Das Unsichtbare sichtbar machen

Die Sieger des Kunstwettbewerbs „Im Schutz des Engels – 1000 Jahre Kloster Michaelsberg

Das Unsichtbare sichtbar machen

Fast könnte man meinen, die Verleihung eines mit 10.000 € dotierten Kunstpreises hätte etwas Alltägliches in Bamberg. In einem relativ schmucklosen Sitzungsraum des Bamberger Rathauses, von offizieller Seite „Kapelle“ genannt, fand das gemeinsam von der Stadt Bamberg und dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK) ausgeschriebene Kunstprojekt zum Michaelsbergjubiläum einen ersten Höhepunkt; die Verleihung der Preise an die siegreichen Künstler.

 

Zielsetzung dieses „geschlossenen“ Wettbewerbes (es konnten sich nur Künstler bewerben, die im BBK organisiert sind) war, so die Ausschreibung, dass die Bewerber ein Projekt ausarbeiten, welches „die besondere historische, künstlerische und religiöse Bedeutung des ehemaligen Klosters und seiner Geschichte hervorhebt, sich damit beschäftigt und diese reflektiert und/oder interpretiert“. Bis Ende Juni wurden zehn Wettbewerbsbeiträge eingereicht, die am 1. Juli von einer Jury unter Vorsitz des Bamberger Kulturreferenten, Dr. Christian Lange, bewertet wurden. Als Sieger aus diesem Auswahlprozess gingen die Eggolsheimer Künstlerin Michaela Schwarzmann mit ihrer Installation „Pflanzen möchten ans Licht – Natur als Prozess“ und der Bamberger Künstler Johannes Schreiber mit seiner Bewerbung „Ein Bamberger Totentanz“ hervor.

 

Und genau diesen Beiden verlieh Kulturreferent Dr. Lange im Beisein des stellvertretenden Vorsitzenden des BBK Oberfranken, Gerhard Schlötzer, einen Preisanteil von jeweils 5.000 Euro. Nach Überzeugung der Jury „greifen die Künstler in ihren Arbeiten bedeutende Kunstwerke des Michaelsberges auf, interpretieren sie neu und entwickeln so neue Perspektiven auf diese Werke“. Das besondere an diesem Wettbewerb war, dass die Künstler sich nicht mit fertigen Kunstwerken, sondern mit Projektskizzen bewerben mussten. Die Kunstwerke selbst werden vom 4. September bis 4. Oktober direkt vor Ort entstehen. Zu diesem Zweck werden erstmals der Nord- und der Südpavillon im Terrassengarten des Michaelsbergs geöffnet und damit gleichzeitig den Besuchern durch die Kunst zugänglich gemacht. In den Pavillons arbeiten die beiden Künstler an ihren Werken und bieten den Gästen mit ihrer persönlichen Anwesenheit und der Werkstatt vor Ort die einmalige Gelegenheit, mit ihnen und ihren Werken zu interagieren.

 

Michaela Schwarzmann, die Preisträgerin aus Eggolsheim, beabsichtigt mit ihrem Wettbewerbsbeitrag den auf unbestimmte Zeit nicht zugänglichen „Himmelsgarten“ der Klosterkirche sozusagen ans Licht zu bringen. Auf zweilagige, transparente Blätter zeichnet und näht sie beidseitig verschiedene Formen von Pflanzen, ihren Stängeln, Knospen, Blüten und Blättern. Dabei liegt der Fokus nicht auf detailgetreuen Abbildungen, sondern vielmehr auf Linien, Formen und Kompositionen. Unterschiedliche Lichtverhältnisse verändern das Objekt beim Durchleuchten. Für ihre Arbeit nutzt Michaela Schwarzmann manuell betriebene Nähmaschinen (an denen sich die Besucher selbst ausprobieren dürfen), um dem ursprünglichen Klostercharakter möglichst nahe zu kommen. Dazu gehört auch ihr Selbstversuch, denn die Künstlerin geht für eine Woche (vom 8. bis zum 15. September) in ihrem Pavillon in Klausur und möchte sich, ganz in der Tradition der Mönche, durch die Hilfsbereitschaft der näheren und weiteren Nachbarschaft mit Lebensmitteln versorgen lassen. Wenn Sie also an dem Wohl von Frau Schwarzmann interessiert sind, dann bringen Sie doch bei Ihrem Besuch etwas zu essen mit.

 

Johannes Schreiber, Bamberger Preisträger, hat bewusst das Thema „Totentanz“ gewählt, da er eine tiefe Sympathie zur Heilig-Grab-Kapelle hegt. Er möchte sich nach eigenem Bekunden „wegen der Sympathie für diesen stillen Ort vor Ort in einem der Pavillons nochmals mit dem Gedanken an das Vergängliche befassen, in der Atmosphäre einer Werkstatt, eines Ateliers, mit einem Material, das auch dafür bekannt ist, die Zeiten zu überdauern“. Schreiber wird in dem Pavillon eine Mosaikwerkstatt einrichten, in der innerhalb der vier Wochen ein mehrteiliges Mosaik entsteht, dessen Inhalt die „Eitelkeiten des Lebens“ sein werden. Hierzu wird er farbige Glasplatten zerkleinern, in Smalten (das klassische Mosaikmaterial) zerhacken, zu einem Bild zusammenfügen und anschließend mit Zement zu transportablen Platten vergießen. Vom Endergebnis existiert derzeit nur eine grobe Vorstellung, also darf man sich auf ein „work in progress“ freuen. Insgesamt sollen zwischen zwölf und fünfzehn Mosaiktafeln entstehen und deren Entstehungsprozess für den Besucher direkt erfahrbar sein. Am 4. Oktober wird Schreibers Pavillon mit dem umlaufenden Band des Totentanzes gefüllt sein. Die Wände des Pavillons wird eine Dokumentation der Totentanzdarstellungen allgemein und im Besonderen den Totenspiegel in der Heilig-Grab-Kapelle aufgreifen und so eine Verbindung zwischen den entstehenden Arbeiten und ihrem „Michaelsberger Hintergrund“ herstellen.

 

Die Künstler werden vom 4. September bis zum 4. Oktober in den beiden Pavillons arbeiten. Wer sichergehen will, sie dort oben anzutreffen, der plant seinen Besuch am besten von Mittwoch bis Sonntag, in der Zeit zwischen 10 Uhr und 16 Uhr. Außerdem ist für den 27. September um 15 Uhr ein Künstlergespräch geplant.

 

Copyright Fotos:

Preisverleihung, © 2mcon, Bamberg

„Der Tod als Bischof“ von Johannes Schreiber, © Johannes Schreiber

„Schlafmohn“ von Michaela Schwarz-mann, © Michaela Schwarzmann

Ludwig Märthesheimer
27.07.2015

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