"Un Viaggio in Italia" am Dechsendorfer Weiher

Uraufführung bei "Klassik am See"

Bei seiner dreizehnten Auflage lädt „Klassik am See“ zu einer sommerlichen Reise gen Italien ein. Hoch-emotional, wie man es eben vom Sehnsuchtsland der Deutschen her kennt, und abwechslungsreich soll das Programm des beliebten, zumeist ausverkauften Freiluft-Klassikers am Dechsendorfer Weiher werden. „Als Orchester können wir wieder auf die bewährte Qualität der ‚Sofia Sinfonics‘ zurückgreifen, die Leitung übernimmt wie in den letzten Jahren Ljubka Biagioni“, ließ Jan Dinger, der geschäftsführende Vorstand des veranstaltenden Vereins „Klassikkultur“, verlautbaren.

 

Das Motto der Veranstaltung am 29. Juli ist inspiriert von dem Titel eines Werkes, das an deren Abschluss zur Uraufführung kommt: „Un viaggio in Italia“. Geschrieben hat es – für Chor und großbesetztes Orchester – Vladimir Djambazov. Der Bulgare hat zunächst in Sofia Horn studiert, dann bei dem berühmten Hermann Baumann an der Folkwang-Hochschule, ehe er sich dem Komponieren verschrieb und bei Dirk Reith studierte, der in Essen die Elektronischen Studios aufbaute. Djambazov, Jahrgang 1954, hat für das Theater und den Film geschrieben, hat einen Dialog für Horn und Tonband komponiert und vier „Geheime Leben“, darunter eines für kleine Trommel. An der ersten Aufführung von „Un viaggio in Italia“ werden auch der Philharmonische Chor Herzogenaurach (Einstudierung: Roland Scheuer) sowie der Philharmonische Chor Nürnberg (neuer Chorleiter: Gordian Teupke) beteiligt sein.

 

Den Auftakt auf dem idyllisch zwischen See und Waldrand gelegenen Podium macht die muntere Ouvertüre zu Gioachino Rossinis Opera buffa „Il barbiere di Siviglia“ von 1816. Rossini auf dem Fuße folgt einer der größten des an großen Virtuosen wahrlich nicht armen 19. Jahrhunderts, Niccolo Paganini. Solist in dessen 1. Violinkonzert ist Lorenzo Gatto. 1986 in Brüssel geboren, studierte Gatto dort, in den Niederlanden und in Wien. Er hat unter anderem mit Salvatore Accardo, mit Julian Rachlin und mit Seiji Ozawa musiziert. Über Gatto sagt Ljubka Biagioni: „Ich freue mich ungemein darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten. Lorenzo Gatto gehört für mich zu den derzeit besten jungen Paganini-Interpreten.“

 

Niccolo Paganini, dem Franz Lehár 1925 eine Operette, Klaus Kinski zwei Jahre vor seinem Ableben einen Film, Paul Adams 2010 einen Thriller gewidmet hat, Niccolo Paganini machte seine Zuhörer so sehr staunen, dass manche ihn mit dem Teufel im Bunde wissen wollten (er spiele, hieß es, auf Saiten, die aus den Gedärmen seiner ermordeten Geliebten gefertigt worden seien). Tatsächlich war es so, dass er weit dünnere Darmsaiten als üblich benutzte. Hinzu kamen eine enorme Spannweite der linken Hand und die von ihm entwickelte Springbogentechnik sowie, erstmals eben in jenem D-Dur-Konzert (zumal im Rondo-Finale), Flageolett-Doppelgriffe.

 

Im zweiten Konzertteil führt der Weg in die ewige Stadt, deren italienischer Name im Übrigen, von hinten gelesen, den römischen Liebesgott Amor ergibt (was wir ziemlich passend finden). Möglich machen das Ottorino Respighi und seine symphonische Dichtung „Pini di Roma“ aus dem Jahre 1924. Hernach folgt dann, wie oben ausgeführt, die Uraufführung von „Un viaggio in Italia“. Als ob da nicht bereits ausreichend musikalische Feuerwerke Funken versprühten, kommt zum Finale noch ein veritabler Augenschmaus hinzu: Von Pontons aus wird ein farbenfroh gleißendes Hochfeuerwerk gezündet.

 

Die musikalische Gesamtleitung liegt am Dechsendorfer Weiher wie gewohnt in den Händen der 1968 in Rom geborenen Ljubka Biagioni. Sie hat in Sofia und an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom studiert und mit Leonard Bernstein und Ferdinand Leitner, mit Gustav Kuhn und Valery Gergiev zusammengearbeitet. Biagioni versteht sich bestens auf das italienische Repertoire. So hat sie beispielsweise mit „La Traviata“ und „Falstaff“ große Erfolge feiern können. Neben dem Dirigat zeichnete sie dabei auch für Regie, Kostüme und Licht verantwortlich. In Dechsendorf ist sie zum vierten Male zu erleben.

 

Freiluftkonzerte sind ja immer auch von den Launen des Wetters abhängig. Sollte die Veranstaltung am 29. Juli ins Wasser fallen und abgesagt werden müssen, so steht mit dem 30. Juli, einem Donnerstag, bereits ein Ausweichtermin fest. Konzertbeginn ist um 19.45 Uhr. Für Bestuhlung und für Catering ist gesorgt.


Copyright Fotos:

Sopfia Symphonics, © Severin Vogel

Lorenzo Gatto, © Josel-Noel Doumont (Studio Montjoie)

Klassik am See, Bühne, © Thomas Langer

Jürgen Gräßer
19.06.2015

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