Gioseffo Zarlino, Modulationes

Singer Pur (Oehms)

Gioseffo Zarlino, Modulationes

Ihr Repertoire ist ungemein breit, umfasst ganz unterschiedliche Gattungen, Jahrhunderte und Stilrichtungen. Die drei Tenöre, der eine Bariton, der eine Bass und die eine Frau (Claudia Reinhard, Sopran), ursprünglich hervorgegangen 1991 aus den Regensburger Domspatzen, verstehen sich auf Wolfgang Rihm und György Ligeti ebenso wie auf Friedrich Silcher („In einem kühlen Grunde“) und Errol Garner („Misty“), auf Sting wie auf Samuel Scheidt und Michael Praetorius („Es ist ein‘ Ros‘ entsprungen“). Zuletzt haben Singer Pur eine komplette CD Gioseffo Zarlino gewidmet. Zarlino? Der Schüler von Adrian Willaert – dessen Madrigale und Motetten haben Singer Pur bereits eingespielt – war maestro di cappella am Markusdom in Venedig und vor allem als Musiktheoretiker von Bedeutung. Die „Modulationes sex vocum“ von 1566 weisen Zarlino als einen Meister des Kontrapunktes aus, und Singer Pur als wahrhaft phänomenales A-Cappella-Ensemble. Vom ersten Akkord an ist hier eine völlig ungetrübte, lupenreine Intonation zu vernehmen, eine Textdeutlichkeit, hochmusikalische Phrasierungen, eine prägnante Artikulation, ein runder Zusammenklang, die allesamt vorführen, dass Singer Pur nichts weniger zu offerieren haben als Vokalpolyphonie allererster Klasse. Das Sextett entfaltet einen Klangfarbenteppich, auf welchem man sich nur allzu gern niederlässt, um damit davonzufliegen in die Welt der venezianischen Renaissance und ihrer wundervollen Musik. Am 22. Juli kann man Singer Pur live beim Festival Europäische Kirchenmusik in Schäbisch Gmünd erleben. Das englische Hilliard Ensemble hat sich zum Jahresende aufgelöst. Wie gut, dass es noch die Regensburger gibt.

Jürgen Gräßer
02.04.2015

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