„Unschärfen“ im Künstlerhaus

Fotografien von Roland Draack in Nürnberg

„Unschärfen“ im Künstlerhaus

 Roland Draack erschafft digital „unscharfe“ Fotos. Scharfe und klare Konturen auf Bildern sind zwar normalerweise erwünscht, aber eher die Ausnahme. „Schärfe“ ist deshalb nur relativ. Roland Draack entzieht diese seinen Bildern in einem aufwändigen Prozess. Bei ihm dominieren bewusst „Unschärfen“ die Fotos. Damit steht bei seinen Arbeiten der Gesamteindruck, die Impression im Vordergrund, wiewohl es auch viele Details zu entdecken gibt. Häufig sind es Landschaften, die er mit Fokussierungs- oder Bewegungsunschärfe auf Form, Farbe & Bewegung fast bis zur Abstraktion reduziert. In aufwändigen Aufnahmeserien erarbeitet er, auch bei scheinbar banalen Motiven, so eine eigene Bildsprache. Der Betrachter scheint manchmal eher Aquarelle vor sich zu haben als digital erstellte Fotos. Wenn Fotografie die reale Welt, reale Vorgänge in ihr (scheinbar) abbildet, dann führt Roland Draack mit seinen Fotos wieder in die Welt des subjektiven Betrachtens zurück. Er interpretiert, ähnlich wie ein Maler, die Welt. Die Unschärfe in Roland Draacks Fotos kann eine für den Betrachter erholsame Distanz herstellen. Wichtige und eher unwichtige Details erfahren in seiner Interpretation eine neue Gewichtung, Farben werden stärker wahrgenommen, die bewegten (Bewegungsunschärfe) Bilder lassen keine Hektik aufkommen, sondern unterstützen den Farb- und Lichteindruck. Seit zwanzig Jahren reduziert Roland Draack in seinen Arbeiten die Eindrücke auf das, was eigentlich gesehen oder erfahren wird: Form – Farbe – Licht – Bewegung. Er nähert sich somit verschiedenen Stilen der Malerei, die sich (scheinbar) nicht um Details kümmern. Oder wie es Gerhard Richter ausdrückt: „Was wir als Unschärfe bezeichnen, ist die Abweichung vom dargestellten Gegenstand. Da aber Bilder nicht gemacht werden, um sie mit der Realität zu vergleichen, können sie nicht unscharf oder ungenau sein.“

 

Der  Pressemitteilung zu der Ausstellung mit Arbeiten von Draack vorangestellt ist im Übrigen dieses Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: „ … sooft ich durch eine Brille sehe, bin ich ein anderer Mensch … Ich sehe mehr, als ich sehen sollte, die schärfer gesehene Welt harmonisiert nicht mit meiner inneren, und ich lege die Gläser geschwind wieder weg …“

 

 

Eine Ausstellung des KOMM-Bildungsbereiches und Diskurswerkstatt e. V. 

Bis zum 05. Juli, Künstlerhaus, Glasbau 1. OG
KunstKulturQuartier Nürnberg 
Königstr. 93. Telefon 0911-231-2853
Eröffnung: Mittwoch, 03. Juni 2015, um 20 Uhr
Öffnungszeiten: Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr
Eintritt frei

 

Foto © Roland Draack


15.06.2015

Eure Meinung? Leserbrief verfassen