Kind of Cool

Wolfgang Haffner (ACT)

Kind of Cool

Der vor bald einem halben Jahrhundert als Sohn eines Kirchenmusikdirektors in Wundsiedel geborene Wolfgang Haffner gehört hierzulande zu den ganz Großen des Jazz. Als er gerade einmal volljährig war, holte Albert Mangelsdorff den Schlagzeuger in seine Band. Für Till Brönner saß Haffner ebenso an der Rhythmusmaschine wie für Klaus Doldinger, Pat Metheny, Chaka Khan und die Fantastischen Vier. Auf seiner im Januar herausgekommenen CD, die auch in einer Ausgabe auf Vinyl zu haben ist und deren Titel anspielt auf Miles Davis‘ bahnbrechendes Album „Birth of the Cool“ von 1957, bewegt sich Haffner mit einer ungemein entspannten Eleganz durch das Große amerikanische Liederbuch. Da darf „Autumn Leaves“ (grandios an der Trompete, con sordino, à la Davis: Dusko Goykovich, satte dreiundachtzig Herbste zählend) genauso wenig fehlen wie „My Funny Valentine“ (butterweich geblasen und mit langem Atem ausphrasiert: die Kantilenen des finnischen Altsaxophonisten Jukka Perko) und „Summertime“, oder die hier dem Liebeshimmel wahrlich nahe Ballade „I Fall in Love Too Easily“ (abermals superb: Dusko Goykovich). Und eine Nummer wie „One for Daddy O“ (als Gast an der Posaune: Nils Landgren) mit Christopher Dell am Vibraphon und dem präzis-satten Dan Berglund am Kontrabass macht schlichtweg gute Laune. Haffner auch als Komponist erleben lässt sich eingangs und ausgangs der fabelhaften Scheibe, zum einen mit dem jugendlich-affirmativen „Hippie“, zum anderen mit der nachdenklich-melancholischen „Remembrance“ (sehr fein, am Flügel: Jan Lundgren), sowie, mittendrin, mit dem psychedelisch angehauchten Stück „Tantricity“. Vom ersten Takt an bis zum finalen Morendo zehn Nummern später pures Hörvergnügen.

Jürgen Gräßer
02.04.2015

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