Brazil

Stacey Kent und Quatuor Ébène (Erato)

Brazil

Nicht erst seit Katja Ebsteins Grand-Prix-Erfolg von 1970 (den sie selbigen Jahres noch in fünf weiteren Sprachen aufnahm, etwa, gen Italien gerichtet, als „Nella strada del mio cuore“ und, nach Paris, als „Un miracle peut arriver“) weiß man, dass es doch immer wieder Wunder gibt. Im internationalen Musikbetrieb zum Beispiel dann, wenn sich bedeutende Künstler zusammentun um, frei von Repertoiregrenzen, das zu tun, was ihnen Spaß macht. Man probiert etwas Neues, begibt sich auf eine musikalische Abenteuerreise. Eine solche „Magical Mystery Tour“ hat nun das französische Streichquartett Quatuor Ébène vorgelegt, das für seine Wanderungen abseits von Schubert, Haydn, Debussy bekannt ist und sich flugs in eine Jazzband verwandeln kann. Auf „Brazil“ lässt sich das nachhören. Mit ins Boot haben sich die Vier Stacey Kent geholt, die stimmlich phänomenal wandelbare Amerikanerin mit akzentfreiem Französisch. Und Portugiesisch. „Aguas de Março“ feiert Kent mit Bossa-Nova-Legende Marcos Valle im Duett. Das eröffnende „O’gringo“ bringt Chansonier Bernard Lavilliers wunderbar beschwingt, eine Einladung zum Tanz, der man nur zu gern und unmittelbar Folge leisten mag. So geht das weiter, Take um Take und Takt für Takt. Dreizehn tolle Titel lang. „Brazil“ versprüht lateinamerikanische Lebensfreude pur. Charlie Chaplin, zart-balladesk ausphrasiert, schenkt uns, Kent sei’s gedankt, ein „Smile“, und mit ihr und mit dem Quatuor, Ébène, stimmen wir ein: „So nice“!

Jürgen Gräßer
26.11.2014

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