„DIFFERENT – IDENTICAL“ in Thüngersheim

Sylvia Peter, herman de vries und Martin J. Allen

„DIFFERENT – IDENTICAL“ in Thüngersheim

 Als europaweites Alleinstellungsmerkmal darf sich die Galerie Forum Botanische Kunst in der unterfränkischen Weinbaugemeinde Thüngersheim am Main auf die Fahnen schreiben, sich ausschließlich der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Pflanzenwelt anzunehmen. Vor jetzt sechs Jahren von der Malerin Sylvia Peter und ihrem Mann, dem Forstsachverständigen Michael Junginger, gegründet, vertritt die Galerie inzwischen gut sechs Handvoll Künstlerinnen und Künstler aus Großbritannien, etwa Angeline de Meester und Helga Crouch, aus Frankreich, so die 1977 in Paris geborene Photographin Rachel Querrien und Virginie Sueres, ebenfalls Photographin, ebenfalls an der Seine zuhause, aus den Vereinigten Staaten (Briony Morrow-Cribbs, die in den ländlichen Bergen Vermonts sich Radierungen und Zeichnungen verschrieben hat, einer Gegend, in welcher Carl Zuckmayer sich in den frühen Vierzigern als Farmer versuchte und der er seinen posthum 1996 herausgekommenen „Vermonter Roman“ gewidmet hat), sowie naturgemäß aus Deutschland, darunter die Bambergerin Monika Meinhart, der Kelheimer Maler Werner Wagner, der Offenbacher Photograph Robert Lichtenberg. Dieser setzt Blumen Models gleich in Szene. Vor allem der Frankfurter Palmengarten hat es ihm angetan.

 

An diesem Samstag, den 28. März, eröffnet um 14 Uhr die Ausstellung „DIFFERENT – IDENTICAL“ mit Arbeiten von Martin J. Allen, von Sylvia Peter und herman de vries. Letzter, der vom Mai bis in den November hinein die Niederlande auf der Biennale in Venedig vertreten wird, war es, der auf den Titel der Schau gekommen ist. Geboren im Sommer 1931 in Alkmaar, ist herman de vries seit 1970 in dem Weiler Eschenau zuhause. Er wollte in der „Primärrealität“ leben, unabhängig von der Kunstszene, von der im Englischen gern „the arty farty crowd“ genannten Gruppe, unabhängig also und seinen eigenen Weg gehend, in den mächtigen Wäldern, im Steigerwald, den er sein Atelier nennt, im Steigerwald mit seinen Bächen, Wiesen und Weiden.

 

de vries setzt sich, auch auf Reisen durch die weite Welt, mit Pflanzen auseinander, die auf die Psyche wirken, arbeitet mit Fundstücken aus der Natur, auch mit Orten und Worten, die er beispielsweise in Felswände eingraviert und vergoldet. Martin J. Allen lebt im Norden Yorkshires, an der Grenze zu Schottland, wo er sich für den Erhalt alter Blumenwiesen und in weiteren Umweltprojekten engagiert. 1992 begann er, in der Folge einer Krankheit, Pflanzen zu zeichnen. In seinen Aquarellen hält er insbesondere Knospen fest.

 

Sylvia Peter schließlich ist in Mauerstetten im östlichen Allgäu großgeworden. Ergriffen von der Flora und geprägt von der Umweltschutzbewegung der Achtziger, begann sie damit, Heilkräuter zu bestimmen, zu sammeln, zu trocknen. Nach einer Lehre zur Glas- und Porzellanmalerin hat Peter an der Kunsthochschule Halle auf Burg Giebichenstein freie Malerei studiert. Erst nach dem Studium, als sie sich wieder ins Allgäu zurückgezogen hatte, entdeckte sie für sich die Pflanzenwelt als Thema ihrer Kunst. Sie suche, sagt sie, die „Schönheit im Unscheinbaren“. Die „am Wegrand gefundenen Wildblumen, Gräser und Zweige“ seien ihr „Anlass genug für ein Gemälde“, die Pflanzenmalerei ihre Art, einer „konkreten Wirklichkeit nachzuspüren, die sie um sich herum“ wahrnehme.

 

Michael Junginger und Egon A. Stumpf werden bei der Vernissage einführende Worte sprechen, Ute-Katharina Bocklenberg Blockflöte spielen. Vielleicht, wer weiß, „Unheimlisches Zwitschern in den Bäumen“, „Vogelruf in der Frühe“ oder „Vergilbtes Notenblatt, vom Vogel aufgepickt“, allesamt aus der Feder von Konrad Lechner. Somit spielte auch die Fauna mit in die Ausstellung „DIFFERENT – IDENTICAL“ hinein, die im Übrigen vom 12. April an in der Galerie im Saal in Eschenau eine Fortsetzung finden wird. Dazu womöglich ein anderes Mal mehr.

 

Fotos © Sylvia Peter, herman de vries, Martin J. Allen und susanne de vries

Jürgen Gräßer
27.03.2015

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