500 Jahre Lucas Cranach der Jüngere

500 Jahre Lucas Cranach der Jüngere

 Lucas Chranach d. Ä. (1472 – 1553) werden die meisten unserer Leser kennen, gilt er doch, neben Albrecht Dürer, als der herausragende Maler der Renaissance. Allerdings steht sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere (1515 – 1586) in diesem Jahr im Zentrum der kunst- und kulturinteressierten Öffentlichkeit. Mit der Landesausstellung Sachsen-Anhalts „Cranach der Jüngere 2015“, die sich vom 26. Juni bis zum 1. November und auf die Städte Wittenberg, Dessau und Wörlitz erstreckt, würdigen gleich mehrere Bundesländer das Leben und Wirken des jüngsten Cranach Sprosses. Der „Cranach-Städte“ gibt es viele und so verwundert es auch nicht, dass sozusagen in einer konzertierten Aktion Lucas Cranach d. J. gehuldigt wird.

Insgesamt 12 Städte in Bayern (hier würden wir wohl besser „Nordoberfranken“ schreiben), Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt teilen sich die Aufgabe, das Publikum mit dem weniger bekannten Namensträger vertraut zu machen. Dabei geht es auch darum, den jüngeren Cranach als Ganzes darszustellen und sich nicht ausschließlich auf den künstlerischen Aspekt seiner Persönlichkeit zu fokussieren, denn wie schon sein Vater vor ihm, war Lucas Cranach d. J. ein anerkannter Lokalpolitiker und geschätzter Unternehmer. Am 4. Oktober 1515 in Wittenberg geboren, erlernt er von seinem Vater zunächst die Kunst der Malerei. 1537, im Alter von 22 Jahren, übernimmt er die Verantwortung für die väterliche Werkstatt und tritt ab diesem Zeitpunkt auch nach außen als eigenständiger Künstler auf. Ganz dem Beispiel seines Vaters folgend, übernimmt er in den kommenden Jahren in seiner Geburtsstadt große politische Verantwortung, die ihn letztlich auch bis in das Amt des Bürgermeisters von Wittenberg führt. Aufgrund der Verwicklung seines Schwagers Christian Brück in die sogenannten „Grumbachschen Händel“ gibt er alle Ämter auf und widmet sich seither ausschließlich der Kunst. Bis zu seinem Tod im Jahre 1586 erschafft der Vater von insgesamt neun Kindern aus zwei Ehen mehr als 60 bedeutende Werke und kann damit durchaus, wie sein Vater auch, als bedeutender Künstler der Renaissance angesehen werden.

Neben der bereits erwähnten Landesausstellung Sachsen-Anhalt, die erst im Juni ihre Pforten öffnet und die das Zentrum der Cranachschen Informationspolitik darstellt, gibt es bereits ab März einige interessante Ausstellungen in den vorab genannten Orten, die wir Ihnen an dieser Stelle ans Herz legen wollen.

Fränkische Meister von Spätgotik bis Renaissance und der Weg zu Cranachs Kunst

Die Fränkische Galerie ist ein Zweigmuseum des Bayrischen Nationalmuseums in München und vereint in 25 Sälen Meisterwerke der Spätgotik und Renaissance. 2014 erfuhr die Fränkische Galerie eine umfassende Modernisierung. Eine neue Hängung, neue Leihgaben und ein neues Beleuchtungssystem verleihen dem Museum neuen Glanz. Ein eigener Cranach-Saal widmet sich dem Werk der Maler-Familie Cranach.

Fränkische Galerie
Festung Rosenberg
Festung 1
96317 Kronach

01. März bis 31. Oktober 2015
Öffnungszeiten: März – Oktober
Infos: Tel. 09261 - 60410

Kunst – Religion –
Politik. Bilder und ihre Funktion im Wandel

Neupräsentation der altdeutschen Kunst mit Werken Lucas Cranachs im Kontext der Kunst vom späten 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert.

Die neue Dauerausstellung erzählt vom Bildgebrauch am Ende des Spätmittelalters, von neuen Themen, die durch den Humanismus, die Reformation und durch den Kulturtransfer zu Beginn des 16. Jahrhunderts aufkamen. Sie veranschaulicht Motivwandel und Motivtradition, gibt Beispiele für die Funktion von Portraits in Adel und Bürgertum und zeigt schließlich den Wandel einer Herrschaft im Spiegel von Kunst und Kunsthandwerk von Kurfürst Friedrich dem Weisen über Johann Friedrich den Großmütigen bis zu Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg. Einen Schwerpunkt der Neupräsentation bildet die Cranach-Sammlung der Veste Coburg. Die zwanzig qualitätvollsten Werke aus der fast 40 Gemälde umfassenden Sammlung von Cranach Vater und Sohn, ihrer Werkstatt und ihrer Schule werden in der Neupräsentation zu sehen sein. Eine Medieninstallation in der Großen Hofstube ruft Cranachs Wirken auf der Veste schlaglichtartig in Erinnerung.

