Starken Frauen, starke Musik

Internationale Künstlerinnen bei der Museumsnacht am 12. September

Starken Frauen, starke Musik

Während das Sambafestival eher lautstark den Auftakt des Coburger Sommers markiert, setzt die „Nacht der Kontraste“ ans Ende des Kulturreigens das abschließende Glanzlicht. Für Dr. Klaus Weschenfelder, Chef der Kunstsammlungen auf der Veste, ist die einstige Museumsnacht heute der „unbestrittene Höhepunkt des Coburger Kulturlebens“. Und für eine stetig wachsende Zahl von Genießern beginnt nach dem letzten Samstag der Sommerferien ganz einfach „Coburgs schönste Nacht“. Und so werden am 12. September wieder Tausende Nachtschwärmer in das historische Ambiente um den Hofgarten strömen, um in alten Mauern neue Erlebnisse für Auge, Ohr und Gaumen zu genießen.

 

Neben der Illumination des Hofgartens, den Sonderausstellungen und ungewöhnlichen Inszenierungen historischer und – immer auch – weniger bekannter bzw. sonst kaum zugänglicher Plätze hat vor allem das hochkarätige Musikprogramm dazu beigetragen, dass sich die „Nacht der Kontraste“ zu einem der publikumsstärksten Kultur-Events Coburgs entwickelt hat.

 

Martin Rohm, der das künstlerische Programm seit Anfang gestaltet, hat seine 11. „Nacht“ unter das Motto „Starke Frauen“ gestellt – und für den musikalischen Teil starke Künstlerinnen aus vielen Ländern nach Coburg geholt.

 

Aus Belgien stammen Didier Laloy und Kathy Adam, die Akkordeon und Cello inszinieren wie kein anderes Duo. Die beiden leisten sich einen heißen Flirt mit der Kammermusik, ohne allerdings ihre Liebe zum Tänzerischen zu verleugnen.

 

Als 1990 die Band „Bobo in White Wooden Houses“ auftauchte, hatte es die erste ostdeutsche Indie-Pop-Band geschafft, im gesamten Bundesgebiet Aufmerksamkeit zu erregen. Die Band ist mittlerweile Geschichte – Bobo ist immer noch da. Ihr musikalischer Partner ist heute der hallesche Musiker Sebastian Herzfeld. Mit ihren »Liedern von Liebe und Tod« gewannen die beiden 2008 den Weltmusikpreis RUTH.

 

Die Musik von Andy Houscheid experimentiert zwischen den Stilen und ergibt, gepaart mit deutschen Texten, einen besonderen Sound. Bereits mit den ersten Tönen ziehen Sängerin Anke Filbrich und Houscheid die Zuhörer in ihren Bann.

 

Musette is not dead, hat sie auf ihr neues Album geschrieben. Und genauso spielt sie auch. „Eine Mischung aus Lisbeth Salander, Pippi Langstrumpf und Amelie“, so nannte die Musikkritik Anne Niepold, und wer die junge belgische Akkordeonistin live erlebt, ist spontan fasziniert von ihrer hinreißenden Darbietung.

 

Live Foyn Friis ist die Band rund um die gleichnamige norwegische Singer-Songwriterin, die mit ihrer Musik und ihrer charismatischen Bühnenpräsenz tief berührt und beeindruckt. Möchte man ihre Musik beschreiben, so wäre es wohl Indie-Jazz mit Pop, Rock und Electronica-Elementen.

 

Catch-Pop String-Strong - Das fulminante Duo der aus Serbien und Österreich stammenden Musikerinnen Rina Kaçinari (Violine, Gesang) und Jelena Popržan (Cello, Gesang) begeistert durch den für zwei Streichinstrumente ungewöhnlichen Groove, überraschende Vokalvolten und komödiantische Einlagen.

 

Sistergold - Die beste Musik, die ich in unserem Pavillon je hörte“ schwärmte nach der Museumsnacht 2013 ein Mitglied des Kunstvereins. Und viele Besucher vergaßen glatt den Rest der Museumsnacht. Grund genug, die vier nach zwei Jahren nochmals zu präsentieren.

 

In der Lutherkapelle der Veste Coburg interpretiert Trio Rosenrot deutsche Volkslieder auf neue, einzigartige Weise. Dana Hofmann, Hub Hildenbrand und Denis Stilke erschaffen eine intime Wohnzimmer-Atmosphäre, die sich im nächsten Moment in einen orchestralen Klangraum von immenser Weite wandeln kann.

 

Das Duo Handinhand schreiben, spielen und singen Lieder über alles, was sie bewegt. Dabei bewegen sich Anett Lipske und Beate Wein auf Fender Rhodes-Tasten und Schlagwerk stilistisch im Straßenswing, Barfußbossa und Firlefunk.

 

Bei all der internationalen Musik bietet die Nacht der Kontraste auch eine Gelegenheit, hervorragende heimische Musikerinnen zu erleben. Dazu zählen Alina Friedrich, Frontfrau der Band Coolangatta, Sabine Hörnlein, die Saxofonistin der Greyhound Band, die Downbeat-Sängerin Tine Kissing und die Pianistin Yvonne Preising.

 

Starke Frauen – nicht nur in der Musik klingt dieses Motto an: Das Coburger Puppenmuseum erinnert an Käthe Kruse; im Hof des Gymnasiums Casimirianum rücken die Altstadtfreunde bekannte Frauengestalten aus der Coburger Geschichte ins Licht; der historische Ratssaal wird zur Galerie für Coburger Malerinnen. Durch „ihre“ Prunk-, Ankleide und Schlafgemächer in Schloss Ehrenburg führt Kunsthistorikerin Birgit Jäckel-Beck alias „Queen Victoria“.

 

Eher avantgardistisch ist das Kunstprojekt der Kirchengemeinde St. Moriz. Sie weicht wegen Umbaus der Coburger Stadtkirche in die Salvatorkirche aus und veranstaltet ihre Kirchennacht zum Kunstprojekt 12 W/Orte: eine Liebesnacht. Die Salvatorkirche ist einer der Kunstorte in diesem Projekt. Unter dem Titel „Following a path“ und auf der Grundlage des Hohelieds der Liebe wird eine Videoinstallation von Margarethe Kollmer mehrfach gezeigt werden.

 

Einen starken Kontrast zu all den weiblichen Schönheitsidealen setzt die Veste Coburg: Sogenannte Bizarrerien im Kontext der italienischen Druckgraphik des 16. Jahrhunderts zeigt ihre Sonderausstellung „Die dunkle Seite der Renaissance“. Die ist am Museumsnacht-Wochenende letztmals zu sehen: Für einen Blick auf Hexensabbat, bizarre Monster und makaber agierende Skelette wird es also in „Coburgs schönster Nacht“ höchste Zeit.

 

Weitere Informationen unter www.coburg.de/Museumsnacht


Coypright Fotos:

Lotusblüten im Hofgarten, Foto © Martin Rohm

Rote Lichtschläuche an Bäumen, Hofgarten, Foto © Albert Höchstädter


27.07.2015

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