Männerquintett plus Frau und die „Musica Nova“

„Singer Pur“, das gefeierte Gesangssextett mit dem anspielungsreichen Namen, wird in Erlangen gastieren

Männerquintett plus Frau und die „Musica Nova“

 Im März werden sie wieder mal im Fränkischen sein, genauer gesagt im bezaubernden Ambiente des Wassersaales der Erlanger Orangerie. „Singer Pur“, das experimentierfreudige Ensemble mit seiner starken Verwurzelung bei den Regensburger Domspatzen, wird dort quasi die Frucht seiner letztjährigen CD-Bemühungen um das Madrigalschaffen Adrian Willaerts vorstellen, ergänzt von Motetten aus der Sammlung „Musica Nova“. Diesem Komponisten und seinem Umfeld hatte das Sextett bis 2013 ein viel beachtetes und groß angelegtes Aufnahme-Projekt gewidmet, das nun auf einer Doppel- sowie einer Tripel-CD vorliegt und weitgehend Erstaufnahmen darstellt. So speziell oder sogar hochspezialisiert das klingen mag, so sehr täuscht man sich, wenn man diese zu den besten Gesangsensembles Deutschlands zählende Formation auf die Pflege der Alten Musik beschränkt wissen wollte. Ihr Repertoire reicht nämlich von der Musik des Mittelalters bis hin zu zeitgenössischen Werken, von geistlicher Musik bis zum Volkslied und zum Jazz.

Neben ihrem künstlerischen Niveau ist es die Lust am Ausprobieren, die bei „Singer Pur“ stets originelle Programme garantiert. Das ist wohl auch der Grund, warum dem Ensemble von Komponisten viele neue Werke und Bearbeitungen gewidmet werden. Zusätzlich zu den „angestammten“ Werken à 6 gibt es solche, bei denen sich die Sänger mit Instrumentalisten oder anderen Gesangsensembles vereinen, z.B. mit dem Klarinettisten David Orlowsky, der MusikFabrik Köln (mit der zusammen die Uraufführung der „Vigilia“ von Wolfgang Rihm realisiert wurde) oder dem weltbekannten Hilliard-Ensemble (bis zu seiner Auflösung Ende 2014). Schon früh hat das Sextett mit seiner ungewöhnlichen Besetzung (Sopran, drei Tenöre, Bariton und Bass) Preise und Auszeichnungen ersungen, als deren Konsequenz es alsbald zu ausgedehnten Konzerttourneen in alle Welt eingeladen wurde.

Neben den Konzerten nimmt die Aufnahmetätigkeit einen breiten Raum ein. Rund 25 teils preisgekrönte CDs hat „Singer Pur“ bisher vorgelegt, die einen wesentlichen Teil der Bandbreite ihres Repertoires abbilden. Darunter sind so unterschiedliche Titel wie die Gesamtaufnahme der weltlichen Werke des Renaissance-Komponisten Jacobus Gallus oder das mit einem „ECHO“-Preis ausgezeichnete Album „SOS - Save our Songs“ mit für „Singer Pur“ neu arrangierten deutschen Volksliedern. Im Jahr 2011 erhielt das Ensemble für sein Programm „Jeremiah“ (mit David Orlowsky) bereits seinen dritten ECHO Klassik zugesprochen. 2012 schließlich kam mit „Singer Pur sings Sting“ die erste reine Pop-CD auf den Markt. Diese Einspielung ist eine Hommage an eine der herausragenden Musikergestalten der letzten 30 Jahre, den Sänger, Gitarristen, Dichter und Komponisten Gordon Sumner, der unter dem Namen „Sting“ berühmt wurde.

Neben Schallplattenpreisen wurden „Singer Pur“ auch andere Auszeichnungen zuteil, darunter 2008 der Kulturpreis der Stadt Regensburg, 2013 der erstmals vergebene „Bayerische Staatspreis für Musik“ und 2014 der Friedrich-Baur-Preis. Seit 2007 engagieren sich die Musiker für das Jugendprojekt „Rhapsodie in School“ und geben darüber hinaus auch regelmäßig Werkstattkurse für Jugendchöre oder Nach-wuchsensembles. Fragt sich nur noch, welche Bedeutung eigentlich die – wohl beabsichtigte – lautliche Nähe des Ensemblenamens „Singer Pur“ zu Singapur hat. Dieser Städtename leitet sich von den Sanskrit-Begriffen ‚simha’ (Löwe) und ‚puram’ (Stadt) ab. Nun ja, es ist wohl besser, über mögliche Interpretationen dieser Anspielung zu schweigen und sich auf das zu freuen, was die sechs Künstler am besten können: singen pur, zum Beispiel am 9. März in Erlangen!

Ensemblebesetzung: Claudia Reinhard, Klaus Wenk, Markus Zapp, Manuel Warwitz, Reiner Schneider-Waterberg, Marcus Schmidl, Foto © Markus Amon

Martin Köhl
03.02.2015

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