Kammermusik allererster Güte

Die Saison 2015/2016 beim Musikverein Bamberg

Kammermusik allererster Güte

Es ist natürlich so, dass sich (auch) innerhalb der Kammermusikreihe der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie Konzerte von allerhöchstem Rang erleben lassen. Ansonsten aber ist für die vielleicht intimste Art des Musizierens an der Regnitz zuvorderst der Musikverein Bamberg zuständig, dessen Konzertreihe es außerdem möglich macht, im Joseph-Keilberth-Saal auch einmal andere Musiker als solche aus den Reihen der heimischen Symphoniker hören zu können. Dem Musikverein, dessen Wurzeln bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen und der ehedem auch Orchesterkonzerte – beispielsweise mit den Berliner Philharmonikern unter Wilhelm Furtwängler – veranstaltete, gelingt es mittels guter Kontakte seiner ersten Vorsitzenden, Andrea Paletta, sowie über finanzielle Zuwendungen unter anderem vonseiten der Sparkassenstiftung oder der Weltkulturerbestiftung ein ums andere Mal, Instrumentalisten und Sänger von internationalem Renommee nach Bamberg zu verpflichten.

 

In der Spielzeit 2015/2016 machen am 4. Oktober Daniel Müller-Schott und Lauma Skride den Auftakt. Müller-Schott, 1976 als Sohn einer Cembalistin und eines Mathematikers in der bayerischen Kapitale geboren und ein Schüler von Heinrich Schiff sowie von Steven Isserlis, wurde von Anne-Sophie Mutter gefördert, der er zum Beispiel die Chance verdankt, ein Jahr bei der Cello-Legende Mstislaw Rostropowitsch studieren zu können.

 

Harald Eggebrecht attestiert ihm in seinem klassischen Cellisten-Kompendium von 2007 einen „ungewöhnlich schönen, besonders im Cantabile elegisch singenden, eher im Hellen angesiedelten, biegsamen Ton von großer Tragfähigkeit“ und vorbehaltlos überzeugende „kammermusikalische Fähigkeiten“. Letztere wird Müller-Schott an der Seite der lettischen Pianistin und Wahl-Berlinerin Lauma Skride (sie war beim Musikverein bereits zweimal mit ihrer Geigerinnen-Schwester Baiba zu hören) ausstellen, die ihn in Sonaten von Beethoven, Schostakowitsch und Poulenc (die Pierre Fournier zugeeignete Sonate FP 143 von 1948) begleiten wird.

 

Auch Martin Helmchen, der am 9. April an die Regnitz kommt, zählt längst zu den Großen seiner (Pianisten-)Zunft. Alfred Brendel gehört zu seinen Mentoren, die Wiener, die Berliner, die New Yorker Philharmoniker zu den Orchestern, mit denen er Triumphe feierte. Neben Bachs a-Moll-Partita und Schuberts B-Dur-Sonate aus dessen Sterbejahr 1828 wird Helmchen sich – in Auswahl – der „Vingt regards sur l’Enfant-Jésus“ (1944) von Olivier Messiaen annehmen. Zu den gerade bekannt werdenden Ensembles zählt das Boreas Quartett (15. Januar), vier in Bremen beheimatete Blockflötistinnen, die neben Haßler und William Byrd auch Stefan Thomas, einen Kompositions-Schüler von Krzysztof Meyer, mit nach Bamberg bringen werden. Auch das aus fünf ehemaligen Thomanern bestehende Ensemble Nobiles – es wird am 13. November eine „Leipziger Liedertafel“ mit Werken von Mendelssohn, Schumann und anderen gestalten – ist den Neuentdeckungen zuzurechnen. Beide Konzerte werden vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt gesendet.

 

Das vor fünf Jahren in Budapest gegründete Kelemen Quartett hat wichtige Impulse von Joshua Bell, von Günter Pichler (Alban Berg Quartett) und von dem Pianisten András Schiff erhalten. Es zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass alle drei hohen Streicher sowohl Violine als auch Bratsche spielen. Am 5. Februar gastieren die Vier mit Streichquartetten von Leoš Janácek (das Erste, nach Tolstois „Kreutzersonate“), Beethoven, Bartók und Haydn (op. 76/2). Mit dem Oberon Trio ist am 11. März eine weitere Kammermusikgattung innerhalb der Musikvereins-Reihe vertreten: das Klaviertrio. Und was würde wohl, für eine Formation, die sich nach der Figur des Elfenkönigs aus Shakespeares „Sommernachtstraum“ tauft, näher liegen, als ihr Programm „If music be the food of love“ zu überschreiben (auch wenn diese Worte nicht aus der von Purcell und, 1960 in Aldeburgh, Britten auf die Bühne gebrachten Oper stammen, sondern aus der Eingangsszene von „Was ihr wollt“)? Zu Gehör kommen, am 11. März im Jahr von Shakespeares vierhundertstem Todestag, Kompositionen Schuberts, Beethovens und Mendelssohns sowie „That Crazed Smile“ von Charlotte Bray, das nun tatsächlich vom „Sommernachtstraum“ befruchtet worden ist. Es ist ein vom Oberon Trio in Auftrag gegebenes Werk und wird von diesem am 20. Oktober in Landshut uraufgeführt werden.

 

Ein Liederabend führt den im ladinischen La Val aufgewachsenen Bariton Andrè Schuen nach Bamberg. Er hat am Mozarteum studiert und Anregungen etwa von Olaf Bär, von Marjana Lipovšek und Thomas Allen erfahren. Sein Begleiter am Flügel – Daniel Heide aus Weimar – hat mit Gidon Kremer, Antje Weithaas und Tabea Zimmermann zusammengearbeitet, allesamt nicht nur in Bamberg keine Unbekannten. Zu hören sind am 10. Juni Lieder (nämlich übers Wandern) von Schubert, sodann Volkslieder aus Schuens Heimat, die Petrarca-Sonette von Liszt und die „Quattro canzoni d’Amaranta“ des mit Caruso befreundeten Francesco Paolo Tosti. Geraten sei, abschließend und selbstverständlich, auch zu dem Besuch des Konzertes am 29. April. Im Spiegelsaal der Harmonie werden Preisträger des Bayerischen Landeswettbewerbs von „Jugend musiziert“ ihr Können zeigen.

 

Copyright Fotos:

Ensemble Nobiles, Foto © Christian Wolff

Daniel Müller-Schott, Foto © Maiwolf

Boreas Quartett, Foto © Alasdair Jardine

Jürgen Gräßer
27.07.2015

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