Wucht und Wahn tanzen auf den Gipfeln

Olaf Unverzarts alpine Landschaftsbilder

Wucht und Wahn tanzen auf den Gipfeln

In den verschiednen Wettern, guten, schlechten / Dies oder jenes Angenehme zeigen zu können, wünscht sich das lyrische Ich in Brechts „Blumengarten“. „Gutes Wetter, schlechtes“ ist Olaf Unverzarts knappes Schlusswort überschrieben zu dem grandiosen Band „ALP“. Auch wenn es nicht immer die ohnehin klischeeübersättigten Bilderbuchseiten des Gebirgszuges sind, die der im Olympia-Jahr von München, seinem Arbeitslebensmittelpunkt, in einem Oberpfälzer Sechzig-Seelen-Dorf geborene Photograph zeigt – faszinierend, ungewöhnlich, ja bahnbrechend ist das Opus doch. Das Staunen will kein Ende nehmen. Lawinenverbauungen und Hangsicherungen (im Kapitel „Bergungen“) nimmt er ebenso in den unkonventionellen Blick wie Tunnel, Staudämme, Brücken, Apartments, Gletscher, Gipfel, Nordwände: Natürlich die des Eiger, 1938 erstmals durchstiegen, die des Piz Badile im Bergell (1937), die sich über 1200 Meter hinziehende des Matterhorn (1931). Am Anfang, am Ende, stehen Essays, zweisprachig gehalten, von Tom Dauer und Sophia Greiff. Über das Leben außerhalb der (bis auf eine Aufnahme menschenleeren) Bilder, über schweres Gepäck (Unverzart ist mit Plattenkamera unterwegs), die Erfahrung der Landschaft, die Meister der Hochgebirgsmalerei (Caspar Wolf, den gerade das Kunstmuseum Basel bringt, später William Turner) und der Bergphotographie (Jules Beck, Vittorio Sella). Man greiffe (sic!) zu, und zwar unverzart (abermals: sic!). NB: Im Depot der oechsner galerie Nürnberg sind Unverzarts Arbeiten jederzeit zu besichtigen.

 

Olaf Unverzart, ALP. Mit Wortbeiträgen von Tom Dauer und Sophia Greiff. München: Prestel, 2014. 192 Seiten, 90 Abbildungen. 45 Euro.

Jürgen Gräßer
26.11.2014

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