Mozart, Beethoven und Wagner im Kino

Klassik im Nürnberger Cinecittà

Mozart, Beethoven  und Wagner im Kino

 Filmfreunde wie solche der Oper und der klassischen Musik dürfen sich auf die kommenden Wochen freuen. Das Nürnberger Cinecittà am Gewerbemuseumsplatz 3 – mit insgesamt zweiundzwanzig Sälen und knapp 5000 Plätzen übrigens eines der größten Kinozentren auf dem europäischen Kontinent – überträgt erstklassig besetzte Aufführungen sowie ein Konzert allerersten Ranges.

Zäumen wir das Pferd von hinten auf: Am 6. März, mithin zwei Tage nach seinem sechsundachtzigsten Geburtstag, steht, von 19.30 Uhr an, Bernhard Haitink in einem reinen Beethoven-Programm in der Berliner Philharmonie am Pult. Seine Musikerlaufbahn begann der Niederländer als Geiger, ehe er bei Ferdinand Leitner Dirigierkurse besuchte. 1956 sprang er ganz kurzfristig für den erkrankten Großmaestro Carlo Maria Giulini ein und leitete das Koninklijk Concertgebouworkest seiner Heimatstadt, das vielen als bestes der Welt gilt, mit so großem Erfolg, dass ihn der Amsterdamer Hochglanz-Klangkörper alsbald zu seinem ersten und 1961 zu seinem Chefdirigenten berief. Diesen Posten sollte Haitink bis 1988 halten.

Bei den Berliner Philharmonikern gab er sein Debüt im März 1964 ebenfalls mit einem ausschließlich Beethoven geltenden Programm. Damals war Claudio Arrau Solist im Ersten und im Fünften Klavierkonzert, jetzt hört die Solistin des im Herbst 1806 komponierten Violinkonzertes D-Dur op. 61 auf den Namen Isabelle Faust. Die 1972 in Esslingen geborene, vielfach mit Preisen bedachte Geigerin hat in den vergangenen Jahren besonders eng mit Claudio Abbado zusammengearbeitet, mit dem und mit dessen Orchestra Mozart sie beispielsweise das Beethoven-Konzert aufgenommen hat. Faust wird gerühmt für ihre Leidenschaft und für ihren natürlichen, unmittelbaren Zugang zur Musik, der sie zum Wesentlichen der Werke vordingen lässt.

Sie spielt auf der „Dornröschen“-Stradivari von 1704, die, wie Faust sagt, vorzüglich für das Opus 61 geeignet ist: „Wenn ich ein ideales Stück herauspicken sollte, wäre es Beethovens Violinkonzert. Leichtfüßige, sehr hell strahlende Musik, nichts, was zu erdig klingt. An ihren besten Tagen hat diese Geige eine unglaubliche Leuchtkraft, sehr silbrig-golden. Der sehr helle Beethoven-Klang kommt auch mir selbst sehr entgegen, das ist mit meiner Natur und meinen Emotionen gut zu vereinbaren.“ Zum Ausklang der Direktübertragung aus der Berliner Philharmonie erklingt mit der Pastorale eine von Beethovens beliebtesten Symphonien.

Am 24. Februar steht „Der Fliegende Holländer“ an, also Wagners erste große Oper. Zu erleben ist eine Inszenierung am Royal Opera House Covent Garden, für die Tim Albery gesorgt hat. Albery hat für seine so dramatische wie dunkle Regiearbeit viel Lob erfahren. Sie ist zugeschneidert auf die Titelfigur, die der großartige walisische Bass-Bariton Bryn Terfel verkörpert. An Terfels Seite wird die kanadische Sopranistin Adrianne Pieczonka die Senta geben, der aus Mutlangen gebürtige Tenor Michael König ist in der Rolle des Jägers Erik zu erleben.

Am Pult steht im Übrigen der derzeit vielleicht angesagteste Dirigent überhaupt, Andris Nelsons. 1978 in Riga geboren, ging Nelsons wie so viele aus Jorma Panulas Talentschmiede an der Sibelius-Akademie in Helsinki hervor. Der Lette ist seit dieser Spielzeit Chef des Boston Symphony Orchestra und dürfte zu den vorderen Kandidaten um die Nachfolge von Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern zählen. Auch hat er von dem im Januar 2014 verstorbenen Claudio Abbado die Leitung des Lucerne Festival Orchestra übernommen. Ein von den Sängern über das Orchester bis zum Dirigenten und der Inszenierung gelungener Kinoopernabend dürfte mithin fast garantiert sein.

Wer es mit Wagner nicht so hat, dem sei Mozarts „Don Giovanni“ empfohlen. Das 1787 im Prager Nationaltheater uraufgeführte Dramma giocoso in zwei Akten steht am 5. Februar in der Pariser Opéra Bastille auf dem Spielplan. Für die längst legendäre Inszenierung zeichnet der österreichische (Film-)Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke, der 2013 für „Liebe“ einen Oscar bekam, verantwortlich. Am Pult steht Alain Altinoglu, dessen Vornamensvetter Duault die Direktübertragung moderieren wird.

Der aus Montevideo gebürtige Bassbariton Erwin Schrott, einst mit Anna Netrebko verbandelt, ist in der Titelrolle zu erleben, Tatiana Lisnic (Sopran) singt die Donna Anna, der lyrische Tenor Stefan Pop den Don Otavio, die Sopranistin Marie-Adeline Henry die Donna Elvira. Bei der Prager Premiere des „Don Giovanni“ soll, nebenbei, noch ein zweiter Verführer vor dem Herrn zugegen gewesen sein: Giacomo Casanova. Und für Cineasten sei noch festgehalten, dass der Don-Giovanni-Stoff selbstverständlich mehrfach verfilmt worden ist. Man denke an Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ von 2005 oder an Carlos Sauras „Io, Don Giovanni“ (2009). Sauras Film handelt von Mozarts Librettisten, Lorenzo da Ponte.

Don Giovanni, Foto © Opera National de Paris, Charles Duprat

Zur weiteren Information:

 

http://www.cinecitta.de/events/klassik-im-kino

Jürgen Gräßer
03.02.2015

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