Kunstsammlungen Veste Coburg
96450 Coburg

Ab 27. März 2015
Öffnungszeiten:
täglich 09:30– 17:00 Uhr

Cranachs Graphik -
Neue Narrative im Zeichen der Schlange

Im Schaffen Lucas Cranachs d. Ä. und seiner Werkstatt spielt die Graphik zeitweise eine hoch bedeutende Rolle als Experimentierfeld für neue Ausdrucksformen. Dramatische Gesten, eigenwillige Begleitmotive und Nebenszenen kennzeichnen die Blätter. Eine neue Erzählweise schlägt sich auch im Umgang mit der Darstellung der Landschaft nieder, ebenso eigenwillig ist die Darstellung von Turnieren im dichten Gedränge. Mit der konsequenten Verwendung der Schlangensignatur und der Wappen ihrer kursächsischen Auftraggeber läutete die Cranach-Werkstatt das Kapitel einer höchst modern anmutenden Ausbildung von „Corporate Identity“ ein. Zur Formulierung von Luthers „Image“ trugen Cranachs Graphiken, von denen Coburg seltene Beispiele besitzt, entscheidend bei. Die Ausstellung widmet sich auch der Graphik Cranachs d. J. und thematisiert das Nachleben dieser Graphik, die zu ihrer Entstehungszeit häufig nur in kleinen Auflagen gedruckt, bis in das 17. Jahrhundert hinein in Nachdrucken von den Holzstöcken weiterlebte.

Kunstsammlungen Veste Coburg
96450 Coburg

27. März bis 31. Mai 2015
Öffnungszeiten:
täglich 09:30– 17:00 Uhr

Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation

Innerhalb der Lutherdekade bietet der 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren Gelegenheit, in die frühe Neuzeit und den Beginn der Reformation einzutauchen. Schwerpunkt der großen Sonderaustellung im Herzoglichen Museum Gotha wird die öffentliche Wirksamkeit der Cranach-Werkstatt im Dienste der Kurfürsten von Sachsen und der Reformation sein. Dabei soll gezeigt werden, wie politische Botschaften des ernestinischen Herrscherhauses und die Lehren Luthers verbildlicht wurden. Die äußerst produktive Cranach-Werkstatt entwickelte hierfür neue Bildkonzepte, die vor dem Hintergrund der politischen und geistigen Veränderungen eine nachhaltige Wirkung entfaltet haben. Anhand ausgewählter Spitzenwerke aus internationalen Sammlungen wird die Produktivität und Innovationskaft der cranachschen Kunst dem Besucher deutlich vor Augen geführt. Ein spannender Blick auf eine frühe Form der »Bildpropaganda«, die einen neuen Blick auf die altdeutsche Malerei erlaubt.

Herzogliches Museum Gotha
Parkallee 15
99867 Gotha

29. März bis 19. Juli 2015
Öffnungszeiten:
täglich 10:00– 17:00 Uhr

Cranach malt für den Dom zu Meißen

Meißen an der Elbe hatte zur Zeit Cranachs gegenüber der wettinischen Residenzstadt Dresden an Bedeutung verloren, blieb aber Sitz eines evangelischen Domkapitels. Die Wettiner, seit 1089 mit der Markgrafschaft Meißen belehnt, förderten nicht nur den Bau des gotischen Domes, sondern ließen ab 1415 vor dem Westportal eine Begräbnisstätte errichten und auf das Kostbarste ausstatten. Die Grabplatte Friedrichs von Sachsen in der Fürstenkapelle, die den 1510 gestorbenen Herzog als Hochmeister des Deutschen Ordens zeigt, wurde in der Werkstatt Peter Vischers d. Ä. in Nürnberg gegossen. Sie lässt eine Vorzeichnung von Lukas Cranach vermuten und wäre somit die älteste Spur des Meisters in Meißen.

Das erste sicher nachweisbare Werk aus der Cranachwerkstatt ist das Retabel des Kreuzaltars im Dom, das seit seiner Aufstellung 1526 den Laienaltar vor dem Lettner bis heute schmückt. Herzog Georg, der am katholischen Glauben festhielt, ließ für sich und seine 1534 verstorbene Frau Barbara am Dom eine kleine Nebenkapelle errichten und mit einem von Lukas Cranach d. Ä. gemalten Triptychon ausstatten. Man hat sich später gewundert, dass “der Schöpfer der Lutherischen Bildsprache“ einen Auftrag vom „Fels der Altgläubigen“ entgegennahm, dass der Hofmaler des protestantischen Kurfürsten für den “Gegner der Reformation“ arbeitete. Wie man heute weiß, entsprach dies durchaus der herausragenden Stellung des Künstlers Cranach und der dienenden Funktion der Kunst in dieser Zeit.

Im Zuge der Einrichtung eines kleinen Dommuseums kamen im Jahre 2000 weitere Cranachwerke nach Meißen. Genannt werden sollen hier das großformatige Bildnis des Hans von Lindenau, die Bildnisse der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon, sowie ein kleines Bildnis des Kurfürsten Friedrich des Weisen, allesamt Werke von Lukas Cranach dem Jüngeren.

HOCHSTIFT Meissen
Dommuseum
Domplatz 7
01662 Meißen

ganzjährig
Öffnungszeiten:
April bis Oktober:
Montag bis Sonntag,
09:00 bis 18:00 Uhr
November bis März:
Montag bis Sonntag,
10:00 bis 16:00 Uhr

Fränkische Galerie, Fotos (c) Achim Bühler, Concept Visuell / Verdamnis und Erlösung, Foto (c) Stiftung Schloss Friedenstein / Hochschnitt Meissen (Ausschnitt), Foto (c) Udo Pellmann - Freital/Dresden


03.02.2015

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