Monet und die Geburt des Impressionismus

Großartige Sonderausstellung im Frankfurter Städel

Monet und die Geburt des Impressionismus

Teils von Weltruf sind die Leihgaben, mit der das Frankfurter Museum Städel in seiner vom 11. März bis zum 21. Juni währenden, „Monet und die Geburt des Impressionismus“ geheißenen Sonderausstellung aufwarten kann. Vom Hudson River, aus dem Metropolitan Museum of Art, den Weg an den Main gefunden hat „La Grenouillère“ (1869), und von der Seine, aus dem Musée d’Orsay, kommen das um 1873 entstandene „Mittagessen: dekorative Tafel“ wie auch „Camille auf dem Totenbett“ von 1879. Zweifelsohne ist diese Ausstellung zu den Höhepunkten der Feierlichkeiten rund um die zwei Jahrhunderte zu zählen, die das Städel Museum besteht.

 

Es war der Frankfurter Bankier und Mäzen Johann Friedrich Städel, der in seinem auf den 15. März 1815 datierten Testament bestimmte, dass mittels einer Stiftung sowohl eine öffentliche Kunstsammlung – eben das Städelsche Kunstinstitut – als auch eine Kunstschule (die Städelschule, aus welcher die heutige Kunsthochschule hervorging) zu errichten sei. Städels vor allem an Gemälden und Zeichnungen sowie Kupferstichen vorwiegend flämischer, niederländischer und deutscher Provenienz reiche Sammlung hatte schon das lebhafte Interesse Goethes geweckt. Das Städel zählt zu den bedeutendsten Kunstmuseen nicht nur hierzulande. Mit der Jubiläumsausstellung schlägt es eine Brücke zurück in das frühe 20. Jahrhundert. Der damalige Direktor, Georg Swarzenski (1876 bis 1957), machte sich für die französische Malerei stark, die bis heute ein Sammlungsschwerpunkt des Städel ist.

 

Gezeigt wird rund ein halbes Hundert Gemälde von Claude Monet, der 1840 in Paris geboren wurde und 1926 im normannischen Giverny, dessen Garten und Seerosen er auf der Leinwand festhielt. Erste Erfolge hatte Monet, der sich in Romanen von Proust und Zola wiederfindet, im Übrigen bereits als Jugendlicher: als Karikaturist. Gezeigt werden weiters zentrale Arbeiten beispielsweise von Auguste Renoir, von Degas, Pissarro und Cézanne, von Jean-François Millet und Alfred Sisley. Kurator Felix Krämer, zugleich Sammlungsleiter der Kunst der Moderne, kommentiert: „In unserer Ausstellung fokussieren wir die Anfänge der impressionistischen Bewegung. Ausgehend von unserer Sammlung stellen wir die Frage, wie innerhalb weniger Jahre der Impressionismus entstehen konnte. Dabei steht in der groß angelegten Ausstellung die Entwicklung des Impressionismus von seinen Anfängen bis 1880 im Mittelpunkt.“

 

Da die Präsentation einem chronologischen Aufbau folgt, erwarten den Besucher zunächst im ersten Raum des Erdgeschosses Vorbilder der Impressionisten wie etwa die Schule von Barbizon mit Werken (überwiegend Landschaftsmalerei) von Corot, Courbet, Millet und anderen. Es schließt sich ein erster Hauptteil an mit Arbeiten beispielsweise von Monet, Renoir und Sisley, die allesamt im Wald von Fontainebleau geschaffen wurden. Ein Fotokabinett widmet sich dem Thema Natur in der Fotografie der Zeit um 1870. Anhand von Manets großformatigem Gemälde „Die Weltausstellung in Paris von 1867“ wird dessen Einfluss auf Monet deutlich. „Das Mittagessen“ von 1868/69 entstammt dem Eigenbestand des Städel. Monet wollte mit der Darstellung eines unverheirateten Paares mit Kind provozieren und die Konventionen kritisieren.

 

Ein zweiter Ausstellungsteil gilt den Jahren von 1872 bis 1880, in denen atmosphärische Licht- und Farbspiele in der Malerei an Bedeutung gewinnen. Sodann sind Landschaftsdarstellungen und Freizeitszenen aus den Jahren 1873 bis 1878 zu sehen, die das sich wandelnde Verhältnis des Menschen zur Natur thematisieren. Beispielsweise an Monets „Sommer“ von 1874, eine Leihgabe der Alten Nationalgalerie zu Berlin, lässt sich ablesen, dass nun die Natur als Ort der Erholung für den Städter zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der große Hauptraum der Etage wirft einen Blick auf die Metropole Paris. In einem gesonderten Kabinett werden zeitgenössische Karikaturen gezeigt. Schließlich wird die Betonung des Eigenwertes der Farbe veranschaulicht sowie, in einem Epilog, die Entwicklung hin zum nahezu vollständigen Verlust des Bildgegenstandes anhand der Serie zur „Kathedrale von Rouen“ und der Darstellung von Londoner Brücken, die dominiert wird von der Stimmung des Lichtes.

 

Zur Ausstellung ist im Prestel Verlag ein umfassender, von Felix Krämer herausgegebener Katalog herausgekommen, dessen luzide Essays etwa vom kulturhistorischen Kontext des Impressionismus handeln oder einzelne Gemälde in den genauen Blick nehmen. Sehr zu empfehlen! Weiters liegt ein Begleitheft in deutscher und englischer Sprache vor.

 

Hingewiesen sei noch auf die Nacht der Museen, der sich am Sonnabend, den 25. April, von 19 Uhr an bis in den Sonntagmorgen hinein (2 Uhr früh) Besucher aussetzen können. Mehr als drei Dutzend Museen und Galerien in Frankfurt und in Offenbach beteiligen sich daran. Im Begleitprogramm sind auch Theatervorstellungen, Künstlergespräche und Lesungen zu finden, und ein kostenfreier Shuttle-Service sorgt dafür, dass auch weiter voneinander entfernt liegende Häuser erreichbar sind.

 

Copyright Fotos:

Claude Monet (1840-1926), Le déjeuner: panneau decorative (ca. 1874), Paris, Musée d’Orsay, Foto: bpk/RMN – Grand Palais / Hervé Lewandowski

Claude Monet (1840-1926), Pfirsichglas, ca. 1866, Öl auf Leinwand, 55,5 x 46 cm, Foto:Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Claude Monet (1840-1926), Hôtel des roches noires à Trouville, 1870, Paris, Musée d’Orsay, Foto: bpk/RMN – Grand Palais / Hervé Lewandowski

Jürgen Gräßer
01.04.2015

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