie, ein Vorschlag, das Lyrikertreffen in Münster, das man sich vom 8. bis 10. Mai vormerken darf und an dessen Schlusstag der Internationale Poesiepreis vergeben wird. Zur Jury gehört, wen wundert’s, Michael Braun. Apropos Haiku: Mit dem eingangs zitierten „Meister im Verschwinden“ meint Theobaldy den Frosch. Gewiss auch den aus dem vielleicht bekanntesten Haiku überhaupt, dem des Meisters Basho: „Der alte Weiher: / Ein Frosch springt hinein. / Oh! Das Geräusch des Wassers.“

 

Michael Braun (Hg.), Lyrik-Taschenkalender 2015. Heidelberg: Wunderhorn, 2014. 224 Seiten, 15,80 Euro.

 

Jürgen Gräßer
26.11.2014

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