Zauber der Romantik, Cello und Klavier

Karlheinz Busch und Wilfried Günther (BLR Records)

Zauber der Romantik, Cello und Klavier

 „Am Anfang war die Nacht Musik“ – dieser Titel schmeckt unmittelbar nach dem Zauber der Romantik. Alissa Walser, die zweitjüngste der vier allesamt in den Künsten tätigen Martin-Walser-Töchter, hat so ihren 2010 bei Piper herausgekommenen Debütroman genannt, der von dem (angeblichen) Wunderdoktor, Magnetiseur und Musikfreund (Mozart, Vater und Sohn, Haydn, Gluck waren mit ihm bekannt) Franz Anton Mesmer und der bereits als Kleinkind erblindeten Pianistin und Komponistin Maria Theresia (von) Paradis erzählt, und zu dessen Lektüre nur zu raten ist. Ein Thema im Übrigen, dessen sich auch Julian Barnes angenommen hat, in einer der vierzehn Kurzgeschichten, „Harmony“ geheißen, die sich in seiner Sammlung „Pulse“, von 2011, finden.

 

Der Großteil der paradisschen Kompositionen ist verlorengegangen; erhalten aber hat sich die in der Originalfassung für Violine und Klavier bestimmte Sicilienne, wobei deren Autorschaft umstritten ist. Im punktierten, sanft sich wiegenden Sechsachteltakt stehend und mit tief-behutsamer Musikalität (also beispielsweise frei von gerade bei solchen Schmankerln und Schmachtfetzen sonst gern eingesetztem exzessivem Dauervibrato) von Karlheinz Busch und Wilfried Günther dargeboten, gerät sie zu einem Ohrwurm, wie er im Notenbuche steht. Auch die große britische Cellistin Jacqueline du Pré, im Oktober 1987 mit zweiundvierzig Jahren in London verstorben, hat, nebenbei, die Sicilienne gern und einfühlsam gespielt.

 

Dem „Zauber der Romantik“ lässt sich auf dieser erst vor wenigen Wochen erschienenen, aber bereits im Januar 2004 (an Mozarts Geburtstag) aufgenommener CD nachspüren. Da darf ein Lied ohne Worte, in diesem Falle das in D-Dur, op. 109, von Felix Mendelssohn Bartholdy genauso wenig fehlen wie die nahezu ubiquitäre Vocalise op. 34 Nr. 14 aus der Feder von Sergei Rachmaninow, im Original für Stimme (wahlweise Sopran oder Tenor) und Klavier vorgesehen. Weil dem Violoncello gerade die kantablen Linien zueigen sind, weil ihm das Melancholisch-Meditative auf den Leib geschrieben zu sein scheint, ist auch Charles Gounods „Ave Maria“ und das elegische „Après un rêve“ von Gabriel Fauré vertreten. Mendelssohn Bartholdys D-Dur-Sonate op. 58 erlaubt es Busch, sein waches und, zumal im finalen Molto allegro e vivace, virtuoses Spiel auszustellen.

 

Karlheinz Busch hat, zunächst in Nürnberg, dann in München, Violoncello studiert und war nicht ganz vier Dekaden – bis 2010 – Cellist der Bamberger Symphoniker. Das Bamberger Streichquartett hat er gegründet, und auch das Trio Aureum (neben Busch Birgit Hablitzel, Violine, und Natalia Solotych, Klavier und Cembalo). Man kennt und schätzt ihn zudem als kenntnisreich-verschmitzten Moderator, als unermüdlichen Spiritus Rector verschiedener Konzertreihen, darunter etwa die der Litzendorfer Kerzenlicht-Konzerte. Überaus beachtens- und durchaus lobenswert ist weiters Buschs soziales Engagement. Gering zu nennen ist die Zahl seiner Benefizkonzerte nun gerade nicht. So hat er sich immer wieder für den Förderverein für psychisch kranke Menschen, FIDES, stark gemacht, auch im Konzert mit seinem Klavierbegleiter Wilfried Günther.

 

Günther war lange Jahre Chefarzt und Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bamberger Klinikum am Michelsberg. Unvergessen ist Günther aber nicht minder als Pianist (und angenehmer Gesprächspartner). Der Schüler von Gerhard Oppitz und Bundessieger im Fach Klavierbegleitung bei „Jugend musiziert“ verstarb, überraschend und zu früh, im Januar 2013. Sein sensibler Umgang mit achtundachtzig Tasten bewahrt diese Silberscheibe – ein bewegendes Memento mori.

 

Nachsatz: Das Gros der eingespielten Werke lässt sich am 22. Mai beim Pfingstfestival „Frühling in Schloss Seehof“ genießen. In der Orangerie musizieren von 19.30 Uhr an Karlheinz Busch und die Pianistin Beate Roux. Roux wird in diesem Jahr auch die Korrepetition der Sommer Oper Bamberg verantworten, bei welcher im Juni und Juli „Die Zauberflöte“ auf dem Programm und auf der Bühne stehen wird.

Jürgen Gräßer
03.03.2015

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