„Italien! Italien? Italien.“ im Historischen Museum

Photographien von Ulrich Weichert

„Italien! Italien? Italien.“ im Historischen Museum

 „Winter ade! / Scheiden tut weh.“ hebt bekanntlich, in E-Dur, ein kleines Liedchen an, dessen Melodie im Übrigen auf einer alten fränkischen Volksweise (nämlich „Schätzchen ade“, ein, cum grano salis, Vorläufer von „Fifty Ways to Leave Your Lover“, das Paul Simon kurz nach der Trennung von seiner ersten Frau, Peggy Harper, schrieb, und mit dem er im Herbst 1975 großen Erfolg hatte) fußt. Die Verse stammen von Hoffmann von Fallersleben, und die Volksliedstrophe fährt so fort: „Aber dein Scheiden macht, / daß mir das Herze lacht.“

 

Auch das Herz so manchen Bamberger Museumsfreundes dürfte derzeit lachen. Das Ende der (für ihn) tristen Winterpause steht nämlich unmittelbar bevor, und gleich zum Auftakt der neuen Ausstellungssaison verspricht das Historische Museum auf dem Domberg nichts weniger als eine photographische Schwarz-Weiß-Reise ins Sehnsuchtsland der Deutschen par excellence (genaugenommen „per eccellenza“), mithin: nach Italien. „Italien! Italien? Italien.“ eröffnet am kommenden Freitag, den 24. April, um 19 Uhr und wird dann noch bis zum ersten Novembersonntag laufen.

 

Die in drei Werkkomplexen präsentierten Aufnahmen hat der Photokina-Preisträger von 1980 gemacht, Ulrich Weichert. 1949 in Tübingen geboren, erfuhr Weichert seine photographische Ausbildung zum Meisterschüler in Köln und war bis 2013 Leiter der Bildredaktion im Bundespresseamt in Berlin, wo er lebt. In seinen Arbeiten hat er sich beispielsweise mit Istanbul auseinandergesetzt, mit singulärer Architektur, 1978 mit Gewächshäusern, zwölf Jahre später mit der Berliner Mauer, dann mit den neuen Bundesländern, 2007 mit Bosnien-Herzegowina und, wieder und wieder, mit Italien.

 

Dabei nimmt Weichert vor allem die „vita quotidiana“ in den Blick, das alltägliche Leben auf der Straße, bei der Arbeit, in freien Stunden der Muße. Zum einen sind da Bilder aus Altidona, einer kleinen, um die 3000 Einwohner zählenden Gemeinde in den Marken, unmittelbar an der adriatischen Küste gelegen, etwas über acht Kilometer südöstlich von Fermo (das mit Ansbach eine Städtepartnerschaft unterhält). Zwischen 2001 und 2003 entstanden dort in Szene gesetzte Portraits etwa eines alten Wünschelrutengängers, eines Polizisten, von Metzgern und Hartwürsten und Bardamen.

 

Dann sind da noch, aus dem vergangenen Jahr, Photographien, die Weichert in dem Bergstädtchen Olevano Romano gemacht hat, östlich von Rom im Latium gelegen, bekannt für seinen DOC-Wein, den Cesanese, und Sitz der Casa Baldi, die der Villa Massimo, also der Deutschen Akademie Rom, zugehörig ist – aktuell leben dort die Stipendiaten Sven-Ingo Koch, Komponist, und der bildende Künstler Tue Greenfort, von Juli an dann der Lyriker Nico Bleutge – sowie der Villa Serpentara, in die die Berliner Akademie der Künste ihre Preisträger schickt (derzeit den Architekten Ulrich Brinkmann). Apropos Serpentara: Dieser Schlangenhain, ein oberhalb Olevanos gelegenes Steineichenwäldchen, war ein beliebtes Motiv von Malern, etwa von August Lucas oder Carl Schuch.

 

Schließlich werden noch römische Straßenszenen gezeigt, kleine Momente, Augen-Blicke, ja Epiphanien, Offenbarungen eben, die Weichert in der U-Bahn, auf dem Markt, im Café eingefangen hat. Auf geht’s, gen Italien!

 

Copyright Fotos:

 

Metzger in Pedaso-Altidona, Juli 2002, (C) Ulrich Weichert

Jürgen Gräßer
21.04.2015

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