Sein und Zeit und Raum – „I tempi doppi“

Tatiana Trouvé in der Kunsthalle Nürnberg

Sein und Zeit und Raum – „I tempi doppi“

 Mit der Relation von Raum und Zeit, auch mit der jeweils vorhandenen Architektur, spielt in ihren Mixed-Media-Arbeiten und Installationen Tatiana Trouvé. Bis zum zweiten Februarsonntag, dem 8. Februar 2015, wird die Kunsthalle Nürnberg quasi zu Trouvés Tatort. „I tempi doppi“ nennt sich die in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Museion Bozen entstandene Einzelausstellung der in Paris lebenden Künstlerin. 

 

Mit ihren Objekten greift die Künstlerin in den vorgegebenen Ausstellungsraum ein. Für jede der drei Stationen von „I tempi doppi“, also für Bozen, für Bonn, für Nürnberg, hat Trouvé einen individuellen poetisch aufgeladenen Parcours geschaffen. In der Kunsthalle stehen Bronzeskulpturen (von denen einige „I tempi doppi“ betitelt sind) aus unterschiedlichen Werkphasen im Mittelpunkt. Der Titel der Ausstellung verweist laut Mittteilung des in der Lorenzer Straße 32 angesiedelten Hauses auf „doppelte, einander überschneidende und bisweilen widersprüchliche Erfahrungen von Zeitlichkeit.“

 

Unter diesen Zeitlichkeitserfahren zu finden sind beispielsweise die „Erinnerung an alltägliche Dinge wie etwa Keile oder Transportkisten und ihre rätselhafte Gegenwart als Objekte und Skulpturen im Ausstellungsraum; das Ewigkeitsversprechen von Kunstwerken, insbesondere in Materialien wie Bronze und die Vergänglichkeit der nur für kurze Zeit existierenden Installationen und Interventionen“; schließlich die „sinnlichen Erfahrungen des Ausstellungsbesuchers und seine zukünftige Erinnerung daran“. Bronzene Rohre, die an ihren Enden mit zwei Glühlampen bestückt sind, deren eine leuchtet, die andere aber nicht, Bronzerohre also werfen mit großen ungelenken Bewegungen Formen in den Raum.

 

Trouvé spielt, wie Ellen Seifermann, die seit 1999 als Direktorin der Kunsthalle vorsteht und die aktuelle Ausstellung kuratiert hat, am Beispiel der Arbeit „Prepared Space“ erläutert, mit „Materialitäten und Täuschungen, auch mit riesigen Proportionen“. Bei „Prepared Space“ (2014) handelt sich um einen vollkommen weißen Raum, der „durchzogen wird von filigranen Linien, die von einer Wand zur anderen quer über den Boden“ reichen, „wie eine Zeichnung in den Raum, nur dass diese Zeichnung hier mittels Säge entstanden ist“. Kleine Keile sind in die Linien eingeklopft, „Keile, die teilweise auch wieder Verkörperungen sind“, wie Trouvé das nenne, nämlich „Abgüsse in Bronze von ganz normalen Holzkeilen wie sie im Alltag beim Aufbau verwendet werden“. Der Ausstellungsbesucher befindet sich quasi in einer Zeichnung innerhalb eines großen Raumes, der ihn umfängt, wie „Akteure auf einer Bühne“, so Seifermann. Ältere Installationen Trouvés wurden für die Kunsthalle adaptiert, auf sie zugeschnitten oder in einen anderen Zusammenhang gestellt und neu aufgebaut.

 

Tatiana Trouvé wurde 1968 in Cosenza (Italien) geboren, der Hauptstadt der Provinz Kalabrien. Aufgewachsen ist sie im Senegal, in den Niederlanden und im Süden Frankreichs, wo sie in Nizza studierte. Mit ihren Arbeiten war Trouvé, die inzwischen in der französischen Kapitale zuhause ist, auf den Biennalen in Venedig (2007) und São Paulo (2010) vertreten. Aber auch in Nürnberg kennt man sie bereits, wo Trouvé an der Ausstellung 30 Künstler/30 Räume (2012) in der Kunsthalle beteiligt war. 2007 wurde sie mit dem Prix Marcel Duchamp bedacht.

 

Im Kölner Snoeck Verlag ist zur Ausstellungsreihe „I tempi doppi“ ein umfangreicher zweisprachig gehaltener Katalog herausgekommen, der von der Kunsthalle Nürnberg gemeinsam mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Museion Bozen ediert wurde. Der Band versammelt zahlreiche Abbildungen, außerdem Textbeiträge von Stefan Gronert, Barbara Hess und Letizia Ragaglia sowie etliche Interviews und Gespräche mit der Künstlerin selbst (Katalogpreis 39,80 Euro, während der Ausstellungszeit in der Kunsthalle 29,00 Euro).

 

Weitere Informationen zur bis zum 8. Februar laufenden Ausstellung:

 

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 Uhr bis18 Uhr, Mittwoch 10 Uhr bis 20 Uhr, montags geschlossen

Adresse: Kunsthalle Nürnberg, Lorenzer Straße 32, 90402 Nürnberg

Eintrittspreise:  Erwachsene: 5 Euro, Ermäßigung: 2,50 Euro, Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr: freier Eintritt

Mittwochs 18 Uhr bis 20 Uhr freier Eintritt

Webseite: http://www.kunstkulturquartier.de/kunsthalle/ausstellungen/aktuell/

Fotos © Tatiana Trouvé, Annette Kradisch, Kunsthalle Nürberg und VG Bild-Kunst Bonn

Jürgen Gräßer
08.12.2014

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