Beheimatet und heimatlos

Das Kulturforum Fürth widmet sich im Herbst einem brennenden Thema

Beheimatet und heimatlos

Wer vom auslaufenden Programm des Fürther Kulturforums noch etwas mitbekommen will, muss sich sputen: Noch bis zum 8. August lässt sich „Mauerflimmern“ genießen, also Open Air Kino, dann ist vorerst Saisonschluss. Aber die Unermüdlichen unter dem Forumspublikum müssen nicht allzu lange warten, bis der Vorhang wieder aufgeht und ein neues Projekt gestartet wird. Am 24. September findet in der Großen Halle des Kulturforums Fürth die Uraufführung von „UN BEHEIMATET“ statt. Der Untertitel lautet: „Ein Chor in Bewegung“. Mit dem bewegten Chor hat es etwas auf sich, denn der Nürnberger Gewerkschaftschor mit dem Namen „Auftakt“, der dieses Projekt vor allem stemmen wird, hat schon so einiges bewegt. Zuletzt machte das Ensemble mit den zeitgenössischen Musiktheaterstücken „Vom Großen und Ganzen“, „Kaspar Hauser oder Unter Menschen“ und „Die Monopolis Oper“ nachhaltig auf sich aufmerksam. Der Chor wurde 1981 ursprünglich als Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen. Der Gründungsgedanke prägt noch heute das Engagement des Ensembles, das in musikalischer Form Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen nimmt.

 

Mit „UN BEHEIMATET“, einer Koproduktion mit dem Kulturforum Fürth unter der künstlerischen Leitung von Johannes Reichert, setzt sich der Chor mit dem Thema „Heimat“ auseinander, was mit Blick auf die Folgen der Globalisierung höchst aktuell ist und angesichts zunehmender Migrationsströme zwangsläufig auch den Verlust von Heimat, also die Heimatlosigkeit, beinhaltet. Das Thema hat deshalb mittlerweile Hochkonjunktur in den Medien und in unserem Alltag. So feiern oder verteufeln wir wahlweise die Globalisierung und greifen beim Einkauf gerne wieder zu regionalen Produkten, sei es aus Protest oder aus Überzeugung. Vor allem sind wir mehr denn je mit dem Heimatverlust anderer Menschen konfrontiert, z.B. den auf Schrottbooten im Mittelmeer treibenden Flüchtlingen, die nur eines im Sinn haben: eine neue Heimat zu finden. Nur allzu gerne möchten wir davor Augen und Ohren – und die Grenzen(!) verschließen.

 

Der Chor „Auftakt“ nimmt mit seiner neuesten Produktion dazu Stellung und verwendet dafür Lieder und Texte aus unterschiedlichen Epochen und musikalischen Stilrichtungen. Mit Bewegung, Klang, Musik und Wort soll die Sehnsucht nach einem unverzichtbaren Gut, eben nach der Heimat, spürbar gemacht werden. „Auftakt“ wird den Wert von Heimat zum Ausdruck bringen und dem gleichzeitig Entfremdung, Ausgrenzung und Heimatlosigkeit entgegenstellen. Spieltermine: 24. bis 26. September, 20. bis 22. November.

 

Copyright Foto: Unbeheimatet - Auftakt, Foto © Wolfgang Keller

 

Martin Köhl
27.07.2015

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