„Rule Britannia“ – Bamberg im musikalischen England-Fieber

Von März bis Mai wird es in Bamberg erstmals „Tage der Britischen Musik“ geben

„Rule Britannia“ – Bamberg im musikalischen England-Fieber

 Auch in der Musikstadt Bamberg, die von den Bamberger Symphonikern/Bayerische Staatsphilharmonie geprägt wird, aber darüber hinaus über eine reiche Musikszene verfügt, gibt es noch weiße Flecken auf der Landkarte des musikalischen Repertoires. Englische Musik – oder sagen wir lieber korrekter: Britische Musik – kommt eher selten vor, obwohl doch mit Jonathan Nott ein Engländer am Dirigentenpult der Bamberger Symphoniker steht und mit James Loughran ein weiterer Landsmann zu den Vorgängern gehörte.

Zwar kümmerte sich auf dem Gebiet der Alten Musik das in Bamberg beheimatete Spezialensemble der „Musica Canterey“ schon oft um die Werke Henry Purcells und steht mit Domkapellmeister Werner Pees ein Musiker an der Spitze der Dommusik, der regen Austausch mit der englischen Musikszene pflegt und darüber hinaus ein ausgesprochener Benjamin-Britten-Fan ist, aber es bleibt auf manchen Gebieten der Musik Großbritanniens noch einiger Nachholbedarf.

Dazu zählt u.a. das bei uns weitgehend unbekannte Oeuvre Arthur Sullivans, das in England seit jeher populär ist. Sullivan gilt als der herausragende britische Komponist des 19. Jahrhunderts, und seine komischen Opern gehören bis heute zum Standardrepertoire in der englischsprachigen Welt. Insofern nimmt es kaum Wunder, dass sein Leben und Werk bei Bambergs Tagen der Britischen Musik einen Schwerpunkt bilden wird. Auch die Deutsche Sullivan-Gesellschaft wird zugegen sein.

Die Initiative zu diesem Festival ging vom Bamberger Universitätsprofessor (und nebenberuflichen Operettenfachmann) Albert Gier und von Meinhard Saremba aus, einem Mannheimer Forscher, Autor und Impresario, der es verstand, wesentliche Akteure des Bamberger Musiklebens für dieses Projekt unter einen Hut zu bringen. Dieses wird sich über eine Woche im März sowie über zwei Wochenenden im April und Mai erstrecken. Dreh- und Angelpunkt ist ein Konzert der Bamberger Symphoniker, bei dem niemand Geringeres als Sir Roger Norrington Werke von Michael Tippet, Benjamin Britten und Ralph Vaughan Williams dirigieren wird (am Samstag, 14. März um 20.00 Uhr in der Konzerthalle). Unter anderem wird Ralph Vaughan Williams’ in den Jahren 1938 bis 1943 entstandene 5. Symphonie erstmals in Bamberg aufgeführt. Als Auftakt zu diesem Konzert findet zwei Tage zuvor ein Podiumsgespräch statt, an dem neben Roger Norrington auch der Chefdramaturg der Frankfurter Oper, Norbert Abels, sowie der Pianist und Dirigent Florian Csizmadia und Meinhard Saremba teilnehmen werden (Altes E-Werk, Donnerstag, 12. März, 20.00 Uhr). Musikalisch wird diese Veranstaltung umrahmt durch Ensembles der Städtischen Musikschule.

Zwei weitere Konzerte mit Chor- und Kammermusik komplettieren den Veranstaltungszyklus im März. Am Freitag, 13. März, gibt es um 20.00 Uhr in der Johanneskapelle Kammermusik von Gustav Holst, Herbert Howells, Arthur Bliss und Ivor Gurney zu hören, Interpreten sind der Geiger Rupert Marshall-Luck und Matthew Rickard am Flügel. Ebenfalls in der Johanniskapelle erklingt zwei Tage später, also am Sonntag, 15. März, Chormusik aus Großbritannien, die einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten umfasst. Es singt das Ensemble „Vocalis“ aus Frankfurt unter der Leitung von Robert Doveton. Dieses Konzert beginnt bereits um 17.00 Uhr.

Nach diesem ersten Akt der „Tage der Britischen Musik in Bamberg“ wird es im April weitergehen mit Chor- und Kammerkonzerten, Vorträgen und einer Edward Elgars Oratorium „The Dream of Gerontius“ gewidmeten Filmvorführung. Dieses Wochenende konzentriert sich im Wesentlichen auf das Werk Edward Elgars. Der Ausklang des Festivals ist für das Wochenende am 9. und 10. Mai geplant. Wir werden darüber in der nächsten Ausgabe von art5drei noch genauer berichten. Dienliche Informationen können bereits vorab über die Webseiten www.britannia-in-bamberg.com und www.deutschesullivangesellschaft.de abgerufen werden.

Die Geigerin Maja Hunziker, Foto © Maja Hunziker / Der Bariton Christopher Foster, Foto © Christopher Foster / Der Geiger Rupert Marshall-Luck, Foto © Em Marshall-Luck / Orchester Ventuno, Foto © fotograf-in.de

Martin Köhl
03.02.2015

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